Analyse

Amerika profitiert von ASP


Das Wildschwein gilt als effizientester Überträger der ASP.
Foto: Jörg Sabel/Pixelio.de
Das Wildschwein gilt als effizientester Überträger der ASP.

Die weitere Ausbreitung der Afrikanischen Schweinepest (ASP) in Europa und China hat das Zeug, die globalen Warenströme für Fleisch deutlich zu verändern. Experten der Rabobank entwickeln Szenarien.

Mit Stand vom 18. September sind in China 20 ASP-Fälle in sieben Regionen registriert worden. Der Fund des Virus bei zwei Wildschweinen in Belgien nur wenige Tage zuvor beunruhigt globale Importeure zusätzlich. Marktanalysten der Rabobank zeigen jetzt auf, was diese neuen Entwicklungen für den globalen Fleischmarkt bedeuten.

Die ASP-Fälle in Belgien sind für die Marktanalysten „Anlass zur großen Besorgnis“. Die Wildschweindichte in Südbelgien, nur 60 Kilometer von der deutschen Grenze entfernt, sei hoch, schreiben sie in ihrer Analyse. Für den Fall, dass die Seuche dort weite Teile der Wildschweinpopulation befällt, sei eine Eindämmung der weiteren Ausbreitung auf angrenzende und exportorientierte Staaten wie Deutschland und Frankreich mindestens einmal schwierig.

Importeure in Asien haben wenig Alternativen zu Europa

Sollten Wildschweine die ASP in diese beiden Staaten einschleppen, wäre „der globale Handel erheblich beeinträchtigt.“ Denn westeuropäische Exportschwergewichte wie Deutschland stellen derzeit nach Angaben der Rabobank 35 Prozent der globalen Schweinefleisch-Exporte: „Störungen im Export aus Westeuropa lassen den großen Importeuren in Asien wenig Alternativen“, bilanziert die Rabobank.

Die Verbreitungswege

Als effizientester Übertragungsweg der ASP gilt nach Angaben des Friedrich-Loeffler-Instituts (FLI) die Übertragung von Wildschwein zu Wildschwein über Blut. Eine Übertragung durch kontaminiertes Wasser, wie im Fall von Rumänien durch die Donau diskutiert, kann nach Einschätzung der Experten zwar nicht völlig ausgeschlossen werden, wird aber derzeit als „epidemiologisch wenig relevant“ eingeschätzt. Auch gibt es laut FLI derzeit „keine Hinweise darauf, dass Wildvögel und Insekten bei der Verbreitung der ASP eine besondere Rolle spielen.“ Eine mechanische Vektorfunktion, also die Verschleppung virushaltiger Kadaverteile oder Kontamination des Gefieders von Aasfressern könne zwar nicht ausgeschlossen werden, eine Vermehrung des Virus finde in beziehungsweise auf diesen Tieren aber nicht statt. Die Experten raten davon ab, Futtergetreide aus von der ASP betroffenen Gebieten zu importieren, da das Risiko einer Belastung von Getreide bestehe.

Schweinefleischproduzenten in den USA, Kanada und Brasilien könnten von ASP bedingten Angebotsausfällen der Exportschwergewichte in Westeuropa profitieren, so die Rabobank. „Für diese Anbieter können sich neue Absatzmärkte auftauen“, schreiben die Analysten. Wichtige Importeure in Asien könnten kurzfristig mit „Panikkäufen“ dort auf die wachsende Ausbreitung der ASP in den etablierten Lieferregionen reagieren. Aber: Anfang des kommenden Jahres sollten alle Marktteilnehmer sowohl den Importbedarf als auch die Auswirkungen der ASP besser einschätzen können. Viel hänge nun davon ab, ob westeuropäische Exportschwergewichte wie eben Deutschland frei von ASP bleiben: „Sollte sich das Virus über Wildschweine in Europa weiter ausbreiten, rechnen wir mit erheblicher Exportnachfrage für US-amerikanisches, kanadisches und brasilianisches Schweinefleisch. Hinzu würde beträchtliche Nachfrage nach konkurrierenden Erzeugnissen wie Rind- und Schweinefleisch und Fisch kommen“, prognostizieren die Analysten.

Chinesen weichen auf Fisch und Geflügel aus

Im Fall von China rechnen sie nicht damit, dass der ASP-Ausbruch unter Kontrolle ist: Dass sich die 20 Fälle regional breit auf sieben Provinzen verteilen, spricht gegen gute Chancen für eine Eindämmung. Die chinesische Regierung hat in Reaktion auf die ASP-Fälle den Export von Lebendtieren innerhalb der betroffenen Gebiete und in angrenzende Provinzen erheblich eingeschränkt. In der Folge entsteht gebietsweise ein Überangebot an Schweinefleisch, weil Erzeuger schnell ASP-freie Ware auf den Markt bringen wollen. Gleichzeitig seien die Preise für Schweinefleisch in den bevölkerungsstarken, urbanen Gebieten sowie in den marktferneren östlichen und südlichen Regionen um bis zu 40 Prozent gestiegen. Die Rabobank-Analysten erwarten, dass chinesische Verbraucher auf günstigeres Fleisch wie Geflügel und Kulturfisch oder sogar Rindfleisch ausweichen werden.

 

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