Biodiesel-Markt

Weiteres Werk drosselt Produktion


Bild: Rainer Sturm / pixelio.de

Ein Biodiesel-Produzent im Westen fährt für unbestimmte Zeit seine Produktion auf die Hälfte der Kapazität zurück. Der Grund: Günstige Biodiesel-Importe aus Argentinien und Indonesien.

Der Biodieselproduzent Natural Energy West (NEW) aus Marl fährt ab sofort für unbestimmte Zeit seine Produktion auf die Hälfte zurück. Gründe dafür seien Dumping-Biodieselimporte aus Argentinien und Indonesien, die seit dem Winter den europäischen Markt überfluteten, teilte das Unternehmen, zu dessen Gesellschaftern unter anderem die Agravis Raiffeisen AG und die C. Thywissen GmbH in Neuss zählen, Anfang der Woche mit.

Die gedrosselte Produktion halte die Firma nur aufrecht, um bestehende Lieferverträge für Biodiesel und das Koppelprodukt Pharma-Glycerin zu bedienen, fügte NEW hinzu. „Wir fordern die Bundesregierung dazu auf, sich für die deutsche Biodieselindustrie und die damit verbundenen Arbeitsplätze einzusetzen und den ruinösen Handelspraktiken aus Argentinien und Indonesien einen Riegel vorzuschieben“, sagt NEW-Geschäftsführer Detlef Volz.

Zuvor setzte bereits ADM die Erzeugung aus

NEW ist nicht das einzige Unternehmen, das die Biokraftstoffproduktion in Reaktion auf die Importkonkurrenz, bisher vor allem aus Argentinien, drosselt. Erst kürzlich hatte der US-Konzern Archer Daniels Midland bekannt gegeben, die Produktion von Biodiesel in seinem Mainzer Werk bis Ende des zweiten Jahresquartals zu stoppen. Und auch der Agrarkonzern Bunge teilte kürzlich mit, seine Biodiesel-Produktion am Standort Mannheim in Reaktion auf die "niedrigpreisenden Importe" am EU-Markt "weiter einzuschränken".

Grund der Marktturbulenzen: Die argentinische Regierung erhebt unterschiedliche Exportsteuern (DETs) auf Sojabohnen und Biodiesel. So wird auf den Export von Biodiesel eine Steuer von lediglich 8 Prozent erhoben, während bei der Ausfuhr von Sojabohnen eine Abgabe von 26,5 Prozent fällig wird. Im Ergebnis wird der Rohstoff, in dem Fall Sojabohnen, auf dem Weltmarkt teurer als im Inland und dadurch die heimische Biodiesel-Industrie in Argentinien indirekt gefördert. Indonesien fördert seine Biodieselproduktion aus Palmöl in gleicher Weise. Die Europäische Kommission hatte sich in der Vergangenheit gegen subventionierte Biodieselimporte mit Hilfe von Anti-Dumping-Zöllen gewehrt, die aber nach erfolgreichen Klagen Argentiniens und Indonesiens vor der Welthandelsorganisation WTO gekippt wurden.

Hoffen auf Brüssel

NEW hofft nun auf das Antisubventions-Verfahren, das die EU gegen Argentinien angestrengt hat. "Wir wollen unsere Produktion natürlich gerne wieder hochfahren", so Geschäftsführer Volz im Gespräch mit agrarzeitung.de. Man hoffe nun darauf, dass die Situation im Spätsommer bis Herbst eine andere sei. Das Antisubventions-Verfahren hat die EU Ende Januar dieses Jahres eröffnet. Das Verfahren ist langwierig, es sieht zum Beispiel die Befragung von Marktteilnehmern auf beiden Seiten vor. Frühestens nach neun Monaten können vorläufige Maßnahmen zum Schutz des Marktes ergriffen werden. Bis der Prozess komplett abgeschlossen ist, wird mehr als ein Jahr vergehen. "Wir sind mit Blick auf das Verfahren optimistisch", so Volz weiter, "denn es ist offensichtlich, dass da etwas nicht stimmt." So sei die Rohware Rapsöl derzeit teurer als Biodiesel aus Soja: "Das kann nicht sein", bekräftigt Volz.

NEW hat nach eigenen Angaben eine Jahreskapazität von 240.000 t Biodiesel und 50.000 t Pharmaglycerin. Die Firma ist seit 2002 im Industriepark in Marl ansässig. NEW hat vier Gesellschafter: Agravis Raiffeisen AG, Bunge BV Rotterdam, D2I (Diester International Paris) und die C. Thywissen GmbH in Neuss.

