Der Deutsche Verband Tiernahrung (DVT) in Bonn blickt auf eine 100-jährige Geschichte zurück.
Foto: DVT
Der Deutsche Verband Tiernahrung (DVT) in Bonn blickt auf eine 100-jährige Geschichte zurück.

Bereits seit 100 Jahren gibt es die berufsständische Vertretung für die Futtermittelbranche. Der Deutsche Verband Tiernahrung (DVT) blickt im Jubiläumsjahr 2018 auf eine bewegte Geschichte zurück. Ein Gastbeitrag.

Im Jahr 2018 feiert der Deutsche Verband Tiernahrung (DVT) Jubiläum. Der DVT ist zwar erst im Jahr 2000 aus der Fusion des Fachverbands der Futtermittelindustrie und des Bundesverbands der Mischfutterhersteller entstanden. Aber bereits seit 100 Jahren gibt es die berufsständische Vertretung für die Futtermittelbranche: Am 1. März 1918 schlossen sich erstmals Firmen der Futtermittelwirtschaft zusammen. Es ging von Anfang darum, die Interessen von Unternehmen zu bündeln und gegenüber anderen wirksam zu vertreten. Die deutlichen Veränderungen in der Landwirtschaft und tierischen Veredlung haben auch die Entwicklung der Tierernährung und die Verbandsarbeit geprägt und verändert. 

Melassemischfutter nach dem 1. Weltkrieg bestimmend

Vor dem ersten Weltkrieg und in den ersten Jahren nach dem Krieg hatten alle Arten von Melassemischfutter die erste Stelle in den Herstellungs- und Verkaufsprogrammen eingenommen. Beeinflusst durch die Änderung der Verzehrgewohnheiten stieg die Nachfrage nach tierischen Produkten und somit der Verbrauch von Futter für Milchvieh, Schweine und Geflügel. Mineralstoffmischungen folgten. 1920 trat eine Verordnung zur Genehmigungs- und Deklarationspflicht von Mischfutter in Kraft. 1927 wurde das erste Futtermittelgesetz veröffentlicht. Es führte zur inneren Stärkung des Berufsstandes der Mischfutterhersteller und zu einer erfolgreichen Geschäftsausweitung.

Das Futtermittelgesetz von 1927
Foto: DVT
Das Futtermittelgesetz von 1927

1933 erfolgte die Auflösung des Verbands. Die Interessen der Hersteller übernahm vorübergehend der Deutsche Landhandelsverband e. V., danach der Reichsnährstand als Körperschaft des öffentlichen Rechts. Es war eine Zwangsmitgliedschaft, streng zentralistisch und nach dem sogenannten Führerprinzip. In diese Zeit fielen die Einführung der Normentafel und damit die Genehmigungspflicht der Produkte sowie die Einführung von Bezugsscheinen.

Nach dem zweiten Weltkrieg und den notdürftigsten Instandsetzungen der weitgehend zerstörten Mischfutterfabriken gründeten führende Hersteller in der britischen Zone 1946 den Fachverband der Futtermittelindustrie und 1948 in Bayern den Fachverband für die amerikanische Zone, der sich nach kurzer Zeit mit dem Verband der britischen Zone und französischen Zone 1949 zusammenschloss. Die 1950er-Jahre standen im Zeichen des Aufschwungs und der Sicherung von Qualitätsfutter. Die Industrie unterstützte die Umstellung der Landwirtschaft auf die Veredlungsproduktion und trieb sie voran. Nach der Aufhebung der Vermahlungsquote der Mehlmühlen wurden kriegszerstörte Betriebe wieder aufgebaut und bestehende Mühlen teilweise erheblich vergrößert. Durch Überkapazitäten in der Getreidevermahlung befassten sich zahlreiche Mühlenbetriebe mit der Mischfutterherstellung. 

Fütterungsberatung ab den 1950ern

Die Futtermittelanordnung von 1951 verpflichtete zur Anmeldung aller Futtermittel vor dem Inverkehrbringen beim Ministerium. Die Mischfuttermittel mussten darüber hinaus genau definierten Anforderungen hinsichtlich Rohstoffen, Mindest- und Höchstgehalten entsprechen. Mit der Gründung verschiedener Arbeitsgruppen wurde bundesweit die Fütterungsberatung etabliert. Landhandelsbetriebe, Mühlen und Hersteller von Eiweißkonzentrat schlossen sich 1957 im Bundesverband der Mischfutterhersteller (BVdM) zusammen.

