Bilanz-Pressekonferenz

Baywa-Vorstand: Deutscher Agrarhandel wenig profitabel


Baywa-CEO Klaus Josef Lutz setzt auf das internationale Agrargeschäft, will das Profil der Baywa als Projektierer schärfen und kündigt Portfolio-Änderungen an.
Baywa Ag
Baywa-CEO Klaus Josef Lutz setzt auf das internationale Agrargeschäft, will das Profil der Baywa als Projektierer schärfen und kündigt Portfolio-Änderungen an.

Die Restrukturierung des deutschen Agrargeschäfts will CEO Lutz eng begleiten. Er versprach vor Journalisten in München, den Bereich "in den Griff zu bekommen."

Im Segment Agrar weckt der internationale Handel Wachstumsfantasien. Das deutsche Erfassungs- und Handelsgeschäft hingegen ist zu unprofitabel. Das ist ein Fazit der Bilanzpressekonferenz der Baywa AG für das Geschäftsjahr 2018 am heutigen Donnerstag in München. Das Agrargeschäft in Deutschland werde „umfangreich restrukturiert“, betonte der Vorstandsvorsitzende Klaus Josef Lutz. Dieser Prozess werde „von mir persönlich ganz eng gemonitort“, so Lutz weiter. Es werde zwar „zwei bis drei Jahre dauern“, aber: „Wir werden das in den Griff bekommen“, versprach der Baywa-Chef.

Das Agrargeschäft sei „nur in Deutschland und Österreich schwach“ und „nicht profitabel“, sagte auch Finanzvorstand Andreas Helber mit Blick auf das Verhältnis von investiertem Kaptial und Nettogewinn. Für 2019 erwartet die Baywa neben einer positiven Entwicklung im internationalen Agrargeschäft eine Erholung auch in Deutschland. Der Betriebsmittelabsatz werde nach dem Rückgang im Dürresommer 2018 wieder steigen. Außerdem würden Volumina aus der Ernte 2018, die auch bedingt durch das Niedrigwasser im Herbst und Winter 2018 noch nicht auf den Markt gekommen sind, erst jetzt abfließen.

Die geplante Restrukturierung des Agrargeschäfts hat die Baywa nach Konsultation des Beratungsunternehmens McKinsey im Vorjahr entwickelt, so Lutz weiter. Vorgesehen sei unter anderem, das Standortnetz in Deutschland „auszudünnen“, in profitable Standorte zu investieren, die Logistikkosten zu senken und durch digitale Lösungen zu optimieren.

Nadelstreifen versus Trachtenjanker

Im internationalen Agrarhandelsgeschäft „BAST“ erwartet die Baywa künftig Wachstum durch den steigenden Fleischkonsum in Asien und eine damit verbundene wachsende Getreidenachfrage. Die Trennung des Agrargeschäfts in den hiesiegn Agrarhandel und den Bereich BAST begründete Lutz auf Anfrage mit „unterschiedlichen Mentalitäten“ der klassischen Erfassungshändler in München und der internationalen Händler in Rotterdam. Beides in einem Bereich zu führen, habe nicht geklappt. Lutz verdeutlichte dies bildlich mit dem Vergleich „Nadelstreifen versus Trachtenjanker.“

Für das neue Geschäftsjahr kündigte Lutz „Änderungen im Portfolio“ der Baywa an, wollte aber zum jetzigen Zeitpunkt keine Details nennen. Verkündet hat die Baywa den Strategieprozess „Economics“, der auch der Überprüfung von Geschäftsmodellen diene“, wie der CEO erläuterte. Man müsse sich die Frage stellen, wie man mit Geschäft umgehe, das langfristig schwache Wachstumsperspektiven biete. Als Beispiel nannte Lutz das Geschäft mit Heizöl, in dem „der Absatz Jahr für Jahr“ sinke. Darüber hinaus setze „Economics“ weiter auf die Digitalisierung sowohl in Hinblick auf Prozesse als auch auf Innovationen und die Internationalisierung des Geschäfts. Die Diversifizierung über Investitionen in Spezialitäten wie Hülsenfrüchte oder die Bionische und die Erweiterung des Projektierungsgeschäft von der Erneuerbare-Energien-Sparte auf andere Geschäftsfelder, vorwiegend Bau, zählten ebenso dazu. Außerdem ziele der Prozess auf eine nachhaltige Ausrichtung der unterschiedlichen Aktivitäten, vor allem mit Blick auf den Klimawandel, ab.

Im Geschäftsjahr 2018 weist der Baywa-Konzern einen Umsatz von 16,6 (Vorjahr: 16,1) Mrd. € aus. Das Ergebnis vor Zinsen und Steuern Ebit stieg leicht auf 172,4 (171,3) Mio. €. Der Bereich Agrar insgesamt steuerte dazu rund 11 (10,8) Mrd. € Umsatz und 100 (82,1) Mio. € Ebit bei, getrieben vor allem durch ein starkes internationales Handelsgeschäft und eine erfreuliche Entwicklung bei der Technik.

Baywa spürt Trump-Effekte

Der internationale Agrarhandel BAST profitierte laut Baywa 2018 besonders von zwei Entwicklungen: Aufgrund der trockenheitsbedingten Grundfutterknappheit stieg die Nachfrage der Futtermittelindustrie nach Soja, die verstärkt von der niederländischen Konzerngesellschaft Cefetra bedient werden konnte. Zum anderen begünstigte die Verschiebung der globalen Warenströme von den USA nach Brasilien infolge chinesischer Importzölle auf US-Soja die bestehenden Handelspositionen. US-Präsident Donald Trump hat zumindest in dem Bereich die Geschäfte der Baywa indirekt beflügelt. Im internationalen Obsthandel haben die Münchner die nachteiligen Folgen des Handelsdisputs zwischen China und den USA zu spüren bekommen: Aufgrund von Strafzöllen in China konnte die Baywa ihre in den USA geernteten Äpfel nicht in die Volksrepublik absetzen. 

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