Digitale Zukunft

Wenn das Hähnchen "Iss mich!" ruft


In Zukunft sollen Waren im Kühlschrank auch kommunizieren können.
Foto: Pexels / Pixabay
In Zukunft sollen Waren im Kühlschrank auch kommunizieren können.

Schnitzel aus dem 3D-Drucker sind zwar noch eine ferne Zukunftsvision. Dass die Wertschöpfungskette für Lebensmittel digitaler wird, ist aber dennoch nicht aufzuhalten.

Was heute Kochen? In Zukunft könnten die Lebensmittel diese Frage beim Öffnen des Kühlschranks beantworten. Denn aus dem obersten Fach meldet sich eine Packung Hähnchenbrustfilet mit einem nicht zu überhörenden Piepton, weil das Mindesthaltbarkeitsdatum am folgenden Tag abläuft. Im Gemüsefach hat sich der Chip auf den Paprika in ein warnendes Rot verfärbt, um zu signalisieren, dass man das Gemüse nun verzehren sollte, ehe es schrumpelig wird. „Alexa ich habe zwei Paprika und 300 Gramm Hähnchenfleisch. Was kann ich mit den Lebensmitteln, die außerdem im Haus sind, damit für zwei Personen kochen?“, fragt der Hausmann und bekommt prompt eine Antwort sowie einen Rezeptvorschlag, der an das Smartphone gesendet wird.

Sensorlösungen auch für die Verpackung

Ob es in Zukunft so in deutschen Küchen zugeht, wird sich zeigen. Dass die Technologie dafür schon heute vorhanden ist, wurde am Montag beim Kongress Agrifood 4.0 in Vechta deutlich. „Die Digitalisierung wird unseren Zugang und unseren Umgang mit Lebensmitteln enorm beeinflussen“ stellte Prof. Susanne Boll-Westermann, Universität Oldenburg, fest. So können kleine Sensoren auf den Packungen die Einhaltung der Kühlkette überwachen, aber auch dabei helfen, die Verschwendung von Lebensmitteln zu reduzieren, weil sie rechtzeitig vor dem Verderben warnen. Möglich seien auch individualisierte Lebensmittel, wie eine persönliche Müslimischung, die die Allergien des Kunden berücksichtigt.

Prof Nick Lin-Hi zeigte sich überzeugt, dass sich der Konsument ändern werde und dieser Wandel bei den Lebensmitteln beginne. Der Professor für Wirtschaft und Ethik an der Universität Vechta stellte fest, dass Nachhaltigkeitsaspekte beim „faktischen Kaufprozess“ bisher nur eine untergeordnete Rolle spielen. Dies lasse sich durch „Motivallianzen“ ändern. So könnten Kategorien wie Nachhaltigkeit, Frische, Gesundheit und Geschmack zu einem positiven Gefühl verschmelzen. Für den Erfolg entscheidend sei dabei Vertrauen in das Produkt und den Produzenten. Und das müsse durch Transparenz hergestellt werden.

Blockchain hilft bei Rückverfolgbarkeit

Welche Rolle dabei die Blockchain-Technologie spielen könnte, zeigte Jörg Naumann von IBM Deutschland. In einem Projekt für den US-Handelsriesen Walmart konnte durch Blockchain nicht nur die Kommunikation in der Lieferkette verbessert werden. Auch beim Thema Rückverfolgbarkeit hat die Vernetzung der Daten neue Möglichkeiten eröffnet. So habe beispielswiese bei Obst, das in Südamerika produziert wurde, innerhalb von Sekunden ermittelt werden können, von welchem Landwirt eine Frucht stammt, während solche Recherchen früher meist länger als eine Woche dauerten.

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