Ermittlungen

Westfleisch widerspricht dem WDR


Lieferungen von Schweinefleisch nach Russland sollen "gegen die Vermögensinteressen der Firma“ gewesen sein, so die Staatsanwaltschaft Bielefeld.
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Lieferungen von Schweinefleisch nach Russland sollen "gegen die Vermögensinteressen der Firma“ gewesen sein, so die Staatsanwaltschaft Bielefeld.

In einem Fernsehbericht der WDR-Lokalzeit geht es um Veruntreuungen ehemaliger Führungskräfte der Westfleisch. Der Konzern wehrt sich gegen die Darstellung.

Ende vergangener Woche hatte der Westdeutsche Rundfunk über staatsanwaltliche Ermittlungen gegen ehemalige Westfleisch-Mitarbeiter der Führungsetage berichtet. Der Vorwurf: Untreue. Oberstaatsanwalt Gerald Rübsam von der Staatsanwaltschaft für Wirtschaftskriminalität in Bielefeld bestätigt in dem TV-Bericht die Ermittlungen und beziffert den Schaden auf 16 Mio. Euro. Zwar hätten die Beschuldigten nicht in die eigene Tasche gewirtschaftet, es sei aber „gegen die Vermögensinteressen der Firma“ gehandelt worden.

Konkret geht es dem WDR zufolge um Lieferungen von Schweinefleisch nach Russland in den Jahren 2014 und 2015 – nach Inkrafttreten des Embargos. Um die dortigen Kunden nicht zu enttäuschen, habe Westfleisch Fleisch im Ausland angekauft und von dort liefern lassen. Die Einnahmen aus diesen Geschäften seien aber nicht verbucht worden. Der Tipp an die Staatsanwaltschaft stammt dem Sender zufolge von einem ehemaligen Mitarbeiter des Schlachtkonzerns.

Kein Grund für Umsatzrückgang

Die Westfleisch SCE mit Sitz in Münster bestätigt auf Anfrage die Ermittlungen gegen einen ehemaligen Vorstand und einen ehemaligen leitenden Angestellten. Sie beruhten auf einer anonymen Anzeige, die aber bereits im Jahr 2017 eingegangen war. Dass die vermeintlichen Zahlungsausfälle aus Russland der Grund für Verluste des Unternehmens in 2015 seien und deswegen keine Dividenden bezahlt wurden, ist dem Unternehmen zufolge aber schlichtweg falsch. Der Umsatzrückgang habe andere Gründe gehabt – deutlich gestiegene Produktionskosten etwa, das große Angebot an Schlachtschweinen oder der stockende Fleischabsatz, erklärt Westfleisch. Außerdem seien infolge des Embargos Geschäftspartner in die Insolvenz gegangen und Sicherungsmittel nicht in vollem Umfang realisiert worden. Entsprechende Verfahren liefen noch.

Viele Behauptungen seien falsch

Anders als vom WDR dargestellt, habe Westfleisch die Vorgänge umfassend aufgearbeitet, heißt es in der Stellungnahme. „In den vergangenen Jahren konnten wir mit unterschiedlichen Maßnahmen und juristischen Schritten den durch die Zahlungsausfälle entstandenen Vermögensschaden bereits um mehrere Millionen Euro reduzieren“, so Westfleisch-Vorstand Carsten Schruck. Und man arbeite weiter daran, ihn zu schmälern. Auch von Vertuschung könne keine Rede sein. „Über die Zahlungsausfälle von 2014 hat der Vorstand des Unternehmens unverzüglich und ordnungsgemäß insbesondere gegenüber dem Aufsichtsrat Bericht erstattet“, erklärt Aufsichtsrat-Vorsitzender Josef Lehmenkühler. Zudem entbehre die Behauptung, dass ein ehemaliger Vorstand das Unternehmen verlassen musste, da er die Aufklärung zu offensiv vorangetrieben habe, jeglicher Grundlage.

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