Biodiversität

Der Landwirt ist nicht erfolgreicher als die Natur

Ein intaktes Ökosystem hält einige Vorzüge bereit: fruchtbaren Boden, sauberes Grudnwasser, Insekten, die bestäuben, und Nahrungsmittel. Seit dem Jahr 2002 untersucht ein Forscherteam um Prof. Wolfgang Weisser von der Technischen Universität München (TUM), welche Auswirkungen der Artenschwund auf jegliche Prozesse hat. Nun nennt er zwei Ergebnisse der Langzeitstudie "Jena Experiment":

  • Artenreichere Wiesen hätten eine höhere Produktivität als artenarme Wiesen.
  • Zusätzliche Düngung und eine häufigere Mahd erreichte allerdings denselben Effekt.

Demzufolge ist ein Landwirt, der bestimmte Arten fördert und düngt, im Durschnitt nicht erfolgreicher als die Natur.

Weitere Ergebnisse zeigten, dass die Energie der Biomasse (Bioenergiegehalt) von artenreichen Wiesen deutlich höher war als die von artenarmen Wiesen, zugleich aber ähnlich hoch wie viele der heute stark subventionierten Arten wie etwa Chinaschilf. Außerdem wurden in artenreichen Gemeinschaften die positiven Effekte wie etwa die Kohlenstoffspeicherung im Boden, die mikrobielle Atmung oder die Entwicklung der Bodenfauna erst mit der Zeit stärker. Andererseits wurden genauso die negativen Effekte von Monokulturen später sichtbar. „Dies bedeutet, dass die negativen Effekte des derzeitigen Artenverlustes erst in einigen Jahren vollständig augenscheinig werden“, warnt Weisser. 

Das Forscherteam um Weisser führte 80.000 Messungen in Deutschland, Österreich, der Schweiz und den Niederlanden durch. Auf mehr als 500 Versuchsparzellen hatten sie unterschiedlich viele Pflanzenarten angesät, von Monokulturen bis zu Mischungen von 60 Arten. Neben Pflanzen wurden auch alle weiteren im Ökosystem vorkommenden Organismen untersucht – im und oberhalb des Bodens. Daneben sind von Bodenkundlern die Stoffkreisläufe von Kohlenstoff, Stickstoff und Nitrat und auch der Wasserkreislauf über den gesamten Zeitraum von 15 Jahren untersucht worden.
  

 

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