Bis zum Jahresende will Julia Klöckner (CDU) ein Konzept für weniger Zucker, Salz und Fett in verarbeiteten Lebensmitteln vorlegen. Doch für den ehrgeizigen Zeitplan der Bundesernährungsministerin wird es eng. Angeblich blockiert auch die Milchbranche.

Für das nächste Arbeitstreffen zur "Nationalen Reduktions- und Innovationsstrategie" fehlt eine einheitliche Linie. Die sogenannte Reformulierung ist aber gemäß Koalitionsvertrag ein Kernprojekt des Bundesernährungsministeriums (BMEL). Die Einladungen zum nächsten "Runden Tisch" am 26. September sind verschickt. Doch bereits das zuvor anberaumte Arbeitsgruppentreffen am 18. September könnte Klöckners Erwartungen trüben. Nach Informationen von lz.net wird es von den Wirtschaftsverbänden keine konkreten Zahlen für eine Reduzierung geben.

Unwilliger Milchindustrieverband 

Innerhalb der Lebensmittelwirtschaft gibt es derzeit offenbar weder Einigkeit über die Punkte "Freiwilligkeit" oder "Verbindlichkeit von Reduzierungen" noch über feste Größenordnungen. Auch an der Frage, welche Produkte einbezogen werden sollen, scheiden sich die Geister. Das Spektrum reicht nach Informationen der Lebensmittelzeitung von Unternehmen wie Oetker, die sich für die Festlegung konkreter Zielmarken und Zeitspannen aussprechen, bis hin zu Totalverweigerern, die keinen Sinn in der Reformulierung erkennen. Beim letzten "Runden Tisch" Anfang Juli musste sich insbesondere der Milchindustrieverband Untätigkeit von Klöckner vorhalten lassen. Grundlage des Arbeitstreffens am 18. September mit Klaus Heider, dem zuständigen Abteilungsleiter im BMEL, sind die Konzeptpapiere der Beteiligten. Ziel ist ein zusammenfassendes Arbeitspaket, das in den Runden Tisch Ende September eingebracht wird.

Unbehagen zur Datentransparenz

Der Bund für Lebensmittelrecht und Lebensmittelkunde (BLL) will in puncto Transparenz die Erhebung von Daten anbieten. Es herrscht dabei allerdings Unbehagen, dass diese Daten dann bei den mit am Tisch sitzenden Nichtregierungsorganisationen landen. Der Verband hatte in der Vergangenheit immer wieder wissenschafts- und faktenbasierte Lösungen angemahnt. Dabei wird auch die Frage aufgeworfen, welchen Nutzen die Reduktionsstrategie überhaupt bringt.

Der BLL kämpft mit der Herausforderung, sehr heterogene Mitgliederinteressen zusammenbringen zu müssen. Der Spagat umfasst einerseits Unternehmen mit Leuchtturmprojekten und andererseits das Feld der Verweigerer. Aber auch der Lebensmittelhandel kann sich dem Vernehmen nach bislang auf keine gemeinsame Reduktionszusage verständigen.

Spekuliert werden darf, wie Klöckner, die freiwillige Zusagen von der Wirtschaft eingefordert hatte, mit der Situation umgehen wird. Bereits jetzt ist die Politikerin offenbar mit den willigen großen Unternehmen im Gespräch. Die Taktik, die Klassenbesten zu nutzen, um Branchen und Verbände unter Druck zu setzen, wird als realistisches Szenario gehandelt.

Dazu passt, dass Klöckner nach LZ-Informationen im Anschluss an den Runden Tisch Unternehmenschefs eingeladen hat.

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