Industrieverband Agrar

Landwirte setzen weniger Glyphosat ein

Oft spielt die Witterung bei einer zeitgerechten Ausbringung von Pflanzenschutzmittel nicht mit.
Foto: Amazone
Oft spielt die Witterung bei einer zeitgerechten Ausbringung von Pflanzenschutzmittel nicht mit.

Die Pflanzenschutzindustrie in Deutschland steht unter Druck. Im dritten Jahr in Folge gehen die Jahresumsätze zurück.

Der Nettoinlandsumsatz mit Pflanzenschutzmitteln in Deutschland belief sich im Geschäftsjahr 2017 auf 1,385 Mrd. €. Das bedeutet gegenüber dem Vorjahr (1,415 Mrd. €) ein Minus von 2,1 Prozent im Direktgeschäft zwischen der im IVA organisierten Industrie und dem Pflanzenschutz-Großhandel.

Das Jahr 2017 war für die Landwirtschaft ein schwieriges Jahr, sagte heute IVA-Präsident Dr. Helmut Schramm vor der Presse in Frankfurt. Das Frühjahr 2017 setzte erst sehr spät ein und verzögerte damit die Entwicklung der Winterkulturen. Viele Pflegearbeiten konnten nicht zeitgerecht durchgeführt werden. Dies galt auch für die Aussaat der Sommerkulturen. Der Krankheitsdruck im Getreide war eher gering und die Erntearbeiten bei Getreide, Zuckerrüben und Mais wurden von anhaltenden Niederschlägen behindert. In der Folge verspätete sich vor allem in Norddeutschland die Herbstaussaat von Raps und Getreide deutlich. Dadurch haben die Landwirte weniger Pflanzenschutzmittel eingesetzt.

Herbizid-Umsatz gestiegen

In den einzelnen Sparten hat es nur bei den Herbiziden ein Plus von 2 Prozent im Jahr 2017 gegeben. Der Umsatz in diesem Segment ist auf 594 Mio. € gestiegen. Die Umsätze wurden allerdings durch Produktpreissenkungen reduziert. Der Markt für Rübenherbizide ist in gleichem Maße mit der Anbaufläche gestiegen. Der Markt für Maisherbizide sank um circa 3 Prozent. Ursachen dafür waren die leicht rückläufige Fläche, der vermehrte Einsatz günstigerer Produktlösungen und weniger Nachspritzungen. Der Rapsherbizid-Markt war beeinflusst von einem späten Vegetationsbeginn und einer rückläufigen Anbaufläche im Jahr 2017 und sank um mehr als acht Prozent.

Der Fungizidumsatz ging um 4,8 Prozent zurück und beträgt 569 Mio. €. Der Markt für Getreidefungizide büßte etwa 6,5 Prozent ein. Der Krankheitsdruck blieb während der gesamten Vegetationsperiode unter dem Durchschnitt der vergangenen Jahre. Der Marktwert der Rapsfungizide sank wegen geringerer Maßnahmen zur Einkürzung und des frühen Pilzschutzes. Der Einsatz von Generika bei Fungiziden nimmt zu.

Auch der Umsatz mit Insektiziden war 2017 rückläufig um 5 Prozent auf 128 Mio. €  gegenüber Vorjahr. Entgegen dem allgemeinen Trend ist allerdings der Markt für Rapsinsektizide deutlich gestiegen. Insbesondere die schwierige Bekämpfung von Rapsglanzkäfern führte zu einer sehr hohen Behandlungsintensität. Der Markt für Getreideinsektizide war hingegen stark rückläufig. Im Frühjahr wie Herbst erfolgten wegen schwachen Befalls nur wenige Behandlungen.

Zulassungsstau löst sich langsam auf

Der Zulassungsstau von neuen Wirkstoffen baue sich nur langsam ab, sagte Schramm. Allerdings gibt es von Seiten der Politik Signale, dass in den Behörden das Personal aufgestockt werde und sich dadurch die Situation entspannen könnte. Zudem legen Behörden den Fokus auf die „einfacheren Dossiers“. Mittel, die in EU-Ländern, die in der gleichen Zone wie Deutschland liegen, bereits eine Zulassung hätten, dürften auch in Deutschland schneller eine Genehmigung erhalten und auf den Markt kommen.