Kontroverse Debatte um antibiotische Leistungsträger

In den 1980er-Jahren beeinflussten agrarpolitische, aber auch Tiergesundheitsthemen die Futtermittelwirtschaft. Beispiele hierfür sind die Milchquote, die erst 40 Jahre später wieder abgeschafft wurde, zur Reduzierung der Überproduktion und die Mitverantwortungsabgabe Getreide (MVA) für hohe Interventionsbestände. Überschattet wurde diese kritisch beurteilte Entwicklung zusätzlich durch politische Kontroversen um die prozentuale Kennzeichnung der Bestandteile eines Mischfutters. Ende 1984 gab es die nationale Vorgabe, alle Mischfutterzusammensetzungen mit den prozentualen Anteilen der Bestandteile zu deklarieren. Die ideologische Auseinandersetzung wurde 2009 mit der EU-Kennzeichnungs- und Verkehrsverordnung beigelegt. Ebenfalls wurden antibiotische Leistungsförderer kontrovers diskutiert und letztlich 2006 EU-weit verboten.

BSE bringt Zäsur

In Folge des ersten BSE-Falls in Deutschland im November 2000 und des gesamten Geschehens sowie vorangegangener Krisen in der EU legte die EU-Kommission mit dem Weißbuch zum Lebensmittelrecht Pläne für eine vollständige Überarbeitung der europäischen Rechtsetzung im Bereich der Futtermittel- und Lebensmittelkette vor. Am Anfang stand die Lebensmittel-Basisverordnung der EU, die im Jahr 2002 veröffentlicht wurde. National folgte ein weitreichendes Verfütterungsverbot für tierische Proteine und Fette. Als Konsequenz verloren über Nacht die nun verbotenen Futtermittel nicht nur ihren Wert, die Futtermittelmärkte waren vollständig verunsichert, umfangreiche Rezepturumstellungen erforderlich. 

QS schafft Transparenz

Im Jahr 2001 wurde mit der Qualität und Sicherheit GmbH (QS) eine Organisation ins Leben gerufen, die alle Produktions- und Handelsstufen von Fleisch und Fleischwaren vom Landwirt bis zur Ladentheke umfasst. Der DVT hatte alle Hände voll mit verschiedenen Regularien zur Futtermittelsicherheit zu tun (Positivliste für Einzelfuttermittel, Einkaufskontrakte, HACCP etc.). Jetzt rückte der vorsorgliche Verbraucherschutz und die Rückverfolgbarkeit in den Vordergrund. In Deutschland trat 2005 das Lebensmittel- und Futtermittelgesetzbuch (LFGB) in Kraft.

Deutschland ist der größte Teilmarkt in Europa. Das konnte die Futtermittelwirtschaft erreichen, weil die tierische Veredlung so leistungsfähig und exportorientiert ist. Dies gelang auch, weil die Tiernahrungshersteller immer wieder neue Wege zur optimalen und effizienten Tierernährung gefunden haben und ihre Kunden ihnen das Vertrauen schenken. Aktuell sind in Deutschland Nachhaltigkeit, Tierwohl, Ressourcenschutz sowie Digitalisierung prägende Themen. Der Strukturwandel setzt sich bei allen Tierarten fort. Neben der konventionellen Produktion differenziert sich der Markt immer mehr. Für die Firmen heißt dies auch in Zukunft eine ständige Optimierung ihrer Produkte. Um auch für die nächsten Jahre und Jahrzehnte dafür ein gutes Umfeld zu haben und ihrer Stimme Gehör zu verschaffen, braucht es auch in Zukunft besonders für die mittelständisch geprägten Hersteller von Tiernahrung einen starken Verband. Und so ist die berufsständische Vertretung weiterhin gefragt und gefordert – auf nationaler und europäischer Ebene.

Mehr über das DVT-Jubiläum erfahren Sie hier.

Die Kommentare für diesen Artikel sind geschlossen.

stats