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Deutsches Agrargeschäft unter Druck

Baywa-Chef Lutz verbreitet Optimismus.
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Baywa-Chef Lutz verbreitet Optimismus.

Baywa-Chef Lutz zeigt sich optimistisch, einen „Ergebnissprung“ bis Jahresende zu verkünden. Doch der hiesige Erfassungshandel macht wenig Freude: Explodierende Frachtraten und ein geringer Betriebsmittelabsatz drücken das operative Ergebnis ins Minus.

Chancen auf weiter anziehende Getreidepreise sieht Baywa-CEO Klaus Josef Lutz: „Da die weltweiten Getreideendbestände um mehr als 50 Millionen schrumpfen in diesem Jahr und der Verbrauch weiter anzieht, bestehen durchaus Aussichten auf steigende Preise“, sagte Lutz in der Telefonkonferenz zur Bilanz im 3. Quartal 2018 am Donnerstag.



Dem deutschen Erfassungsgeschäft hat diese Entwicklung bislang nichts genützt, denn obwohl der Umsatz um gut 16 Prozent im Vergleich zu den ersten neun Monaten des Vorjahres angestiegen ist auf 2,6 (Vorjahr: 2,2) Mrd. €, brach das Ebit ein auf -1,5 (19,3) Mio. €. Der Baywa-Chef begründet den Umsatzanstieg mit der Integration des inländischen BAST-Geschäfts, das fortan ausschließlich die internationalen Getreidehandelsaktivitäten bündelt. Das Minus beim Ergebnis führt Lutz auf einen geringen Betriebsmittelabsatz in Deutschland infolge der Dürre und Düngeverordnung zurück sowie einen Einbruch in der Nachfrage nach Pflanzenschutz, da der Krankheitsdruck niedrig sei. In Deutschland sei die Erfassungsmenge um 400.000 t gesunken, so Lutz.

Frachtraten steigen um bis zu 300 Prozent

Zudem setzen dem deutschen Getreidehandels- und Erfassungsgeschäft die extremen Ernterückgänge in diesem Jahr sowie das Niedrigwasser auf den Flüssen zu. Betriebsmittel oder Getreide, die sonst über Wasserstraßen befördert würden, müssten nun mit Lkw oder auf der Schiene befördert werden: „Die Frachtraten sind teilweise um 200 bis 300 Prozent angehoben worden“, so Lutz.

Im internationalen Getreidehandelsgeschäft, das die Baywa seit Jahresbeginn in dem Bereich „BAST“ bündelt, schrumpft der Umsatz in den ersten drei Jahresquartalen um knapp 11 Prozent auf 3,9 (4,4) Mrd. €. Dafür schreibt der Bereich wieder ein positives Ergebnis: Nachdem das Ergebnis vor Zinsen und Steuern Ebit in den ersten neun Monaten 2017 noch mit 4,7 Mio. € im Minus lag, meldet die Baywa aktuell ein Plus auf 23,2 Mio. €. Den Ergebniszuwachs begründen die Münchner mit einer trockenheitsbedingt höheren Nachfrage nach Futtermitteln wie Mais, steigenden Getreidepreisen sowie mit einer steigenden Marktvolatilität, die dem Handel in die Karten spiele.

Einsparungen in Italien, Spanien und Rumänien

Das Umsatzminus ist nach Angaben von Lutz gewollt, da die Baywa Einsparungen bei margenschwachen Aktivitäten vorgenommen habe. In Italien und Spanien habe man „personelle Änderungen vorgenommen“, teilte Lutz auf Anfrage von agrarzeitung.de mit. Außerdem habe man „spekulative Geschäfte“ zurückgefahren und das „Supply Chain Management“ in den Vordergrund gestellt. Fixkosten in  Höhe von 13 Mio. € habe man in Spanien und Italien eingespart. In Rumänien habe die Baywa außerdem Getreidehandelsaktivitäten zusammengelegt mit ihrer Beteiligung, der österreichischen RWA.

Baywa-Chef Lutz verspricht sich im gesamten Geschäftsjahr 2018 neue Absatzchancen durch den dürrebedingt erhöhten Importbedarf von Getreide und Futtermitteln in Europa. Dadurch hätten sich etwa neue Absatzmärkte in Skandinavien aufgetan. Die Baywa profitiere von dieser Situation, indem sie Weizen und Futtermittel aus den Ländern, in denen genug Ware für den Export zur Verfügung stehe, in die Länder bringe, wo sie gebraucht würden, hieß es dazu auf Anfrage. Zu der finanziellen und mengenmäßigen Dimension dieser Geschäfte hielt sich die Baywa bedeckt.

Übernahme bei Spezialitäten geplant

Für das Spezialitätengeschäft kündigte Lutz eine kleinere Übernahme an, die aber voraussichtlich erst im 1. Quartal 2019 über die Bühne gehen werde. Dabei handele es sich um einen „internationalen Händler für Nischenprodukte wie Stärke, Proteine und Erbsen“, so Lutz auf Anfrage von agrarzeitung.de

“Trump-Effekt“ bei Obst

Das Obstsegment muss auch einen Ergebnisrückgang verschmerzen, und zwar um knapp 21 Prozent auf 17,7 Mio.  €. Lutz spricht hier von einem „Trump-Effekt“: Die Baywa könne ihre Apfelernte aus Washington State aufgrund des Handelsdisputs zwischen Washington und Beijing „nicht mehr wettbewerbsfähig nach China exportieren“.

Tief in den roten Zahlen hängt auch das Segment Baywa r.e., das ein Ebit von minus 20,9 (plus 49,9) Mio. € im Zeitraum Januar bis September 2018 schreibt. Das „Flagschiff der Baywa“ werde aber liefern, versicherte Lutz: Der Abverkauf von Solar- und Windparkanlagen mit einer Gesamtleistung von 450 Megawatt werde im 4. Quartal erfolgen. Ein Solarprojekt in Spanien soll dann 36 bis 37 Mio. € in die Kasse spülen.

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