Trendschau

Ernährungstrends besetzen nur Nischen

Hippe Trends bei Lebensmitteln sind nur bei einer geringen Anzahl an Verbrauchern gefragt. Prozentual machen sie im Lebensmitteleinzelhandel nur einen geringen Teil des Umsatzes aus.

Vegan, vegetarisch, Bioprodukte, Fair Trade Erzeugnisse: die aktuellen Ernährungstrends können zwar teilweise wachsende Umsätze generieren. Am Markt des Lebensmitteleinzelhandels sind sie jedoch im Bereich der Nischen zu finden. Darauf machte Dr. Christan von Boetticher, Geschäftsführer der Peter Kölln GmbH & Co. KGaA jetzt auf der Mitgliederversammlung des Vereins der  Getreidehändler der Hamburger Börse e.V. in Hamburg aufmerksam. Die Öffentlichkeit spreche sehr häufig über diese Trends. Vegane und vegetarische Lebensmittel stellten allerdings nur 0,6 Prozent des Umsatzes im Gesamtmarkt. Bioprodukte mit rund zehn Prozent besäßen eindeutig eine größere Bedeutung.

Medien suggerieren oft, dass die Bevölkerung die industrielle landwirtschaftliche Produktion ablehne, so Boetticher weiter. Tatsächlich gäbe es aber ein hohes Vertrauen in die Agrarwirtschaft. Die  wachsende Anzahl der Menschen auf der Welt sei auch nicht allein mit regionalen Produkten zu versorgen. An den Folgen der modernen Landwirtschaft in Form von fehlender Artenvielfalt oder ausgelaugten Böden müsse allerdings unbedingt gearbeitet werden, forderte er.

Kennzeichnung für Verbraucher irrelevant

Eine Umfrage des Fraunhofer Instituts zu positiven Entwicklungen und  Innovationen in der Nahrungsmittelproduktion liefert ernüchternde Erkenntnisse. Laut von Boetticher nannten nur vier Prozent der Befragten die Kennzeichnung der Lebensmittel, drei Prozent artgerechte Tierhaltung und zwei Prozent das Angebot an veganen Lebensmitteln. Aber 66 Prozent der Probanden fiel zu dem Thema nichts ein. Bei negativen Entwicklungen in der Nahrungsmittelproduktion entfielen die Antworten zu acht Prozent auf die Gentechnik, zu sechs Prozent auf Massentierhaltung und vier Prozent auf den Einsatz von Konservierungsmitteln in Nahrungsmitteln. Wiederum 66 Prozent der Befragten fiel zu dem Thema nichts ein. Rund 80 Prozent der Befragten sagten aus, dass sie das essen, was ihnen schmeckt.

Was schmeckt, wird gekauft

Auch die Diskussion um den Verbrauch von Zucker stellte von Boetticher infrage:  „Müsliriegel mit  Zucker und Schokolade laufen bei uns am besten“, so sein Fazit. Wenn ein Produkt nicht schmeckt, wird es nicht gekauft.  „Es gibt Menschen, die auf die aktuellen Trends in der  Ernährung Wert legen. Für diese entstehen derzeit viele neue Produkte. Sie stellen aber bei weitem nicht den Durchschnittsverbraucher und nicht den größten Anteil der Konsumenten“, so von Boetticher.

 

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