Aleph Farms

So gut wie ein echtes Steak


Noch wachsen kleine Fleischstücke in Petrischalen.
Bild: Aleph Farms
Noch wachsen kleine Fleischstücke in Petrischalen.

Viele Verbraucher halten Fleisch aus der Petrischale an sich für eine gute Idee. Grundvoraussetzung für die Akzeptanz beim Verbraucher ist, dass er den Unterschied zwischen echtem und gezüchtetem Fleisch nicht bemerkt.

 

Was bisher noch unmöglich war, ist einem Forscher aus Israel nun anscheinend gelungen. Das Team des  französisch-israelischen Agraringenieurs Didier Toubia hat eine neue Methode entwickelt, um Fleisch im Inkubator zu züchten.

Im Gegensatz zu Petrischalen-Fleisch aus Stammzellen hat Toubia den Tieren vier Zellarten entnommen: Stützzellen für die Gewebestatik, Fettzellen für den Geschmack, Muskelzellen für die Textur und Blutzellen für die Farbe. Auf der Website von Toubias Firma „Aleph Farms“ erklärt der 45-jährige Wissenschaftler: „Da Fleisch ständig in Schweinen, Rindern und Hühnern wächst, gibt es also einen natürlichen Mechanismus, der Fleisch wachsen lässt“, so Toubia.

Seine Firma habe herausgefunden, wie der Mechanismus funktioniert und wie er auch außerhalb von Tieren am Leben erhalten werden kann. Also kombiniert und nährt Toubia die vier Zellarten so lange, bis aus ihnen ein Gewebe erwachsen ist, das natürlichem Fleisch zum Verwechseln ähnlich ist.

Bisher ist der Prozess der Fleisch-Zucht noch komplex und teuer, sodass das Kilo rund 1000 US-Dollar kostet. Aber schon in wenigen Jahren plant er, mehrere Milliarden US-Dollar mit seinem „Steak aus Zellkulturen“ umzusetzen, sagt er dem „Handelsblatt“.
Toubia ist sich sicher, dass in etwa vier Jahren die produzierte Menge so groß ist, dass Restaurants als Kunden infrage kommen. Später wolle er auch Supermärkte beliefern – und das zu tragfähigen Preisen.

Die Ziele mögen ambitioniert sein, doch Toubia gilt als versierter Geschäftsmann. Seine erste Firma verkaufte er für 10,5 Millionen US-Dollar. Hier hatte er ein Verfahren zur Entfernung gutartiger Brust-Tumore entwickelt. Seine zweite Firma hielt ein Patent auf Implantate zur Stabilisierung der Wirbelsäule. Die verkaufte er für 50 Millionen US-Dollar. Aleph Farms aber will Toubia laut dem Handelsblatt gar nicht verkaufen, die Marktchancen seien zu groß.

Studien der Vereinten Nationen prognostizieren in der Tat einen stetigen Zuwachs beim Fleischkonsum – einhergehend mit dem Aufschwung in Schwellenländern. Diesen Bedarf gilt es zu befriedigen. Wenn nicht aus dem Stall, dann eben aus dem Labor.
„Für die perfekte Textur werden auch Fett-, Blut- und Stützzellen gezüchtet.“
Das sehen auch andere Branchenteilnehmer so. Angeblich forschen weltweit rund 25 Firmen an Verfahren zur Herstellung von Fleisch aus dem Inkubator. Das Geld kommt zum Teil auch aus den Schatullen traditioneller Fleischproduzenten. Tyson Foods, die THW-Gruppe und Cargill sind nur einige der Firmen. Toubia soll auch bereits Angebote aus Deutschland erhalten haben, heißt es.

Auch wenn der Steak-Prototyp laut dem Handelsblatt schon passabel daherkommt, so ist Toubia noch nicht ganz zufrieden. Derzeit seien sechs Produktionswege im Test – und es sei noch unklar, welcher das Rennen mache. Keiner der Poduktionswege brauche aber genmanipulierte Zellen. Auch ein Verkaufsargument.

Was Toubia für die Massenproduktion ebenfalls noch fehlt, sind die entsprechenden Genehmigungen der Lebensmittelbehörden. Derzeit sei seine Firma in Verhandlungen mit den USA und der EU. Für weitere Märkte stehe er auch im Kontakt mit religiösen Führern, um sein Fleisch als Halal und koscher einstufen zu lassen. Probleme bereite ihm indes der indische Markt, wo Kühe als heilig gelten. Hier müsse seine Firma nachweisen, dass die Rinder bei der Zellentnahme nicht verletzt wurden. Für die meisten Kunden erfolgt die Legitimation des Fleischs aber sicherlich über den Geschmack und den Preis.

Apropos: Die Kollegen des Handelsblatts waren unlängst zum Prototypen-Abendessen bei Toubia geladen und durften das Steak aus dem Inkubator kosten. Ihr Fazit: Sieht tatsächlich aus wie echtes Rindfleisch, schmeckt wie echtes Rindfleisch, riecht wie echtes Rindfleisch und hat die Textur von echtem Rindfleisch. Serviert wurde es als klassisches Minutensteak, das schon beim Braten einen angenehmen milden und typischen Geruch verströmte. Auch das Schneiden des Steaks auf dem Teller habe sich völlig echt angefühlt, schwärmen die Autoren. Damit dürfte ein wichtiger Grundstein für eine erfolgreiche Markteinführung gelegt sein.

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