Digitaler Agrarhandel

House of Crops startet


Das Team (v.l.): Max Commandeur, Max Wedel, Justus Plettenberg.
Foto: House of Crops
Das Team (v.l.): Max Commandeur, Max Wedel, Justus Plettenberg.

Das Berliner Start-up will mit seinem Algorithmus Cropmate den Agrarhandel revolutionieren und geht jetzt offiziell an den Markt. Einkäufer sammeln bereits Erfahrungen.

Das Start-up „House of Crops“, ein digitaler Makler für den Getreidehandel, hat die Testphase abgeschlossen. Das gibt das junge Unternehmen jetzt bekannt. Mit bereits ersten gehandelten Kontrakten und einer Handelsliquidität in Tonnen „im mittleren zweistelligen Tausenderbereich“, geht die digitale Plattform nun offiziell an den Markt. „Wir haben es kaum erwartet, dass wir so schnell eine Handelsliquidität erreichen, die zu ersten digital abgeschlossenen Kontrakten führt“, kommentiert Maximilian Wedel, Geschäftsführer der House of Crops GmbH, die Entwicklung. 

House of Crops ist eine von zahlreichen digitalen Plattform-Neugründungen rund um den Agrarhandel, die bereits am Markt sind oder gerade Testphasen durchlaufen. Bereits online ist beispielsweise Agrando aus München. Allerdings fokussiert sich Agrando derzeit auf den Handel mit Betriebsmitteln. In Pilotphasen befinden sich etwa die digitalen Plattformen Cropspot oder Agrora.

Algorithmus auf Partnersuche

Die Plattform basiert auf dem selbstlernenden Algorithmus Cropmate. Dieser vereinfacht nach Angaben des Unternehmens das Finden „neuer vertrauenswürdiger Geschäftspartner“ und stelle gleichzeitig „Diskretion und Anonymität von Handelsbüchern sicher“, betont House of Crops. Zudem seien auf der Plattform individuelle Gebote und Offerten für Getreide in weniger als einer Minute zu erstellen.

„Ich kann mein Gebot bei House of Crops einfach und intuitiv einstellen und abwarten bis ich über passende Kontraktpartner informiert werde – es reduziert meinen Aufwand und spart Zeit,“ bestätigt Benjamin Jarmatz, Einkäufer bei Good Mills Deutschland GmbH. Jarmatz nutzt die Plattform ergänzend zum althergebrachten Handelsgeschäft:  „Ich kombiniere die Plattform mit meinem analogen Handel und habe über House of Crops bereits sehr gute Kontrakte abgeschlossen“, sagt der Einkäufer aus der Mühlenwirtschaft.

Mit dem offiziellen Beginn des Regelbetriebs verkündet das Start-up ein Lockangebot für potenzielle Kunden: Die Leistungen von House of Crops seien bis in die erste Hälfte des Jahres 2020 kostenfrei, teilt House of Crops mit. Die Plattform ist unter www.houseofcrops.de zugänglich. Jeder Nutzer durchlaufe "aus Sicherheits- und Vertrauensgründen" eine Prüfung und werde dann von einem House of Crops-Mitarbeiter freigeschaltet und persönlich in die Funktionalitäten und Möglichkeiten der Plattform eingeführt – „ganz im Sinne eines digitalen Assistenten, wie das Unternehmen weiter mitteilt.

Die Idee für die digitale Plattform „House of Crops“ entstand vor etwa drei Jahren bei einem geselligen Zusammensitzen mit Freunden, die in der Landwirtschaft oder im Landhandel tätig sind. Das erzählten die Gründer Maximilian Wedel und seine Geschäftspartner Justus Plettenberg und Max Commandeur bereits im Sommer 2019 im Gespräch mit der agrarzeitung (az). Diese Bekannten aus der Landwirtschaft hätten allesamt „darüber geklagt, dass administrative Vorgänge immer mehr Zeit in Anspruch nehmen und sie von ihrer eigentlichen Arbeit ablenken“, so Wedel. „Da habe ich mir gedacht, dass das auch einfacher gehen muss“, sagte er. Im Jahr 2018 mündete diese Idee in konkrete Überlegungen und Analysen: Wedel und seine Geschäftspartner gründeten das Berliner Start-up House of Crops.

Kompliziert und fehleranfällig

„Vom Schließen eines Kontraktes bis zu dessen Abwicklung sind heute in der Regel bis zu zehn Kommunikationsschritte erforderlich. Vier bis sechs Personen sind an einem Geschäft beteiligt, die dazu auf das Telefon, E-Mails, Faxe oder Chats wie WhatsApp zurückgreifen“, erläuterten Plettenberg und Wedel der agrarzeitung (az) weiter. Die Krux dabei: Durch eben diese vielen Arbeitsschritte, die beteiligten Personen und die zahlreichen genutzten Medien wird das Ganze nicht nur aufwendig, sondern auch fehleranfällig. „Durch die Digitalisierung und Optimierung der Prozesse wollen wir die Nutzer unterstützen“, sagt Wedel. Das Team ist davon überzeugt, dass die Digitalisierung die administrativen Prozesse in Agrarhandel und Abwicklung um etwa 70 Prozent reduzieren kann.

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