Bayer-Monsanto

Angst vor großer Marktmacht

Bei der absehbaren Übernahme von Monsanto durch Bayer fürchten Kritiker eine zu starke Konzentration auf dem Agrarmarkt, die Landwirte benachteiligt. Vergleichsweise moderat äußert sich der Deutsche Bauernverband.

Der Deutsche Bauernverband (DBV) sei auch nach einer Fusion der Bayer AG und des US-Konzerns Monsanto „daran interessiert, dass bei den Betriebsmitteln Wettbewerb stattfindet“, erklärte DBV-Generalsekretär Bernhard Krüsken auf Anfrage von agrarzeitung.de. Positiv wertet Krüsken, „dass Bayer sich nicht die bisherige  Unternehmenskultur von Monsanto zu eigen macht.". Nach Bekanntwerden der Übernahmepläne im Frühjahr 2016 hatte der DBV sich skeptisch dazu geäußert, dass Monsanto Pflanzenschutzmittel und speziell dafür hergestelltes Saatgut aus einer Hand vermarktet.

Heftige Kritik kommt von Umweltschützern: Die Entscheidung aus Brüssel, Bayer den Kauf von Monsanto gegen Aufnahmen zu genehmigen, rügt die Umweltschutzorganisation NABU als „falsches Signal für die dringend notwendige weltweite Umsetzung von Nachhaltigkeitszielen". Mit dem grünen Licht für den „Milliarden-Deal" werde „die industrielle Landwirtschaft mit ihren schädlichen Folgen für Mensch und Natur weltweit zementiert", so NABU-Präsident Olaf Tschimpke. Die Entscheidung stehe „im Gegensatz zu den Forderungen von Umweltschützern und Verbrauchern auf der ganzen Welt, die sich eine umweltverträglichere, gift- und gentechnikfreie Landwirtschaft wünschen“, konstatiert die Organisation.

Zudem geißelt die Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft (AbL) die Entscheidung der EU-Kommission, die Fusion von Bayer und Monsanto unter „unzureichenden Auflagen“ zu genehmigen. „Mit dieser Entscheidung drohen den Bäuerinnen und Bauern noch mehr Abhängigkeiten, eine weitere Einengung der Sortenauswahl und Vielfalt, noch weniger Wettbewerb, Preisdiktat, Verschärfung der Patentsituation und Monopolbildung im Bereich der Digitalisierung in der Landwirtschaft“, so Martin Schulz, Bauer aus dem Wendland und Bundesvorsitzender der AbL.

Die AbL hatte als Drittpartei im Fusionsverfahren nach eigenen Angaben zwei „differenzierte Stellungnahmen mit bäuerlichen sowie wettbewerbsrechtlichen Argumenten“ gegen „die Vermachtung der Konzerne“ abgegeben. Auf Einladung der EU-Kommission hatte sie ihre Ablehnung auch bei einer mündlichen Anhörung in Brüssel vorgetragen. Das Fazit der AbL: Auch wenn die Kommission „unsere Argumente und die Risiken der Fusion durchaus gesehen und teilweise sogar aufgenommen hat, kommt sie konzerngeleitet zu dem Schluss, der Fusion unter Auflagen zuzustimmen.“

Grüne: BASF ist „schlechte Wahl"

Auch das Urteil der Grünen-Bundestagsfraktion fällt erwartungsgemäß negativ aus. „Die Fusionsspirale in der Agrar-Chemie dreht sich durch diese Fusion erneut ein Stück weiter. Nach Syngenta und ChemChina, nach Dow und DuPont fallen jetzt auch noch die Schranken für Bayer und Monsanto. Aus sieben großen Konzernen, die es in der Agrarchemie bis vor kurzem noch gab, werden jetzt vier Giganten", rechnen Anton Hofreiter, Fraktionsvorsitzender, und Katharina Dröge, Sprechern für Wettbewerbspolitik, vor.  Landwirte und Umwelt werden nach ihrer Einschätzung „den Preis dafür zahlen. Und auch Regierungen stehen dem Lobbydruck immer größerer Konzerne gegenüber."

Die Auflagen der EU-Kommission gingen zwar in die richtige Richtung, so die Grünen weiter: „Dass Bayer sein Geschäft bei Saatgut und Pestiziden aber ausgerechnet an den Riesen BASF verkaufen soll, ist eine schlechte Wahl. Die Marktkonzentration in der Agrarchemie ist auch ohne einen Megakonzern Bayer-Monsanto zu hoch, die Auflagen sind hier keine Abhilfe."

Inbegriff einer verfehlten Agrarpolitik

Deutliche Worte findet auch Dr. Kirsten Tackmann, agrarpolitische Sprecherin der Linken im Bundestag: „Monsanto ist längst zum Inbegriff einer völlig verfehlten Agrarpolitik geworden. Sollte der US-Konzern tatsächlich von Bayer übernommen werden, entsteht ein Baysanto-Megakonzern, der Landwirtinnen und Landwirte weltweit einem Preisregime vom Saatgut bis zu den passenden Pestiziden ausliefert", so Tackmann.

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