Cultured Meat

USA sind der große Vorreiter

Die Good Meat Nuggets von Eat Just sind bisher weltweit das einzig zugelassene Cultured Meat.
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Die Good Meat Nuggets von Eat Just sind bisher weltweit das einzig zugelassene Cultured Meat.
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Das britische Marktforschungsunternehmen IDTechEx gibt in einer aktuellen Studie einen Überblick über die Fortschritte bei der Markteinführung von Laborfleisch.

Cultured Meat könnte in den kommenden Jahren die konventionelle Fleischerzeugung weitgehend ersetzen. Dies hoffen zumindest jene Investoren, die in die immer größer werdende Zahl von Projekten investieren. Das britische Marktforschungs- und Beratungsunternehmen IDTechEx tritt - was die kurzfristigen Perspektiven angeht – jedoch auf die Euphorie-Bremse. Bisher gebe es mit Singapur erst ein einziges Land, in dem aus Zellvermehrung produziertes Fleisch verkauft werden darf, geben die Autoren der Studie zu bedenken. Die Chicken-Nuggets des US-amerikanischen Herstellers Eat Just werden seit Anfang 2021 in einem Restaurant angeboten. Unter Investoren genießen die Laborfleisch-Pioniere dennoch großes Interesse. Seit 2015 wurde dutzende Start-ups von Anlegern mit 600 Mio. Euro unterstützt. IDTechEx erwartet, dass langfristig für Cultured Meat ein Umatzpotential von einer Billion Euro besteht.

US-Firmen ziehen das meiste Kapital an

Inzwischen gibt es auf allen Kontinenten Unternehmen, die an der Produktion von Cultured Meat arbeiten. 40 Prozent der Firmen kommen aus Nordamerika, vor allem aus den Vereinigten Staten. Zu den bekanntesten zählen Eat Just, Upside Foods (zuvor Memphis Meats) und BlueNalu. Die Region zieht auch das meiste Kapital an, denn 57 Prozent der globalen Investitionen seien nach Nordamerika geflossen. Die Begeisterung der Anleger sei zum Teil auf die wachsende Popularität von fleischfreien Alternativen in den USA zurückzuführen. Die üppige Kapitalausstattung führe dazu, dass die nordamerikanischen Unternehmen für kultiviertes Fleisch zu den am weitesten entwickelten gehören. Der Hersteller von aus Zellkulturen bestehenden Meeresfrüchten BlueNalu baue beispielsweise in San Diego eine 40.000 Quadratmeter große Pilotanlage. Ziel sei es noch in diesem Jahr Produkt in den US-Markt zu bringen.

Nordamerika könnte die zweite Region werden, in der kultiviertes Fleisch verkauft werden darf. Die Studie berichtet über Spekulationen, dass die Zulassung von aus Zellkulturen hergestellten Meeresfrüchten unmittelbar bevorstehe. Bei Imitaten von Meeresfrüchten seien die regulatorischen Hürden niedriger, denn für deren Zulassung sei ausschließlich die Lebensmittelbehörde FDA zuständig. Bei Cultured Meat, dass aus Zellen von Nutztieren wie Huhn, Schwein oder Rind erzeugt wird, sei zudem das US-Agrarministerium (USDA) beteiligt, was die Genehmigungsverfahren komplexer mache.

Derzeit handle es sich bei den potenziellen Markteinführungen noch immer um Gerüchte, betonen die Autoren der Studie. Es gebe noch keine offiziellen Ankündigungen, die darauf hindeuten, dass kultiviertes Fleisch in Kürze in den USA in Geschäften und Restaurants erhältlich sein könnte. Eine Zulassung in den Vereinigten Staaten wäre für die Cultured-Meat-Industrie allerdings enorm wichtig und würde wahrscheinlich eine Flut von frischem Kapital in den Bereich strömen lassen. Zudem würde eine solche Entscheidung die Genehmigungsverfahren in anderen Regionen beeinflussen.

