Die Sorghumpflanze besticht durch Vielfalt.
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Die Sorghumpflanze besticht durch Vielfalt.

Die Anbaufläche von Sorghum, gleich welcher Nutzung, wächst. Die Kultur lockert enge Fruchtfolgen auf und schneidet in Trockenlagen besser als Mais ab.

Sorghum hat sich in den warmen Regionen Deutschlands zu einer interessanten Alternative für Körner- und Silomais entwickelt. Mangels Landessortenversuchen und einer Reifeeinstufung für Sorghumsorten bestehen jedoch nach wie vor Unsicherheiten bei der Sortenwahl, dem Aussaatzeitpunkt und der Bestimmung der Erntereife. In bundesweit auf landwirtschaftlichen Betrieben angelegten Praxisversuchen geht RAGT darum der Frage nach, unter welchen Bedingungen Sorghum seine Stärken voll ausspielen kann.

Vorteile bei Trockenheit und Maiswurzelbohrer

Schwerpunkte des Anbaus befinden sich in Süd- und Ostdeutschland. Für Körnersorghum eignen sich Anbaugebiete, in denen 240er bis 280er Körnermais angebaut wird. Speziell in Südbaden bietet Körnersorghum zudem eine Alternative, um den Maiswurzelbohrer einzudämmen. Darüber hinaus hält Körnersorghum in Trockenregionen wie Unterfranken Dürreperioden länger durch. Silosorghum wiederum eignet sich bundesweit für den Anbau – besonders in Trockengebieten.
In Afrika verbreitet – in Deutschland in Nischen
Während der Siloanbau statistisch nicht erfasst ist, liegen für Körnersorghum detaillierte Zahlen vor. Die Welterzeugung von Körnersorghum beträgt rund 60 Mio. t. Anbauschwerpunkte sind Afrika, wo die Sorghumhirse als Nahrungsmittel verbreitet ist, und Nordamerika, wo die Körner ins Futter gehen. In der EU wurden 2020 auf einer Fläche von etwa 135.000 ha rund 1,2 Mio. t Körnersorghum erzeugt, das meiste nach den Statistiken der EU-Kommission in Frankreich, Italien und Ungarn. Die deutschen Flächen sind zu gering, als dass sie statistisch erfasst werden. Pflanzenzüchter gehen aktuell von rund 10.000 ha Silosorghum und etwa 1.200 ha Körnersorghum aus. db

Sorghum benötigt für den Aufbau von 1kg Trockenmasse zwar genauso viel Wasser wie Mais, doch kann die Kultur temporären Wassermangel durch Trockenstarre überwinden. Zusätzlich schützt eine ausgeprägte Wachsschicht vor Austrocknung. Außerdem erschließt Sorghum mit sehr feinem Wurzelwerk das Bodenwasser besser als Mais.
Die Anbautechnik ist unkompliziert. Die Düngung kann ausschließlich mit wirtschaftseigenem Dünger erfolgen, was für Tierhaltungs- und Biogasbetriebe nicht nur in „Roten Gebieten“ von großem Vorteil ist. Auch der Pflanzenschutz ist kostengünstig. Eine Herbizidbehandlung reicht in der Regel aus.

Dass der Sorghumanbau die in ihn gesetzten Erwartungen trotzdem nicht auf Anhieb erfüllt, kann mehrere Ursachen haben. Häufig ist die Bodentemperatur bei der Aussaat zu niedrig. Sie sollte mindestens 12 °C, besser 14 °C betragen, um einen guten und schnellen Feldaufgang zu gewährleisten. Ist das nicht gegeben, besteht die Gefahr, dass Pflanzen ausfallen und lückige Bestände entstehen. Außerdem können bei zu früher Saat aufgelaufene Pflanzen etwaigen Spätfrösten zum Opfer fallen.

Schwierige Balance zwischen zu früher und zu später Aussaat

Auf der anderen Seite hat die Aussaat bis 20. Mai zu erfolgen, ansonsten wird die für die Reife erforderliche Temperatursumme kaum noch erreicht. Diese Erfahrungen mussten Silobetriebe in den vergangenen Jahren machen, als sie die Sorghumsaat als Zweitfrucht beispielsweise nach Grünroggen erst im Juni in den Boden brachten. Die Bestände konnten keine ausreichende Kornausbildung und damit auch keine Trockensubstanzgehalte von mindestens 28 Prozent oder mehr erzielen. Dadurch wurde ein großer Teil des Ertrages nicht realisiert und Silierverluste waren programmiert. Trockenheit zum Aussaatzeitpunkt spielt dagegen für das Auflaufen praktisch keine Rolle. Aufgrund des geringen Tausendkorngewichts benötigt Sorghum nur wenig Keimwasser.
Vom BSA geprüfte Sorten und Sorten der EU-Sortenliste
Das Bundessortenamt (BSA) führt 2020 sechs Sorghumsorten auf, die für die Silonutzung geprüft sind. Es handelt sich um Joggy von RAGT, Lemnos und Tarzan von der KWS, NX 4264 und NX D 61 des US-Sorghumspezialisten Richardson Seeds. Als 2020 neu zugelassene Sorte kommt Virna von der Deutschen Saatveredelung (DSV) hinzu. Eine Prüfung für die Körnernutzung ist nach Aussage des BSA bisher nicht beantragt worden. Im Vertrieb befinden sich wesentlich mehr Sorghumsorten, die über die EU-Sortenliste die in Deutschland zugelassenen Sorten ergänzen. Neben RAGT, KWS und DSV sind Caussade und Euralis bedeutende Anbieter. db

Wichtig ist hingegen im weiteren Verlauf der Vegetation, dass die Nachttemperaturen in der Phase vom Rispenschieben bis zur Befruchtung (Ende Juli/Anfang August) nicht unter 10 °C sinken, weil die Rispen sonst nicht befruchtet werden. Da das Mikroklima selbst auf einem klimatisch begünstigten Betrieb beispielsweise in Senklagen sehr unterschiedlich sein kann, gilt es kleinräumig auszuloten, welche Standorte sich für den Sorghumanbau eignen.

Ertragsziele für einen wirtschaftlichen Anbau

Dank intensiver Züchtung auf Frühreife, Ertrag und Qualität stehen an hiesige Bedingungen angepasste Sorten von Körnersorghum, Futtersorghum oder Biomassesorghum zur Verfügung, die einen wirtschaftlichen Anbau ermöglichen. Für Körnersorghum liegt die Zielmarke bei 80 dt/ha trockener Ware (14 Prozent Kornfeuchte). Qualitätsbetonte Futtersorghum-Sorten erreichen 110 bis 140 dt/ha Gesamttrockenmasse (GTM) und damit das Niveau von mittelfrühem Silomais. Der Ertrag von Biomasse-Sorghum sollte etwa 200 dt/ha GTM betragen.
Stefan Pohl und Heinz Hermann, RAGT Saaten Deutschland GmbH

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