Brexit

Schwere Folgen für Fleisch, Obst und Gemüse


Ein „no deal“ bedeutet eine Halbierung des deutschen Agrarhandelsüberschusses mit den Briten. Besonders der deutsche Geflügel-und Schweinefleischsektor würde leiden, sagt das Thünen-Institut.

Eines zumindest steht fest: Ende März will das Vereinigte Königreich (VK) aus der Europäischen Union austreten. Bislang ist noch unklar, ob sich die Briten auf das mit der EU ausgehandelte Abkommen, den sogenannten weichen Brexit, einlassen, oder ob es zum ungeordneten „harten“ Brexit kommen wird.

So oder so wird der Brexit deutliche Auswirkungen auf die deutsche Landwirtschaft haben, analysierte jetzt Dr. Florian Freund vom Thünen-Institut für Marktanalyse laut dem zur BLE gehörenden Bundesinformationszentrum Landwirtschaft (BZL). „Unsere Berechnungen zeigen, dass in beiden Fällen der Agrarhandelsüberschuss Deutschlands mit dem Vereinigten Königreich deutlich abnehmen würde. Bei einem weichen Brexit würde sich der Agrarhandelsüberschuss um etwa ein Fünftel verringern. Bei einem harten Brexit käme es sogar zu einer Halbierung“, so Freund.

Je härter der Brexit, desto höher die geforderten Anpassungen

Besonders betroffen ist nach Analyse des Thünen-Instituts der Schweine- und Geflügel-fleisch-Sektor. Die Briten beziehen das Fleisch aktuell überwiegend aus Dänemark und Deutschland. Die Nachfrage könnte sich verringern, da sich durch den Brexit die Importe verteuern. „Einige Branchen bemühen sich schon seit längerem um neue Abnehmer und versuchen den Handel mit bestehenden Partnern zu intensivieren, um mögliche Einbußen aus dem Geschäft mit dem Vereinigten Königreich zu kompensieren“, so Freund.

Wie stark die Brexit-Folgen tatsächlich sein werden, hängt von den weiteren Verhandlungsergebnissen zwischen der EU und dem VK ab. Je härter der Brexit ausfällt, desto stärker werden die Veränderungen sein, an die sich die Akteure anpassen müssen, stellt Freund dazu nüchtern fest. Für den Agrarbereich würde ein harter Brexit insbesondere höhere Zölle und ein stärkeres regulatorisches Auseinanderdriften bedeuten. So könnte das VK  zum Beispiel von der EU abweichende Standards in Bezug auf die Lebensmittelsicherheit einführen. „Kommt es etwa bei einem EU-Austritt zu abweichenden phytosanitären Anforderungen in beiden Regionen, würde das den Handel von Obst und Gemüse zusätzlich erschweren“, sagt der Experte des Thünen-Instituts.

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