az-Seminar: Bioenergie-Politik marktgerechter ausrichten


Das Thema Bioenergie wird in den kommenden Jahren viel Unruhe in die Agrarmärkte bringen. Diese Prognose trifft Dr. Klaus-Dieter Schumacher von der Nordzucker AG.

Die Förderung von Biokraftstoffen über Quoten hat nach Einschätzung des Marktexperten Mitschuld an der kontroversen Diskussion über Teller versus Tank. Wer wie die Europäische Union oder die USA Biokraftstoffpolitik über vorgefertigte Beimischungsmandate betreibe, schaffe „eine völlig unelastische Nachfrage“, sagte Schumacher, Leiter des Bereichs Public Affairs der Nordzucker AG, auf dem Seminar „Agrarmärkte 2013“ der agrarzeitung (az) heute in Hamburg.

Bei Ertragsausfällen würde die Rohstoffmenge, die in die Biokraftstoffproduktion fließe, für andere Verwendungsarten fehlen, erläuterte Schumacher. In den USA etwa, wo ein erheblicher Teil der Maisernte für die Bioethanolproduktion genutzt wird, steigen in der Folge die Preise für Futtergetreide; Tierproduzenten bauen ihre Bestände ab. Schumacher spricht sich für „eine stärkere Marktorientierung“ der Bioenergie-Politik aus.

Allerdings rechnet Schumacher damit, dass in den USA weniger Mais als erwartet in die Ethanolproduktion fließen wird. Statt der für das Wirtschaftsjahr 2012/13 geschätzten 42 Prozent Mais, die in die Ethanolverwendung fließen sollen, würde es wohl eher auf 32 Prozent hinauslaufen, sagt er.

Die Perspektiven für den EU-Biokraftstoffmarkt werden indes durch die von der EU-Kommission angestrebte Änderung der Erneuerbare-Energien-Richtlinie eingetrübt. Ab 2017 sollen nach Plänen aus Brüssel Biokraftstoffe aus Nahrungsmittelrohstoffen wie Raps oder Mais maximal einen Anteil von 5 Prozent an dem angepeilten 10-Prozent-Ziel für alternative Kraftstoffe im Verkehrssektor halten. „Ab 2017 könnte der Biokraftstoffmarkt in der EU ein ganz anderer sein", sagt Schumacher. (pio)
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