az-Gastkommentar

Der Landhandel und die Digitalisierung


Lars Lehmann
Foto: Agrimand GmbH
Lars Lehmann

Smartphones, Apps, GPS-Geräte oder schlicht das Internet: Die Digitalisierung macht uns in vielen Alltagsbereichen das Leben leichter. Warum sollte sie also für den Agrarhandel eine Bedrohung sein?

Was würden wir heutzutage ohne Smartphone, Apps, GPS-Geräte oder das Internet machen? Diese vier Beispiele stellen nur einen winzigen Bruchteil aller digitalen Technologien dar, die unseren Alltag wesentlich erleichtert haben und heute aus unserem Leben nicht mehr wegzudenken sind.

Diese Technologien haben sich alle im Zuge eines Prozesses entwickelt, der in den vergangenen Jahren mit einer rasanten Geschwindigkeit an Bedeutung gewonnen hat: die Digitalisierung. 

Unternehmen wie Apple konnten im Zuge dieser digitalen Revolution vom PC und Software Entwickler aus der Garage zum Weltmarktführer für Smartphones aufsteigen. Dies wurde auch durch die internationale Vernetzung ermöglicht. Apple hat rechtzeitig erkannt, dass es wichtig ist seine Systeme auch für andere professionelle Entwickler zu öffnen - so ist das Prinzip des App Stores entstanden. Die Digitalisierung passt sich unseren Arbeitsplänen und persönlichen Bedürfnissen an.

Das stellt mittlerweile keine Ausnahme mehr da und ist für die meisten zur Normalität geworden. Auch der Onlinehandel (E-Commerce) boomt, denn immer mehr Menschen können dadurch ganz bequem, von jedem Ort der Welt, Bestellungen tätigen und ersparen sich dadurch viel Zeit. Eine Studie des Statistischen Bundesamts in Wiesbaden zeigt, dass sich der Umsatz im deutschlandweiten Online-Handel zwischen 2009 und 2019 fast vervierfacht hat. 

Die Digitalisierung brachte aber nicht nur den Zugriff auf ein breites Spektrum an Produkten und eine deutliche Zeitersparnis mit sich, sondern auch die Möglichkeit, aus Millionen von Artikeln das qualitativ überzeugendste zum besten Preis zu erwerben. Die Kaufentscheidung wird immer stärker über neutrale und unabhängige Medien (zum Beispiel Kundenbewertungen und Rezensionen) beeinflusst.

80 Prozent der Landwirte nutzen disruptive Entwicklung

Auch die Landwirtschaft hat in den vergangenen Jahren stark von der Digitalisierung profitiert. Seien es nun GPS-gesteuerte Landmaschinen, Drohnen oder Sensortechniken – digitale Technologien haben zum Wohl vieler Landwirte beigetragen. Die aktuellen Getreide Notierungen werden per Laptop oder Smartphone überprüft. Eine Studie des Deutschen Bauernverbandes verdeutlicht, dass bereits 80 Prozent aller Landwirte diese disruptive Entwicklung nutzen.

Insbesondere die Nutzung von digitalen Handels-Apps wird den Landhandel in den kommenden Jahren durch Zeit- und Kostenersparnisse optimieren und Landwirten transparente Service-Plattformen zum professionellen Einkaufen und Verkaufen ihrer Produkte zur Verfügung stellen. So kann beispielsweise die Getreidevermarktung dank der Digitalisierung nicht nur hinsichtlich ihrer Preise und Qualität verbessert werden, sondern es können auch vom Acker aus Betriebsmittel bestellt werden.

Erzeuger entdecken neue Handelspartner

Somit haben Landwirte nicht nur Zugriff auf überregionale Absatzmöglichkeiten, einen strukturierten und übersichtlichen Beschaffungsmarkt sowie einen detaillierten Überblick über Preise, sondern entdecken auch bislang nicht zugängliche landwirtschaftliche Erzeugnisse und Handelspartner.

Fazit: Die Digitalisierung birgt zahlreiche Vorteile, die in der Landwirtschaft unter anderem zu einem transparenteren und überregionalen Markt beitragen und eine erhebliche Kosten- und Zeitersparnis bieten.

Zahlreiche Branchen nutzen den Onlinehandel seit vielen Jahren und erleichtern damit das Leben vieler Menschen. Warum sollte nicht auch die Landwirtschaft auf diesen Zug aufspringen?

Wir müssen die Digitalisierung nicht fürchten, sondern sollten sie als ein Geschenk sehen, das die Landwirtschaft vereinfacht.

Lars Lehmann ist Gründungsgesellschafter des digitalen Agrarhandels-Start-Ups Agrimand

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