Einfuhren in die EU

Ukraine verdoppelt Geflügelexporte

Die ukrainischen Lieferungen von Geflügelfleisch in Richtung Europäischer Union steigen kräftig. Das hat auch etwas mit Lücken in den Zollbestimmungen zu tun.

Die Ukraine hat in den ersten fünf Monaten dieses Jahres mehr als 50.000 t Geflügelfleisch in die EU geliefert. Das waren über 90 Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum. Das geht aus den neuesten Angaben des Statistischen Amts der Europäischen Union (Eurostat) hervor. Die Ukraine rangiert bei Geflügelimporten auf dem dritten Platz der Bezugsländer der EU. Mit der Ausfuhrerhöhung arbeitet sich das Land näher an Thailand und Brasilien heran, die mit knapp 124.000 t und 111.000 t zu den wichtigsten Lieferanten der EU gehören. 
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Der massive Anstieg der Einfuhr liegt auch an der "kreativen Nutzung des Handelsabkommens", erläutert ein Kenner des Geschäfts. In dem seit rund zwei Jahren geltenden Handelsabkommen zwischen der EU und der Ukraine gibt es bei Geflügelfleisch ein Schlupfloch. Das ist die Kategorie "Anderes", für die weder ein Mengenkontingent noch ein Zoll gilt. In diese Kategorie "Anderes" fallen Produkte mit einem speziellen Zuschnitt, beispielsweise Hühnerbrüste mit "Fleisch-Anhang", die bestimmte ukrainische Produzenten nun in die EU einführen. In der Regel beträgt der Zoll für die marktgängigen Produkte wie reine Brust, die über dem Kontingent eingeführt werden, rund 1 €/kg Fleisch. Im Jahr 2017 machte dieser ungeregelte Bereich "Anderes" rund 27.000 t aus.
In den ersten fünf Monaten dieses Jahres betrug die Einfuhr von "Anderes" bereits mehr als 20.000 t - und damit rund 40 Prozent der gesamten ukrainischen Geflügelfleischeinfuhr in die EU. Das meiste Fleisch dieser Art liefert die Ukraine in Richtung Niederlande. Das Problem sei der EU-Kommission bekannt, heißt es aus Insiderkreisen. Es gebe bereits Gespräche, wie dieses Loch zu stopfen sei.  

Gleichzeitig ist zu beobachten, dass die EU-Importe an brasilianischem Geflügelfleisch sinken. In den ersten fünf Monaten des Jahres 2018 fiel die Menge rapide um 42 Prozent von 190.697 t auf 110.763 t. Damit setzte sich die Entwicklung des vergangenen Jahres fort, in dem die brasilianischen Geflügelfleischlieferungen in die EU im Vergleich zu 2016 um ein Fünftel eingebrochen waren.

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