Das Vereinigte Königreich war bisher ein wichtiger Importeur von europäischen Molkereiprodukten.
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Das Vereinigte Königreich war bisher ein wichtiger Importeur von europäischen Molkereiprodukten.

Die Molkereien in Österreich warnen vor den Folgen eines ungeordneten Brexits. Mit ihrer Strategie für Qualität und Nachhaltigkeit sieht sich die Branche langfristig gut aufgestellt.

Die Entwicklungen rund um den Brexit werden nicht nur von der österreichischen, sondern von der gesamten europäischen Milchwirtschaft mit großer Sorge betrachtet, weil Großbritannien mit Importen von rund 480.000 t Käse und 90.000 t Butter ein großer Importeur von EU-Milchprodukten ist, berichtet der AIZ-Infodienst aus Wien. Ein ungeregelter Brexit könnte über Nacht große Marktstörungen bringen, warnte der Präsident der Vereinigung Österreichischer Milchverarbeiter, Helmut Petschar, bei der Milchwirtschaftlichen Bundestagung in Gmunden in Oberösterreich. Viele EU-Unternehmen, die derzeit noch nach Großbritannien liefern, sind auf der Suche nach neuen Absatzmärkten in der Union, was einen zusätzlichen Marktdruck bringe. Für die Milchwirtschaft bleibe daher ein Marktzugang in das Vereinigte Königreich sehr wichtig.



Auf die Herausforderungen der Zukunft  reagiert die österreichische Milchwirtschaft mit Strategien für mehr Nachhaltigkeit, Qualität und Wertschöpfung. Dazu gehören Gentechnikfreiheit, strenge Produktionsauflagen wie dem Verzicht auf Soja aus Übersee und Palmöl in der Fütterung, der Einschränkungen beim Einsatz von Pflanzenschutzmitteln, hohe Tierwohlstandards und der hohe Anteil an biologischen Produkten sowie die Teilnahme an staatlichen Umweltprogrammen. Petschar verwies in diesem Zusammenhang auf die vielen regionalen Erzeugnisse und Spezialprodukte wie Heumilch und Biowiesenmilch, auf die strengen Standards und Kontrollen durch das AMA-Gütesiegel, sowohl in der Produktion als auch in der Verarbeitung. Zudem erfolge die Milchproduktion in Österreich großteils im Berggebiet in überschaubaren Einheiten und weise die EU-weit geringsten CO2-Emissionen auf.

Ein Problem sei, dass die Qualitätsprodukte mit Preisen von Erzeugnissen, die nicht den hohen Standards entsprechen, verglichen werden. "Unsere Qualität kann aber nur dann bestehen, wenn sowohl der Lebensmittelhandel als auch die Konsumenten bereit sind, diese Strategie mitzutragen und zu honorieren", betonte Petschar.

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