Ernährung

US-Wissenschaftler hält Rapsöl für ungesund

Rapsöl gilt nicht mehr uneingeschränkt als gesund.
Foto: Canola Council of Canada
Rapsöl gilt nicht mehr uneingeschränkt als gesund.

Rapsöl könnte bei Alzheimer-Patienten Symptome verstärken, sagt eine US-Studie. Kanadische Exporteure sind beunruhigt.

Eine Studie am Alzheimer-Zentrum der Temple Universität in Philadelphia kommt zu dem Ergebnis, dass Labormäuse mit Alzheimer-Symptomen nach regelmäßigem Konsum von Rapsöl schwächere Gedächtnisleistungen und höhere Ablagerungen im Gehirn aufweisen. Der Wissenschaftler Prof. Domenico Praticò hat die Untersuchung durchgeführt, um zu prüfen, ob Rapsöl ähnlich günstige Wirkungen zur Vorbeugung von Alzheimer aufweist wie Olivenöl. Denn schon länger ist bekannt, dass eine als „Mittelmeerdiät" bezeichnete Ernährung, in der viel Olivenöl zum Einsatz kommt, der Gesundheit dient – und wahrscheinlich auch das Alzheimer-Risiko senkt.

Schwächere Gedächtnisleistungen in der Rapsöl-Gruppe

Die jetzt im Online-Wissenschaftsjournal Scientific Reports veröffentlichte Studie hat ergeben, dass Labormäuse, die über einen Zeitraum von sechs Monaten zusätzlich zur Futterration Rapsöl erhalten hatten, geringere Gedächtnisleistungen und Lernerfolge aufwiesen als eine Vergleichsgruppe ohne diesen Zusatz. Bei einer späteren Untersuchung der Gehirnstruktur zeigte sich, dass ein bestimmtes Peptid, das vor Alzheimer schützt, in den mit Rapsöl gefütterten Mäusen in geringerer Konzentration vorhanden war. Stattdessen wies ihr Gehirn für Alzheimer typische Ablagerungen auf. In einer vergleichbaren Studie, die im Institut zuvor mit Olivenöl durchgeführt worden war, sind im Gegensatz dazu positive Wirkungen gefunden worden.

Der Wissenschaftler Praticò schließt aus dieser Studie, dass Rapsöl trotz seines hohen Gehalts an ungesättigten Fettsäuren nicht mehr grundsätzlich als gesund gelten könne. Sein Institut will weitere Studien mit dem Öl durchführen, um zu prüfen, ob es weitere Effekte in Zusammenhang mit Demenz und Gedächtnisverlust gibt. In den USA ist Rapsöl das zweitwichtigste Speiseöl direkt hinter Sojaöl und noch vor Palmöl. Olivenöl ist dagegen vergleichsweise teurer und deswegen in den USA nicht sehr stark in der menschlichen Ernährung verbreitet.

Kanadischer Rapsverband alarmiert

Der kanadische Rapsverband Canola Council of Canada ist in Alarmbereitschaft. Immerhin gehen erhebliche Teile des in kanadischen Ölmühlen gewonnenen Rapsöls in den Export in die USA. Eine umfangreiche Bewertung der Studie, die erst seit wenigen Tagen öffentlich zugänglich ist, hat der Rapsverband noch nicht vorgenommen. Er weist allerdings schon einmal darauf hin, dass die jetzigen Ergebnisse auf Versuchen mit Labormäusen und nicht auf Ernährungsstudien mit Menschen beruhen. Zudem erinnert der kanadische Rapsverband daran, dass eine Literaturrecherche, die 2013 veröffentlicht worden ist, 40 Forschungsstudien gefunden hatte, die gesundheitsfördernde Wirkungen von Rapsöl herausgefunden hatten.

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