EU bietet den besten Rechtsrahmen

Mit 25 Prozent der Unternehmen und 21 Prozent der Investitionen ist Europa derzeit der zweitwichtigste Kontinent für die neu entstehende Branche. Die Europäische Union verfüge zudem über einen der besten Rechtsrahmen für die Zulassung von kultiviertem Fleisch weltweit. Cultured Meat werde ausdrücklich in der „Novel Food Regulation“ erwähnt. Darin zeige die EU den Unternehmen einen klaren Weg für die Zulassung auf.

Probleme sehen die Autoren der Studie aber in einem anderen Bereich. Erwartet werden heftige Auseinandersetzungen über die Kennzeichnung von kultivierten Fleischprodukten, so wie sie es schon bei pflanzlichen Alternativen gegeben habe. Darüber hinaus stünden Verbraucher und Regulierungsbehörden in Europa biotechnologischen Verfahren wie der Gentechnik in Lebensmitteln seit jeher ablehnend gegenüber. In der Studie wird davor gewarnt, dass die EU wegen dieser Widerstände bei der nächsten Generation innovativer Lebensmittel ins Hintertreffen geraten könnte.

Singapur will Ernährungssicherheit verbessern

In Asien wurde Cultured Meat erstmals zugelassen. Die Regierung von Singapur unterstütze schon lange diese neuen Verfahren, um die Ernährungssicherheit des Landes zu verbessern. Ziel ist es den Lebensmittelbedarf des Stadtstaates bis zum Jahr 2030 zu 30 Prozent durch Vertical Farming und alternativen Proteine selbst zu decken. Im gesamten asiatisch-pazifische Raum sind die Investoren aber noch zurückhaltend. 17 Prozent der Unternehmen haben ihren Sitz in der Region. Sie konnten sich bisher aber nur fünf Prozent des Kapitals sichern, das weltweit in diesen Sektor geflossen ist. Auch bei der Regulierung sehen die Studienautoren Lücken, denn außerhalb von Singapur gebe es in keinem Land einen entsprechenden Rechtsrahmen. Deshalb könne es noch Jahr dauern, bis Cultured Meat in Asien auf den Markt kommt. Andererseits zeigten Studien, dass ostasiatische Verbraucher eher bereit seien, kultiviertes Fleisch zu probieren als Konsumenten in westlichen Ländern wie den USA.

Große Fortschritte in Israel

Ähnlich wie in Singapur ist die Ernährungssicherheit auch in Israel ein wichtiges Anliegen. Deshalb verwundert es nicht, dass es in dem Land mehrerer Start-ups für kultiviertes Fleisch gibt, darunter Aleph Farms und Future Meat. Für den Verkauf zugelassen sind die neuen Produkte aber auch in Israel noch nicht. Lediglich in einem Restaurant können Interessenten aus der Vermehrung von Hühnerzellen gewonnenes Fleisch von SuperMeat kostenlos probieren.

Erste Initiativen für Cultured Meat gibt es auch in Südamerika und Asien. Cell Farm Food Tech mit Sitz in Argentinien wurde als erstes Start-up für kultiviertes Fleisch in der Region gegründet. Der brasilianische Fleischkonzern BRF ist kürzlich eine Partnerschaft mit Aleph Farms eingegangen ist, um kultiviertes Fleisch in die Region zu bringen. In Afrika hofft die in Kapstadt ansässige Mzansi Meat, durch ihre lokalen Netzwerke und ihr Verständnis der afrikanischen Kultur auf dem gesamten Kontinent Fuß zu fassen. Aufgrund des schwierigen Kostendrucks und des Fehlens einer etablierten Infrastruktur für die Lieferkette sehen die Autoren der Studie für eine erfolgreiche Markteinführung in Afrika keine guten Aussichten.

Dieser Text erschien zuerst auf www.fleischwirtschaft.de.
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