Alarmiert äußert sich am Dienstag der Verband der Deutschen Biokraftstoffindustrie (VDB). Dessen Geschäftsführer Elmar Baumann will, dass die EU-Kommission schon vor Abschluss des Anti-Subventionsverfahrens tätig wird: Der Verband fordere "kurzfristige Schutzmaßnahmen und zumindest eine Registrierung der Importe, um diese rückwirkend mit Zöllen belegen zu können", so Baumann. "Es geht hier nicht nur um einige wenige Standorte der Biodieselproduktion, sondern es geht um eine weitverzweigte Branche. Wenn die deutsche Biodieselindustrie in die Knie geht, bedeutet das auch massive Verluste für Ölmühlen und Landwirte in ganz Deutschland", betont der VDB-Geschäftsführer.


Politische Märkte sind zum Scheitern verurteilt

Biodiesel aus Raps ist ein Auslaufmodell. In der Landwirtschaft lagern knapp vier Monate vor der nächsten Ernte noch große Mengen Raps und die Hoffnung schwindet, dass die Preise bis zum Ende der Vermarktungssaison steigen könnten. Ein Kommentar von Steffen Bach aus der agrarzeitung #13 vom 29. März 2018



Seit den Höchstständen im Herbst haben die Rapspreise in Deutschland knapp 50 €/t oder gut 10 Prozent nachgegeben. Schuldige für den Preisverfall sind schnell gefunden: Sie sitzen in der argentinischen Regierung, die mit ihrer Zollpolitik dafür sorgt, dass die Europäische Union mit billigem Biodiesel überschwemmt wird. Mit einem System, in dem Sojabohnen und Sojaöl mit höheren Exportzöllen belegt werden als Biodiesel, erreicht Argentinien, dass mehr Agrarrohstoffe im Land verarbeitet werden. Das schafft Arbeitsplätze, sorgt für zusätzliche Wertschöpfung und hilft, den Biodiesel zu günstigen Preisen auf dem Weltmarkt anzubieten. Argentinien kann man dieses Vorgehen vorwerfen, doch erreichen wird man mit den Protesten nur wenig.

Es waren die Länder der EU selbst, die sich mit ihrer Biokraftstoffpolitik zu einem attraktiven Absatzmarkt für Pflanzenöl und Biodiesel gemacht haben. Mit deutscher Initiative stieg seit 1994 der Verbrauch von Pflanzenölen zur Kraftstoffproduktion von null auf fast 12 Mio. t. Ein großer Teil des zusätzlichen Bedarfs musste durch Importe gedeckt werden.

Vom Biodieselgeschäft haben in der Vergangenheit auch die Rapserzeuger profitiert, denn es sorgte für zusätzliche Nachfrageimpulse. Trotz der Importe landen noch immer zwei Drittel der in Europa geernteten Rapssaat im Tank. Zwar hat sich in den vergangenen Jahren die Tank-Teller-Debatte beruhigt, die Zweifel am Sinn der klassischen Biokraftstoffe sind aber geblieben. Ob Biodiesel einen Beitrag zum Klimaschutz leisten kann, ist in der Wissenschaft umstritten. Auf EU-Ebene wurden bereits die Weichen dafür gestellt, den Einsatz von klassischem Biodiesel aus Pflanzenöl mittelfristig zu reduzieren.

Biodiesel aus Raps, Palmöl oder Sojabohnen ist ein Auslaufmodell. In den kommenden Jahren wird diese Entwicklung die Anbauentscheidungen der Landwirte beeinflussen. Alternativen zum Rapsanbau müssen gefunden werden. Eine Ausweitung der Getreideproduktion scheint angesichts der geforderten Reduzierung des Pflanzenschutzmitteleinsatzes kaum möglich zu sein. Statt die Fruchtfolgen einzuengen, müssen sie erweitert werden. Eine Möglichkeit könnte der verstärkte Anbau von Eiweißpflanzen wie Erbsen, Ackerbohnen, Soja oder Lupinen sein. Mit dem Trend zu GVO-freien Futtermitteln und regionalen Wertschöpfungsketten entsteht ein Markt, in dem sich neue Absatzchancen ergeben.

Zu hoffen ist, dass sich die Politik beim Thema Eiweißpflanzen zurückhält. Aus dem letztendlich gescheiterten Biodiesel-Experiment sollten alle Beteiligten eines gelernt haben: Die Produktion durch politische Vorgaben zu regulieren, führt am Ende meist zu negativen Entwicklungen, die zu Anfang nicht absehbar sind. Dafür steht als abschreckendes Beispiel der desolate Rapsmarkt.

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  1. Gottfried Glaab
    Erstellt 10. April 2018 20:08 | Permanent-Link

    Ich versteh die Diskussion Eiweißfuttermittel nicht. Ist denn Raps kein Eiweißfuttermittel?
    Es wird seit Jahrzehnten bei uns angebaut, bereichert unsere Fruchtfolgen, blüht weithin sichtbar, im Gegensatz zum Soja (Blüte kaum sichtbar), ist Futter für unsere Bienen und liefert qualitativ hochwertiges Öl und Futter. Und das vor unserer Haustür und nicht irgendwo auf der Welt. PS: Zum Nachdenken

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