England

Ethanolmargen am Boden

Das Ethanolwerk in Hull steht vorübergehend still.
Foto: Vivergo
Das Ethanolwerk in Hull steht vorübergehend still.

Eine britische Ethanolfabrik wird wegen zu niedriger Margen bis auf Weiteres geschlossen. Weizenerzeuger fürchten Preisdruck.

Der britische Hersteller Vivergo Fuels legt bis auf Weiteres die Kapazitäten des Ethanolwerkes im Nordosten Englands still. Das Unternehmen hatte bereits Mitte November angekündigt, die jährliche Wartungspause vorzuziehen. Seither hat sich nach Aussage des Vivergo-Managements der Preisverfall am Markt für Bioethanol fortgesetzt. Dafür macht das Unternehmen die Untätigkeit der Regierung in London verantwortlich. Denn die britische Bioethanolbranche wartet vergeblich auf ehrgeizigere nationale Beimischungsziele und die Einführung des Treibstoffs E-10. Zurzeit werden im Vereinigten Königreich nach Branchenschätzungen etwa 5 Prozent Bioethanol beigemischt.

Während der verlängerten Wartungspause soll die weitere Entwicklung der Margen beobachtet werden, um zu entscheiden, wann die Produktion wieder aufgenommen wird. Für einen Neustart gebe es aber keine Garantie, sagte Vivergo-Direktor Mark Chesworth am Mittwoch in einem Gespräch mit dem Radiosender BBC. Davon direkt betroffen seien die 150 Mitarbeiter des Ethanolwerkes am Standort Hull.

Zwei Werke im Vereinigten Königreich

Vivergo Fuels, das zum britischen Zuckerkonzern AB Sugar gehört, betreibt seit 2012 in Hull eines der beiden britischen Ethanolwerke, die jeweils bis zu 1 Mio. t Getreide verarbeiten können. Nummer 2 ist das Ensus-Werk in Wilton, das 2013 von der deutschen Cropenergies gekauft worden ist. Beide Hersteller haben noch nie die volle Kapazität ausgelastet, aber immerhin in diesem Jahr gute Margen eingefahren. Grund waren bis September attraktive Ethanolpreise gekoppelt mit niedrigen Einstandspreisen vor allem für Weizen.

Vertreter des britischen Bauernverbandes (NFU) kommentieren die Entwicklung mit Sorge. Das Ethanolwerk Vivergo habe große Bedeutung als Aufkäufer von britischem Futterweizen, besonders in den Ackerbaugebieten des Nordostens. Der NFU appellierte am Mittwoch an das Verkehrsministerium in London, die Beimischungsziele für Bioethanol zu erhöhen und zügig den Kraftstoff E-10 einzuführen. Anderenfalls wären die Farmer gezwungen, für ihren Weizen alternative Absatzwege zu suchen. Das könnte die Preise drücken. Der Branchenverband AHDB hat kürzlich kalkuliert, dass die Ethanolverwendung die britischen Weizenpreise umgerechnet um mehr als 11 €/t stützt.

 

 


 

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