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Elefantenhochzeit unter Dach und Fach

Der Bayer-Konzern hat die Übernahme von Monsanto abgeschlossen. Jetzt steht die Integration bevor.
Foto: Bayer AG
Der Bayer-Konzern hat die Übernahme von Monsanto abgeschlossen. Jetzt steht die Integration bevor.

Bayer darf Monsanto ab heute offiziell in den Konzern integrieren. Das Glyphosat-Urteil in Kalifornien überschattet jedoch die Erfolgsmeldung.

Die Elefantenhochzeit in der globalen Agrochemie kann offiziell vollzogen werden. Bayer hat am Donnerstag den Verkauf bestimmter Crop-Science-Geschäfte mit einem Umsatzvolumen von insgesamt rund 2,2 Mrd. € an BASF abgeschlossen. Damit seien die Bedingungen für die Integration der Monsanto Company in den Konzern erfüllt, teilte Bayer dazu mit. Bereits seit Anfang Juni sind die Leverkusener alleinige Eigentümer des US-Konzerns.

Die Erfolgsmeldung wird allerdings überschattet von dem aufsehenerregenden Glyphosat-Urteil in Kalifornien, das auch größere Passagen der heutigen Unternehmensmeldung einnimmt. Ein Geschworenengericht in San Francisco hatte die Bayer-Tochter Monsanto am vergangenen Freitag zu 289 Mio. US-$ Schadenersatz verurteilt. Die Jury sah es als erwiesen an, dass Monsanto dem am Non-Hodgkin-Lymphom erkrankten Schulgärtner Dewayne Johnson mutmaßliche Gesundheitsrisiken glyphosathaltiger Herbizide verschwiegen hatte.

Zugang zu detaillierten Monsanto-Informationen verwehrt

Bayer kann sich nach eigener Darstellung erst seit heute „aktiv und detailliert“ zu diesem Urteil Stellung nehmen. Der Grund: Das US-Justizministerium hatte zur Auflage für die Übernahme gemacht, dass Bayer und Monsanto bis zum Abschluss des Verkaufs des Gemüsessaatgutgeschäftes an die BASF getrennte Unternehmen bleiben und „als solche auch getrennt geführt werden müssten“. „Aufgrund der erwähnten Auflagen des US-Justizministeriums war Bayer der Zugang zu detaillierten internen Informationen von Monsanto bisher verwehrt“, so die Leverkusener.

Jetzt, da Monsanto offiziell in den Bayer-Konzern integriert werden dürfe, enthalten die Leverkusener die Möglichkeit die Möglichkeit, „sich aktiv in die Verteidigung bei den Glyphosat-Verfahren und etwaigen anderen Rechtsstreitigkeiten, zum Beispiel etwaigen Schadenersatzklagen bezüglich des Produkts Dicamba, einzubringen“, so Bayer.

Monsanto und Glyphosat nicht für Erkrankung verantwortlich

Von der Möglichkeit, sich detailliert zum Schadenersatzurteil im Fall Johnson zu äußern, macht der Konzern auch direkt Gebrauch: Bayer sei „der Auffassung, dass die Entscheidung der Jury im Widerspruch zu bestehenden wissenschaftlichen Erkenntnissen, jahrzehntelangen praktischen Erfahrungen und den Einschätzungen von Regulierungsbehörden weltweit steht.“ Sie  würden bestätigen, dass Glyphosat sicher sei und nicht das Non-Hodgkin-Lymphom verursache. Bayer bestätigte Aussagen Monsantos, dass gegen das Urteil Rechtsmittel eingelegt würden. „Bayer ist davon überzeugt, dass die Gerichte im weiteren Verfahrensverlauf zu dem Ergebnis kommen werden, dass Monsanto und Glyphosat für die Erkrankung von Herrn Johnson nicht verantwortlich sind“, teilte der Konzern dazu mit.

Mit der Übernahme von Monsanto entsteht laut Bayer nicht bloß ein „führendes Unternehmen der Agrarbranche mit einer hohen Innovationskraft“ und „einem starken Produktportfolio“, sondern auch mit „höchsten ethischen Standards“. Bayer erwartet aus der Übernahme „schon ab dem Jahr 2019 einen positiven Beitrag zum bereinigten Ergebnis je Aktie, der von 2021 an im zweistelligen Prozentbereich liegen soll“. Von 2022 an seien jährliche Beiträge zum Ebitda vor Sondereinflüssen aus Synergien in Höhe von 1,2 Milliarden US-Dollar geplant. Zudem kündigt der Konzern an, sein „Engagement in puncto Nachhaltigkeit“ weiter zu verstärken.

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