az-Interview

„Die Dürre haben wir nicht im Griff“

"Viel Arbeit und Bürokratie ist jetzt notwendig, um die Verluste zu ermitteln", sagt Rainer Langner
Foto: Vereinigte Hagel
"Viel Arbeit und Bürokratie ist jetzt notwendig, um die Verluste zu ermitteln", sagt Rainer Langner

In schwierigen Erntejahren werden Rufe nach staatlicher Unterstützung laut. Nicht jeder ist damit einverstanden. Sind mehr Versicherungen eine Lösung? Dr. Rainer Langner, Vorstandsvorsitzender Vereinigte Hagel, sagt klar "Ja".

az: Wir haben ein schwieriges Erntejahr. Gibt Julia Klöckner grünes Licht für Dürrehilfen?

Rainer Langner: Ich denke, es wird sie geben. Das heißt aber noch lange nicht, dass wir wissen, wie hoch die Hilfen ausfallen werden und wann sie kommen. Die Erwartungen sollten nicht zu hoch sein. Es ist viel Arbeit und Bürokratie notwendig, um zu ermitteln, wie hoch die Verluste sind. Ich bin auf das Ergebnis gespannt. Nach dem Elbhochwasser hat sich die Auszahlung mehr als ein halbes Jahr hingezogen. 

Experten sagen mehr Wetterextreme voraus. Wie sollen Landwirte damit umgehen?

Langner: Sicherlich über die Produktionstechnik und Sortenwahl. Aber auf Ereignisse wie in diesem Sommer können Sie sich nicht vorbereiten. Schäden, die man nicht vermeiden kann, muss man absichern.

Oder Nothilfe fordern ... 

Langner: Wenn ich jetzt Regierung wäre, würde ich mich fragen, ob ich jedes Jahr mit Ad-hoc-Lösungen leben will.

Sollte der Staat Versicherungsprämien bezuschussen?

Langner: Die Risiken Hagel, Sturm und Starkregen sind ja privatwirtschaftlich geregelt. Die Dürre als Kumulrisiko haben wir aber versicherungstechnisch nicht im Griff. Eine Dürreversicherung auf Schadensbasis sehen wir als nicht machbar an. Das kann langfristig ohne staatliche Beteiligung nicht funktionieren. In Deutschland haben keine 50 Betriebe eine Dürreversicherung. Wir reißen uns nicht darum, solche Risiken zu versichern. Sollte die Politik sich hier bewegen, würden wir an Lösungen mitarbeiten.

Staatlich finanzierte Prämien dienten den Versicherungen, so die Kritik.

Langner: Die Realität sieht anders aus. Dass die Subventionen nicht in die Tasche der Versicherer fließen, sehen wir in unseren Nachbarländern, wo langfristig die Landwirte davon am meisten profitieren. Aber was viel entscheidender ist: Zwei bis drei Wochen nach der Schadensermittlung ist das Geld auf dem Konto.

 

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