Coronavirus

Albtraum für US-Mäster


Mike Paustian, Schweinehalter in Iowa, fürchtet, dass sich die Situation weiter zuspitzen könnte.
Foto: Iowa Pork Producers
Mike Paustian, Schweinehalter in Iowa, fürchtet, dass sich die Situation weiter zuspitzen könnte.

Schweinehalter im Mittelwesten der USA kommen zunehmend unter Druck. Etwa 20 Prozent der Schlachtkapazität fehlen wegen der Coronakrise.

Als „logistischen Albtraum“ bezeichnet Mike Paustian, Präsident der Iowa Pork Producers Association, die Situation am Markt für schlachtreife Schweine. Zunehmend legen Schlacht- und Zerlegebetriebe Kapazitäten still, weil Arbeiter mit dem Coronavirus infiziert sind. Betroffen ist der gesamte Mittelwesten mit der Schweinehochburg Iowa und ebenfalls beachtlichen Tierzahlen in den US-Bundesstaaten Minnesota, Illinois und Indiana.
Schweinehochburg der USA
Im US-Bundesstaat Iowa steht fast ein Drittel des Schweinebestandes der USA. Im Zentrum des Mais- und Sojagürtels des Mittelwestens gelegen, hat sich die Branche ähnlich spezialisiert und konzentriert wie hierzulande in Weser-Ems. Entsprechend verwundbar sind solche Regionen im Seuchenfall.
Erst am Montag hat die US-Tochter des brasilianischen Fleischkonzerns JBS bekannt gegeben, das Werk in Worthington, Minnesota, das täglich etwa 20.000 Schweine verarbeitet, zu schließen. In Iowa stehen die Bänder am großen Tyson-Schlachthof in Columbus Junction bereits in der zweiten Woche still. Sie sollen jetzt allerdings zum Teil wieder angefahren werden. Außerdem hat der Branchenprimus Smithfield Foods Verarbeitungsstätten stillgelegt.

Nach Branchenschätzungen können in den USA zurzeit täglich 100.000 Tiere nicht verarbeitet werden. Das entspreche etwa 20 Prozent der gesamten Kapazität, berichtet das Internetportal von Progressive Farmer. Selbst wenn Schweinelieferungen an andere Werke verteilt werden, bedeutet das in jedem Fall Verlust von wertvoller Zeit. „Es gibt wirklich niemanden, der zu diesem Zeitpunkt nicht betroffen ist. Es breitet sich einfach überall aus“, schildert der Schweinehalter Paustian die Corona-Situation in den USA. Am meisten fürchtet er, dass es zu Massentötungen von Schweinen kommen könnte.

Gewerkschaft fordert mehr Schutz der Mitarbeiter

Zunehmende Coronavirus-Fälle gibt es aber auch in Rinderschlachtbetrieben. Zudem fürchtet die Gewerkschaft United Food and Commercial Workers (UFCW), dass auch Mitarbeiter in Geflügelschlachtereien gefährdet sind. Sie hat zu Wochenbeginn in einem Brief an das US-Landwirtschaftsministerium (USDA) gefordert, mehr zum Schutz der Beschäftigten vor dem Coronavirus zu tun. Die Gewerkschaft erklärte, dass Mitarbeiter an zentralen Stellen vorrangig getestet werden und sofortigen Zugang zu persönlicher Schutzausrüstung erhalten sollten. Infizierte Arbeiter wiederum sollten ohne Lohnabzug zu Hause bleiben dürfen.

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