Mit Schokolade funktioniert es schon, aber künftig soll noch mehr aus dem 3D-Drucker kommen.
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Mit Schokolade funktioniert es schon, aber künftig soll noch mehr aus dem 3D-Drucker kommen.

Die Ernährungsindustrie rechnet dank Digitalisierung mit neuen Produktionsmöglichkeiten. Dringend gefordert wird mehr Sicherheit beim Datenschutz, ergibt eine Bitkom-Umfrage.

Werden Lebensmittel aus dem 3D-Drucker, intelligente Verpackungen zur Überprüfung der Haltbarkeit und die digitale Rückverfolgung der Produkte in zehn Jahren alltäglich sein? Laut einer Umfrage unter mehr als 300 Unternehmen der Ernährungsindustrie im Auftrag des Digitalverbands Bitkom und der Bundesvereinigung der Deutschen Ernährungsindustrie (BVE) ist das ein realistisches Szenario.

Losgröße 1 in zehn Jahren normal

Demnach prognostizieren zwei Drittel der Unternehmen, dass bis ins Jahr 2030 eine hundertprozentige Rückverfolgbarkeit bis zum Warenursprung dank digitaler Technologien wie Big Data oder Blockchain die Regel sein wird.

Der Umfrage zufolge gehen zudem weitere zwei Drittel davon aus, dass in zehn Jahren Lebensmittel der Losgröße 1, die individuell auf den Verbraucher zugeschnitten sind, hergestellt werden. Außerdem geht aus der Befragung hervor, dass knapp jedes zweite Unternehmen damit rechnet, dass der Verbraucher bis dahin mittels intelligenter Lebensmittelverpackungen die Haltbarkeit überprüfen kann.
Eine große Mehrheit der Unternehmen setzt bereits digitale Technologien ein. So gaben sechs von zehn Unternehmen an, eine Strategie zur Bewältigung des digitalen Wandels zu verfolgen. Zwei von drei Unternehmen sagten aus, digitale Lösungen zu nutzen. Jedes vierte Unternehmen plant deren Einsatz.

Robotereinsatz wird umfangreicher

Ebenfalls weit in der Lebensmittelindustrie verbreitet sind Roboter. Laut Umfrage kommen diese bei 38 Prozent zum Einsatz, 27 Prozent gaben an, dass dies zumindest in Planung sei. Zudem geht aus der Befragung hervor, dass auch Big Data eine gefragte Technologie zur Verarbeitung großer Datenmengen ist. So kommt diese bei 22 Prozent der befragten Unternehmen zum Einsatz. IoT (Internet of Things) – also die Vernetzung von Maschinen in der Fabrik – gibt es bei 18 Prozent der Unternehmen,  weitere 14 Prozent gaben an, dies zu planen. Künstliche Intelligenz und Blockchain kommen dagegen in der Ernährungsindustrie kaum zum Einsatz.

Die große Mehrheit der befragten Nahrungsmittelunternehmen sieht eine Vielzahl von Vorteilen durch digitale Technologien. So rechnet beinahe jedes Unternehmen mit verbesserten Prozessen und höherer Produktionseffizienz. 81 Prozent der Befragten denken, dass der Hersteller durch Digitalisierung näher an den Verbraucher rückt und eine flexiblere Arbeitsorganisation möglich wird. Ein weiterer Vorteil ist den befragten Unternehmen zufolge auch die höhere Individualität von Produkten und Services.



Die Unternehmen der Ernährungsindustrie begreifen die Digitalisierung zwar als große Chance, doch laut Umfrage sehen sie auf dem Weg dorthin auch große Hürden auf sich zukommen. So meinen etwa neun von zehn, dass der Fachkräftemangel ein Hemmnis bei der Digitalisierung sei. Hohe Lohn- und steigende Produktionskosten als Folge der Digitalisierung betrachten ebenfalls viele der befragten Unternehmen als großes Risiko. Hinzu kommen höhere Verbrauchererwartungen.

Neue Forderungen an die Technik und die Politik

Laut Umfrage sehen zudem 80 Prozent die hohen Investitionskosten als Bremsklotz. 77 Prozent bemängeln eine fehlende Praxisreife der Technologien. Auch werde den bestehenden Sicherheitskonzepten noch nicht ganz vertraut, denn 70 Prozent fürchten die Gefahr der Spionage von Betriebsdaten.

Um diese Herausforderung zu meistern, wird laut Umfrage auch die Politik gefragt sein. So fordern 95 Prozent der Unternehmen einen klaren Rechtsrahmen für Datensicherheit und 93 Prozent einen besseren Breitbandausbau. Neun von zehn Unternehmen wünschen sich zudem einen praxistauglichen Datenschutz. Des weiteren verlangen 81 Prozent, dass Fördermittel für Aus- und Weiterbildung von Mitarbeitern bereitgestellt werden.

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