Agritechnica

Kampfansagen aus der Gründerszene


Die Wetterhelden (v.l.n.r.): Nikolaus Haufler, Felix Weber-Frerigmann und Peter Haufler.
Bild: pio
Die Wetterhelden (v.l.n.r.): Nikolaus Haufler, Felix Weber-Frerigmann und Peter Haufler.

Zur Agritechnica 2019 bringen drei Jungunternehmer eine neue Dürreversicherung auf den Markt. Außerdem gibt es ein Risikomanagement-Coaching per App.

Nikolaus Haufler (34), sein Bruder Peter (31) und ihr Geschäftspartner Felix Weber-Frerigmann treten mit dem Versprechen an, Landwirten eine erschwingliche Versicherung gegen Dürre anzubieten. Seit einer Woche sind sie mit dem Versicherungs-Start-Up „Wetterhelden“ am Markt. Dahinter verbirgt sich eine Index-Versicherung, die vom nächstgelegenen Standort zum Schlag des Landwirts den Regenfall für jeden der versicherten Tage misst. Im Praxisbeispiel am Stand auf der Agritechnica versichert ein Landwirt im Landkreis Plön in Schleswig-Holstein seinen Winterweizen im Zeitraum 1. bis 31. Mai 2020 gegen Trockenheit. Misst der Index höchstens 1,1 mm Niederschlag, tritt der Versicherungsfall ein. Vorausgesetzt, es hat schon mehr als 25 Tage in dem Monat zu wenig geregnet. Denn 25 Tage, so Nikolaus Haufler, gelten als „normal“. Für jeden trockenen Tag ab dann kann der Betriebsleiter 5.000 € von Wetterhelden kassieren.

Legt man die geplante Absenkung der Versicherungssteuer auf Trockenheitspolicen zugrunde, die ab 2020 kommen soll, kostet die Versicherung der Wetterhelden den Landwirt 2.587,20 € pro Jahr. Die jungen Unternehmer wollen die Versicherungsprämie niedrighalten, indem sie nicht nur Landwirte gegen Trockenschäden versichern, sondern auch andere wetterabhängige Branchen wie das Schaustellergewerbe oder die Gastronomie gegen wirtschaftliche Einbußen durch Regen. „Bestehende Trockenheitsversicherungen sind in der Regel teuer, weil Dürre ein Risiko ist, dass schwer kalkulierbar ist: Mal gibt es Jahre mit Dürreschäden, mal nicht“, so Nikolaus Haufler. Die Versicherungen müssten dennoch dafür gerüstet sein, im Schadensfall zu zahlen – und Trockenheit tritt in der Regel überregional auf, es wird also teuer: „Dadurch, dass wir auch Regenschäden versichern, haben wir gegenläufige Risiken in unserem Portfolio“, erklärt Haufler.


Die beiden Brüder und ihr Geschäftspartner, der Nebenerwerbslandwirt Felix Weber-Frerigmann, sind beispielhaft für einen Trend, der auf der Agritechnica in Hannover deutlich sichtbar ist: Start-ups greifen mit innovativen Geschäftsideen etablierte Anbieter wie in dem Fall große Versicherungskonzerne an. Die jungen Unternehmer sind dazu auch häufig sehr gut ausgebildet und haben Erfahrung in namhaften Konzernen vorzuweisen – sind also keine „Grünschnäbel“. So auch die Gebrüder Haufler: Peter ist Mathematiker und hat vor Wetterhelden Risiko-Modelle für Banken entwickelt. Nikolaus ist Wirtschaftsinformatiker. Berufliche Erfahrung haben sie gesammelt bei den Beratungsunternehmen Ernst & Young und bei Deloitte.

Agritechnica : Größer - smarter - bunter


Im Fall der Risikomanagement-Beratungs-App „Wappnet“ sind die Gründer zwar schon deutlich berufserfahrener. Aber auch sie wagen zur Agritechnica den Markteintritt. Die Risikomanagement-App Wappnet soll es landwirtschaftlichen Familienbetrieben grob vereinfacht gesagt ermöglichen, „informierte Entscheidungen“ über die Weiterentwicklung ihres Unternehmens zu treffen, erläutern Christoph Schwager und Thomas Sindelar. Schwager war zuvor unter anderem Risikomanagement-Berater für Airbus, Sindelar landwirtschaftlicher Berater.

Den Impuls setzten Landfrauen

Das Tool Wappnet lädt landwirtschaftliche Unternehmer dazu ein, die Situation ihres eigenen Betriebs zu reflektieren. So sollen die Landwirte Aufschluss darüber gewinnen, welcher Unternehmertyp sie sind, wo etwaige Schwachstellen und Denkfehler bei eigenen Projekten liegen, und wo Risiken entlang der Wertschöpfungskette. Die App gibt einzelne Auswahlmöglichkeiten zu möglichen Risiken in Bezug auf unter anderem den Standort, die Wettbewerbssituation, die Mitarbeiter und Handelspartner zur Auswahl. Erkennt der Landwirt sich in einem der Parameter wieder, wird ihm in einem Erklärvideo das Risiko erläutert. Das ganze Team oder die einzelnen Familienmitglieder können dies getrennt voneinander machen und sich dann über ihre Reflexionen austauschen. Die App bietet also eine Art Risikomanagement-Coaching für zuhause – ohne Fahrtkosten und Arbeitsausfälle, die bei externen Seminarbesuchen anfallen. Im Jahresabo kostet die Software 225 €, im Monat 59 €.

Den Impuls für Wappnet setzten übrigens Landfrauen, erinnert sich Sindelar: „Es waren Vertreterinnen von Landfrauen-Verbänden, die nach verständlicher und umfassender Beratung für die Neuausrichtung ganz normaler landwirtschaftlicher Betriebe fragten.“ Daraus entstand die Idee, ein solches Angebot zu entwickeln.

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