Den Glyphosateinsatz beschreit der IVA als seit Jahren rückläufig. Gegenüber 2016 ist im Berichtsjahr 2017 haben Landwirte die Behandlung mit dem umstrittenen Wirkstoff um weitere acht Prozent eingeschränkt auf rund 2.740 t. Nach der Verlängerung von Glyphosat durch die EU-Kommission um fünf Jahre Ende 2017 laufe derzeit in Deutschland die nationale Wiederzulassung glyphosathaltiger Mittel. Schon in zwei Jahren müssen die Hersteller die erneute Verlängerung des Wirkstoffs bei der EU einreichen. 2023 stehe dann wieder eine Zulassung an.

IVA arbeit bei Ackerbaustrategie mit

Die im Koalitionsvertrag vereinbarte Ackerbaustrategie, die unter anderem einen reduzierten Einsatz von Pflanzenschutzmitteln vorsieht, begrüsst der IVA. Wir arbeiten an der Ackerbaustrategie des Bundesagrarministeriums mit, versichert Schramm. Dabei plädiert der IVA auf die Einhaltung des integrierten Pflanzenschutzes. Neue Chancen eröffne auch die Digitalisierung für landwirtschaftliche Betriebe. Die Verknüpfung von Daten erleichtere dem Landwirt die Ausbringung von Pflanzenschutzmitteln. Beispielsweise könne die passende Software die Abstandsauflagen zu Gewässern elektronisch exakt steuern. Um Technik und Produkte genau abzustimmen, habe der IVA mit dem VDMA Landtechnik mit Sitz in Frankfurt Kooperationsgespräche aufgenommen.  

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  1. EU-Bauer Klaus1618
    Erstellt 9. Mai 2018 08:56 | Permanent-Link

    Wer die obigen Einlassungen zum Insektizideinsatz im Raps interpretieren kann, darf sich tatsächlich nachhaltig Gedanken über die Verifizierung solcher Angaben machen.
    Aus welchen Fingern gesaugt? Würfelstrategie oder vielleicht doch vertiefte Blicke in die Glaskugel, ggf. rein spiritueller Art mittels Befragung von Schamanen?
    Warum diese Infragestellung:
    Wenn man sich im Nachgang vergegenwärtigt, dass z.B. im Main-Tauber-Kreis 2017 bei den amtlichen Versuchen das „schwarze Gold“ Raps mit Erträgen jenseits der 5 t/ha glänzte, so korreliert das nur schwerlich mit den vorstehenden Erkenntnissen. Mithin trotzte also der Rapsglanzkäfer geradezu jedem Spritznebel. Bei einem um insgesamt 5% rückläufigen Insektizideinsatz verzeichnete man also demgegenüber einen sogar deutlichen Anstieg auf unseren Rapsfeldern. - Und dennoch gingen die verträumten Ertragserwartungen -von WEM?- wiederum weitgehend in Erfüllung.

    Muß man sich nicht sorgen, dass vielleicht viele, die selbige Pyrethroide in einem solchen Umfang einsetzen, demnach selbst schon erheblich vernebelt sind!? - Diese Gefahr ist schließlich nicht von der Hand zu weisen bei den über Schlepperkabinenniveau hoch ausgefahrenen Spritzgestängen und solchen Dämpfen, denen man an vielen Tagen bei der in Rede stehenden Behandlungsintensität sich ausgesetzt sieht.

    Es kollidieren hierbei wieder einmal die in alle Richtungen publizierten Wahrheiten und bedürfen dringlichst einer Überprüfung hinsichtlich des jeweiligen Wahrheitsgehaltes. Irgendwo hakt es dabei doch merklich.

    Unsere chemischen Hilfsmittel bedienen jedenfalls noch immer die bestens geölte Gelddruckmaschinerie der Agrarchemieindustrie, ...und wir Bauern stehen, wie auch immer man das sehen kann und muss, im absoluten Dunstkreis derselben!

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