Dialog

Bayer-Chef gesteht Fehler ein


Den Fragen interessierter Leser stellte sich am Montagabend der Vorstandsvorsitzende der Bayer AG, Werner Baumann, im Düsseldorfer RP-Haus
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Den Fragen interessierter Leser stellte sich am Montagabend der Vorstandsvorsitzende der Bayer AG, Werner Baumann, im Düsseldorfer RP-Haus

Der Bayer-Konzern befindet sich in schwerem Fahrwasser. Doch den Monsanto-Kauf verteidigt der Bayer-Chef Werner Baumann bei einer Dialogveranstaltung in Düsseldorf: „Ich stehe vollumfänglich hinter Glyphosat.“

Manch offenes Wort fand der Vorstandschef der Bayer-AG, Werner Baumann, beim Wirtschaftsgipfel der Tageszeitung „Rheinische Post“ (RP). „In den letzten 18 Monaten sind einige Dinge passiert, die so nicht hätten passieren dürfen“, gab er als Erklärung für den Verfall des Aktienkurses vor rund 100 Gästen an, die am Montag zum Leser-Dialog in die Redaktion der Düsseldorfer Tageszeitung gekommen waren. Innerhalb von drei Jahren ist die Bayer-Aktie vom Höchstwert 144 € auf ein bisschen mehr als 60 € zusammengeschrumpft. Auslöser seien unter anderem Bevorratungsprobleme mit Pflanzenschutzmitteln in Brasilien, Produktionsschwierigkeiten in Leverkusen mit Aspirin oder auch das verlorene Rennen mit dem Konkurrenten Roche um das Medikament Faktor VIII gewesen, gibt Baumann schonungslos zu. Doch als im August 2018 die erste Instanz in den USA Bayer zu Schadenersatz wegen Glyphosat verurteilt hatte, ging es mit dem Aktienkurs noch einmal rapide abwärts.

 Risiken unterschätzt?

Auch auf dem Leser-Dialog zeigte sich schnell, dass dieser eine Wirkstoff das bestimmende Thema sein wird. „Das ist ein sehr sicherer Wirkstoff“, „ein essentielles Produkt für die Landwirtschaft“ oder „ich stehe vollumfänglich hinter Glyphosat“, beteuerte Baumann. Doch die Aussagen wollten beim Publikum, aus dem die schärfsten Gegner vorab durch schriftliche Anmeldung, Ausweis- und Taschenkontrollen bereits aussortiert worden waren, nicht richtig fruchten. Die Wirtschaftschefin der RP, Antje Höning, stellte irgendwann die Frage, die momentan die Bayer-Stakeholder - vom Aktionär über den Mitarbeiter bis hin zum Landwirt - am meisten umtreibt: Hat Bayer die Risiken mit dem Monsantokauf falsch eingeschätzt?

Die Antwort darauf werden die nächsten Monate liefern, spätestens wenn der Glyphosat-Prozess in den USA von der letzten Instanz abschließend entschieden worden ist. Derweil verfolgt Werner Baumann zwei Kommunikationsstränge. Erstens: Transparenz. Dazu gehören unter anderem das Eingestehen von Fehlern (siehe oben) ebenso wie die Veröffentlichung der Studien zu Glyphosat im Internet  und der permanente Dialog. „Wir gehen keiner Diskussion aus dem Weg“, erklärt Baumann. Als zweites wird Baumann nicht müde, positive Aspekte herauszustellen. Und von denen hat er einige im Köcher. Beispielsweise die Konzentration auf nur noch vielversprechende Kerngeschäfte wie Pharma, Consumer Health und Crop Science, die Entstehung der ebenfalls börsennotierten Covestro und dass in diesem Jahr 9 Mrd. Euro verdient werden und für das nächste Jahr 11,5 bis 12 Mrd. Euro angepeilt sind. In die Forschung und Entwicklung sollen im kommenden Jahr etwa 6 Mrd. Euro investiert werden. Auch werde verstärkt gemeinsam mit schlagkräftigen externen Unternehmen geforscht werden. "Wir haben viel bewegt, worauf wir stolz sind", sagt Baumann. Der Aktienkurs spiegele zwar den Wert des Unternehmens nicht wider. Somit habe er aber auch viel Potenzial nach oben, so seine positive Botschaft. 

Am Ende komme es wohl darauf an, ob die sachliche Argumentation der emotionalen überlegen sein wird, fasste ein Zuhörer aus dem Publikum die Risiken treffend zusammen.

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  1. Uwe Grassnick
    Erstellt 11. Dezember 2018 17:48 | Permanent-Link

    Ich war anwesend, gestern Abend. Was auffiel war, dass bei aller sachlichen Überzeugung pro Glyphosat augenscheinlich die emotionale Komponente, die ja nun schon zu Verboten in diversen Ländern und Anwendungsbereichen geführt hat, strategisch immer noch nicht berücksichtigt wird. Wem emotional kein Glauben geschenkt wird, der verliert auch wenn er sachlich möglicherweise Recht hat... Unterschätze man nur nicht die "weichen Faktoren".

  2. Dr. Anke Boenisch
    Erstellt 12. Dezember 2018 08:49 | Permanent-Link

    Irgendetwas stimmt da nicht...
    „Wir gehen keiner Diskussion aus dem Weg“, erklärt Baumann...

    Doch die Aussagen wollten beim Publikum, aus dem die schärfsten Gegner vorab durch schriftliche Anmeldung, Ausweis- und Taschenkontrollen bereits aussortiert worden waren, nicht richtig fruchten.

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