China

Betrug mit Ökoware


Der chinesische Öko-Landbau ist durchsetzt von Schummeleien und nachlässigen Kontrollen. Das zumindest legt ein interner Bericht der deutschen Kontrollstelle Ceres nahe, der dem Nachrichtenmagazin "Spiegel" vorliegt.

Schon seit Jahren besteht laut Spiegel-Bericht in der Kontrollstelle Ceres ein Betrugsverdacht. Angezweifelt wird die ökologische Produktion in China. Ceres ließ deshalb seine chinesischen Kontrolleure über Jahre immer wieder von anderen Prüfern begleiten und führte Buch über diese Stichproben-Audits. Das Ergebnis, so Ceres-Geschäftsführer Albrecht Benzing, sei »ziemlich schockierend« gewesen. Ein chinesischer Inspektor, teilt der Spiegel vorab mit, habe einem Betriebsleiter geholfen "ein Pestizidlager zu verbergen". Mitunter hätten beteiligte Bauern nicht einmal gewusst, dass sie Teil eines Bioprojekts waren. Sei es bei Kontrollen kritisch geworden, sei Prüfern mehrfach Geld angeboten worden. Auf Bildern ist dokumentiert wie Bauern Mineraldünger ausbringen, der im Ökoanbau verboten ist. Auf anderen Bildern sind Glyphosatbehälter auf Biofeldern zu sehen. 51 dieser begleiteten Kontrollen hielt Ceres zwischen 2007 und 2017 in der Statistik fest, in 41 Prozent der Fälle gab es mehr als drei Verstöße gegen die Prüfrichtlinien.

China liefert 2018 dem Bericht zufolge rund 415 000 t Öko-Soja, Öko-Sonnenblumenkerne, Biotee oder Goji-Beeren in die EU. Inzwischen hat auch die EU die Einfuhrregeln verschärft: Seit Anfang des Jahres müssen chinesische Biobetriebe neben der angekündigten Jahreskontrolle mindestens einmal im Jahr unangekündigt geprüft werden, schreibt der Spiegel in seiner aktuellen Ausgabe.


Auch die EU zieht nach Unregelmäßigkeiten mit Biowaren aus fünf Staaten  Konsequenzen. Das Unternehmen „Control Union Certifications“ darf keine Biolizenzen mehr für Importe aus Kasachstan, der Republik Moldau, Russland, die Türkei und den Vereinigten Arabischen Emirate vergeben. Das meldet die EU in ihrem Amtsblatt vom 20. März 2019. Untersuchungen wurden eingeleitet, nachdem wiederholt Pestizidrückstände bei Biowaren nachgewiesen worden waren. Der amerikanische Bioverbande Organic Trade Association warnt darüber hinaus vor Speisebohnen, Weizen, Leinensamen, Soja und Sonnenblumenschrot aus Osteuropa und der Türkei.

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