az-Serie DSGVO Teil 1a

Bald gilt der neue Datenschutz

Vernetzung wie hier auf dieser Platine ist eine essenzielle Zutat für die Digitalisierung. Sensible Daten werden jetzt besser geschützt.
Foto. Pixelio/Klicker
Vernetzung wie hier auf dieser Platine ist eine essenzielle Zutat für die Digitalisierung. Sensible Daten werden jetzt besser geschützt.

Ende Mai ist es soweit: Dann greift die EU-Datenschutzgrundverordnung. Alle Unternehmen müssen strengere Regeln einhalten, um sensible Daten besser zu schützen. Befürworter sehen das als Durchlauferhitzer für die Digitalisierung an. Der Kenntnisstand der Branche ist sehr unterschiedlich ausgeprägt - egal ob groß oder klein.

Mit Edward Snowden fing es an und mit den Enthüllungen zum Datenmissbrauch bei Facebook erfährt das Thema gerade einen neuen Höhepunkt: der Datenschutz. Die Empörung ist groß und der Ruf nach der Politik wird bei solchen Angelegenheiten schnell laut. In diesem Fall allerdings wurde bereits eine ordentliche Vorarbeit geleistet. Am 25. Mai 2018 tritt die 2016 verabschiedete EU-Datenschutzgrundverordnung in Kraft. Das EU-Parlament hatte allen Betroffenen zwei Jahre Zeit zur Umsetzung gegeben. Ab Ende Mai wird es nun ernst.

Privatpersonen profitieren 

Grundsätzlich gilt: Unternehmer, also auch Landwirte, müssen bei allen personenbezogenen Daten (siehe Text unten) strengere Regeln einhalten: Sie müssen erklären, wozu sie die Daten nutzen, die Weitergabe der Informationen ist nicht mehr so ohne Weiteres möglich und die Haftung wurde verbessert. Außerdem brauchen Betriebe in der Regel vorab eine Einwilligung des Kunden. Frei nach dem Motto: Alles bleibt verboten, außer es gibt eine Erlaubnis. 



Die EU-Datenschutzgrundverordnung (DSGVO) ist nicht einfach an die Rechts- oder IT-Abteilung weiterzureichen. Die neue Transparenz- und Informationspflicht führt zu einem grundsätzlichen Umdenken im alltäglichen Umgang mit den Daten. Der Kunde hat ein Informations- und Mitspracherecht.

Von den neuen Regeln sind insbesondere die Unternehmensbereiche betroffen, die mit sensiblen persönlichen Daten wie E-Mail-Adresse oder Geburtsdatum arbeiten. Das trifft vor allem für Marketing und den Vertrieb zu.

Vertrieb und Direktvermarkter gefordert

Da in der Agrarwirtschaft der Vertrieb eine bedeutende Rolle spielt, kann sich auch das Agribusiness nicht von einer Beschäftigung mit dem Thema Datenschutz frei machen. Ebenso müssen Landwirte mit Direktvermarktung – immerhin bei rund einem Drittel aller Höfe ein Thema – reagieren. 

„Heute startet eine 6-teilige Serie zur DSGVO. Sie ist in der gedruckten Ausgabe und im Internet zu lesen. “
Redaktion agrarzeitung, 

Manche Experten mahnen, das Ausmaß der Neuerungen nicht zu unterschätzen. „Solche Maßnahmen in ein Unternehmen zu integrieren, ist keine leichte Übung. In Kleinunternehmen fehlen dafür häufig das fachliche Know-how und das Bewusstsein für die Notwendigkeit“, erklärt der Bitkom-Hauptgeschäftsführer Dr. Bernhard Rohleder. Aber auch in großen Unternehmen sei der Aufwand sehr hoch. Viele Unternehmen hätten daher Schwierigkeiten, die Datenverarbeitung bis zum Stichtag 25. Mai 2018 gesetzeskonform anzupassen. Im September 2017 hatte sich Bitkom zufolge ein Drittel der Unternehmen in Deutschland noch gar nicht mit der Datenschutzgrundverordnung beschäftigt. Oft seien sogar bis heute nicht einmal einfachste organisatorische Voraussetzungen geschaffen worden, sagt Rohleder. Die Unternehmen müssten sich über die Folgen im Klaren sein: Es drohten Millionen-Bußgelder.

Für Dr. Carlo Piltz, Rechtsanwalt und zertifizierter Datenschutzbeauftragter in Berlin, sind schlicht auch noch sehr viele Fragen offen. Ein Beispiel ist die Pflicht zur Datenvernichtung. Damit soll der Grundsatz der Datenminimierung erfüllt werden. Unternehmen müssen ab dem 25. Mai beweisen können, dass sie regelmäßig und sicher personenbezogene Daten aus ihrer Datenbank löschen. Eine Vorgabe, innerhalb welcher Frist zu löschen ist, fehle aber noch, so Piltz. Dürfen also beispielsweise Daten von abgelehnten Bewerbern nur für sechs Monate aufbewahrt werden – oder länger? „Datenschutz ist in Zukunft sehr prozesslastig und dokumentationsaufwendig“, sagt Piltz. 

Daten sind das neue Öl

Andere sehen große Chancen in der neuen Verordnung. Zum einen gibt Jan Philipp Albrecht, der als DSGVO-Berichterstatter des Europäischen Parlaments die neuen Regeln wesentlich mitgestaltet hat, Entwarnung: „Harte Sanktionen sind nur bei vorsätzlichen oder groben Verstößen zu erwarten." Zum anderen bietet die EU-Regelung Anreize, die Digitalisierung voranzutreiben. So kann im Unternehmen und bei Mitarbeitern ein neues Bewusstsein entstehen. Die Verschärfung des Datenschutzes macht deutlich, wie wichtig Daten für den Erfolg in einer digitaler werdenden Wirtschaft sind und welches Potenzial in ihnen steckt. Manche sprechen schon von Daten als dem neuen Öl. In Zeiten der Digitalisierung seien sie der Schatz moderner, innovativer Unternehmen. 

Entscheidend ist aber noch ein anderer Punkt: Wer den Datenschutz hochhält, schafft Vertrauen. Unternehmen, die ab dem 25. Mai keine passenden Lösungen für Kunden parat haben, werden an Vertrauen verlieren. Das hat Facebook-Chef Mark Zuckerberg nach Bekanntwerden des Datenmissbrauchs unverzüglich erkannt und für sich genutzt. Er gesteht ein, zu wenig Verantwortung übernommen zu haben. Gleichzeitig erklärte er, die DSGVO sei eine gute Sache.

 

Jan Philipp Albrecht zu "Digitalem und Draußen"

In Teil 6 unserer Serie gibt es ein Interview mit dem Berichterstatter des EU-Parlaments für die Datenschutz-Grundverordnung, Jan Philipp Albrecht. Albrecht wird übrigens ab September 2018 von Brüssel nach Kiel wechseln und der neue Landwirtschaftsminister in Schleswig-Holstein sein. Wer jetzt schon wissen will, was Albrecht zu „Digitalem und Draußen“ (wie er es selber nennt) zu sagen hat, kann das vollständige Interview als 25-minütigen Podcast anhören: https://soundcloud.com/katja-bongardt/interview-janphillippalbrecht

Die redaktionell bearbeitete Fassung gibt es am Freitag, 8. Juni.

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