Aufbereitungsanlage

Am Hafen soll Gülle versilbert werden


Über den Küstenkanal könnten die aus der Gülle gewonnenen Rohstoffe in Schiffen abtransportiert werden.
C-Port, C-Port
Über den Küstenkanal könnten die aus der Gülle gewonnenen Rohstoffe in Schiffen abtransportiert werden.

In Niedersachsen planen mehrere Investoren Großanlagen zur Aufbereitung von Gülle. Als ein möglicher Standort gilt der C-Port am Küstenkanal.

Spätestens mit der erneuten Verschärfung der Düngeverordnung steht den Schweinemästern in Südoldenburg die Gülle sprichwörtlich bis zum Hals. Aktuell bieten sich den Betrieben nur zwei Alternativen: Entweder sie zahlen Beträge von derzeit rund 20 €/t an die Abnehmer der Wirtschaftsdünger oder sie stocken ihre Bestände ab. Eine dritte Möglichkeit wird seit Jahren diskutiert, ist aber bisher über Projektstudien nicht hinausgekommen: die komplette Aufbereitung der Gülle in der Region.


Aktuell schmieden verschiedene Unternehmen Pläne für derartige Projekte bei denen die Feststoffe aus der Gülle abgetrennt werden und die Flüssigkeit soweit gereinigt wird, dass das Wasser in Gewässer eingeleitet werden kann. Schwierig gestaltet sich die Suche nach geeigneten Standorten, denn mit Verarbeitungskapazitäten von mehr als 1 Mio. t Gülle verursachen die Anlagen viel Schwerlastverkehr. Als ein möglicher Standort gilt der C-Port am Küstenkanal. An dem vor 12 Jahren eröffneten Hafen bietet ein mehr als 280 Hektar großes Industriegebiet genug Platz für Großanlagen zur Gülleaufbereitung.


Verwaltet wird das interkommunale Gewerbegebiet vom Zweckverband Interkommunaler Industriepark Küstenkanal in dem sich die beteiligten umliegenden Gemeinden und der Landkreis Cloppenburg zusammengeschlossen haben. Derzeit liegen dem Zweckverband mehrere Anfragen verschiedener Unternehmen vor, berichtet Sven Stratmann gegenüber agrarzeitung.de. Der Bürgermeister der Stadt Friesoythe ist auch Vorsitzender des Verbandsausschusses. Dieses Gremium werde sich am 21. März mit dem Thema beschäftigen, so der SPD-Politiker. Grundsätzlich bewertet Stratmann die Initiativen positiv. Mas sei grundsätzlich bereit, einen Beitrag zu leisten, das Problem der Nährstoffüberschüsse „in den Griff zu bekommen“, versichert Stratmann. Die verschiedenen Initiatoren sieht er nicht als Konkurrenten. Grundsätzlich sei an dem Standort auch Platz für mehr als nur eine Anlage. Wie gut die Chancen auf eine Umsetzung sind, darüber will der Bürgermeister angesichts der komplexen Genehmigungsverfahren nicht spekulieren.



Konkrete Pläne für den Bau einer Anlage zur Aufbereitung von jährlich 1,3 Mio. Kubikmeter Gülle hat die Firma RMS aus Rodgau in Hessen. Geplant ist, die Gülle zunächst in einer Biogasanlage zur Energiegewinnung zu nutzen. Der Gärrest werde anschließend hygienisiert, erläutert Geschäftsführer Wolfgang Chantre. Im nächsten Schritt folgt eine Separierung der Feststoffe, die in einem weiteren Arbeitsgang getrocknet und pelletiert werden. Als Käufer für die Pellets habe man bereits die Betreiber von Kraftwerken gewonnen, die sie als Brennstoff einsetzten wollen. Denkbar sei aber auch eine Nutzung als organischer Dünger. Bei der Aufbereitung der flüssigen Phase entsteht Ammoniumsulfat, das als mineralischer Dünger genutzt werden kann, und Wasser, das in Oberflächengewässer eingeleitet werden soll. Als ein weiteres Produkt soll CO2 verkauft werden, das bei der Verbrennung von Methan im Kraftwerk der Biogasanlage entsteht. Chantre sucht nun Landwirte, die bereit sind, Gülle über einen Zeitraum von zehn Jahren an die Anlage zu liefern. Die Kosten beziffert der Projektentwickler auf 8 €/t. Die Baukosten der Anlage sollen bei 130 Mio. € liegen.

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  1. Fritz Pucher
    Erstellt 8. März 2019 18:18 | Permanent-Link

    Alle 10 Jahre wieder das gleiche Wunschkonzert eines oder mehrerer Güllevollaufbereiter. Teilweise die gleichen Akteure, die schon einmal - oft anderer Leute Geld verbrannt haben, in Deutschland, Dänemark, und Holland.
    Die Techniken sind bekannt, weil oft schon gefördert, ausprobiert und wirtschaftlich erfolglos wieder verschrottet. Dazu inzwischen in D deutlich höhere rechtliche Anforderungen durch Bimsch etc. Neue nebulöse "Patente" oder im Idealfall nur "vergessene" Kosten?
    Na dann auf ein Neues.

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