Frei lesbar: Argentinien

Milchpulver auf dem Hof produzieren


Die ganzjährige Weidehaltung, wie hier in der kolumbianischen Provinz Boyaca, ermöglicht eine wirtschaftliche Milchproduktion. Die hohen Transportkosten zu den Molkereien könnten durch die Trocknung der Milch auf den Höfen gesenkt werden.
Steffen Bach
Die ganzjährige Weidehaltung, wie hier in der kolumbianischen Provinz Boyaca, ermöglicht eine wirtschaftliche Milchproduktion. Die hohen Transportkosten zu den Molkereien könnten durch die Trocknung der Milch auf den Höfen gesenkt werden.

In Lateinamerika beklagen viele Milchbauern schwankende Marktpreise und hohe Transportkosten für die Milch. Die Produktion von Milchpulver in kleinen Anlagen direkt auf den Farmen könnte dabei helfen, die Erlöse zu steigern.

Von Kolumbien bis Chile liegen die besten Regionen für die Milchproduktion in den Anden. In einer Höhe von 2000 bis 3000 m ist das Klima mild und in den tropischen und subtropischen Breitengraden eine ganzjährige Weidehaltung möglich. Die Produktionskosten liegen deshalb trotz deutlich niedrigerer biologischer Leistungen und einer geringeren Mechanisierung auf einem ähnlichen Niveau wie in den deutschen Milchviehregionen.

Geografische Lage im Gebirge problematisch

Die Lage im Gebirge bringt aber auch Probleme mit sich. Häufig liegen die Täler abgelegen und weit entfernt von den Molkereien und Verbrauchszentren. Auf häufig unbefestigten, kurvenreihen Straßen muss die Milch in die Molkereien transportiert werden. Die hohen Kosten für die Logistik machen deshalb einen großen Teil der geografischen Vorteile zunichte und verhindern einen Ausbau der Produktion.

Der Tierarzt Daniel Mayolo hat dieses Problem schon vor 30 Jahren erkannt und eine mobile Anlage zur Milchtrocknung entwickelt, die er 1993 in den Vereinigten Staaten patentieren ließ. "In Mexiko wurde diese mobile Anlage in den neunziger Jahren gebaut und in verschiedenen Ländern eingesetzt", berichtet der Argentinier. Seitdem entwickelte er das Verfahren weiter und hat nun eine kleine Anlage entworfen, in der in drei Schritten die auf dem Hof produzierte Milch getrocknet werden kann.

Die Technik für die Milchtrocknung ist einfach, damit sie auch von Landarbeitern mit geringen Kenntnissen bedient werden kann.
Foto: Animation Mayolo
Die Technik für die Milchtrocknung ist einfach, damit sie auch von Landarbeitern mit geringen Kenntnissen bedient werden kann.

Die Milch wird dabei in einem geschlossenen Behälter auf Flächen gesprüht, über die trockene, warme Luft geführt wird, die das Wasser aufnimmt. "Die Technik wurde einfach gehalten, damit die Anlage auch von Landarbeitern mit geringen Kenntnissen bedient werden kann", erläutert der Erfinder. Ein weiterer Vorteil der schlichten Bauweise seien die geringen Investitions- und Betriebskosten.

Zum Erwärmen der Luft könnten Solarenergie oder Biobrennstoffe eingesetzt werden. Die Bewegungsenergie soll über Solarmodule oder die Zapfwelle eines Traktors bereitgestellt werden. Deshalb könne die Trocknung autark vom Stromnetz betrieben werde.

Übermengen können selbst verarbeitet werden

Größter Kostenblock in der Pulverproduktion seien die Energiekosten zur Erwärmung der Luft. Durch die Nutzung regenerativer Quellen blieben die Betriebskosten niedrig und würden eine Trocknung auch in dem kleinen Maßstab wirtschaftlich machen. Zur Reinigung der Anlage könnten die gleichen Mittel und Verfahren eingesetzt werden, die die Milchbauern für ihre Melktechnik verwenden.

Kosten sind entscheident
Kleine Anlagen zur Milchtrocknung sind grundsätzlich nichts Neues. Bisher werden sie jedoch fast nur in den Labors der Molkereien eingesetzt, um neue Produkte und Verfahren zu testen. In der Vergangenheit gab es immer wieder Überlegungen für eine Milchtrocknung auf den Erzeugerbetrieben. Ein wichtiger Faktor seien die Investitions- und Betriebskosten. Doch selbst wenn sich das Pulver zu einem wettbewerbsfähigen Preis produzieren lässt, bleibt die Frage der Vermarktung offen. Für eine Nutzung in der Lebensmittelindustrie ist eine hohe Qulität notwendig. In der Tierernährung seien die Ansprüche, aber auch die Erlöse dagegen niedriger.
Ziel sei es nicht, die gesamte anfallende Milch zu trocknen. Mengen, die sich gut vermarkten lassen, sollten die Produzentenauch in Zukunft als Frischmilch verkaufen. In Regionen mit ausgeprägten Trocken- und Regenzeiten oder saisonaler Abkalbung schwanken die Produktionsmengen und die Erlöse im Laufe des Jahres jedoch stark. Die Trocknung biete die Möglichkeit, Übermengen selbst zu verarbeiten, das Pulver zu lagern und zu einem günstigeren Zeitpunkt zu verkaufen. Genutzt werden könnte das Pulver... 


Dies ist die gekürzte Version eines Artikels aus der Agrarzeitung 36/2019, Seite 7. Wenn Sie den gesamten Text lesen möchten, können Sie ein vierwöchiges kostenloses Probeabo für die Agrarzeitung und agrarzeitung.de abschließen. Abonenten finden den kompletten Artikel in unserem e-paper. 

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