Erntebilanz 2018

Niedersachsen fährt 25 Prozent weniger Getreide ein

In Niedersachsen wurden knapp 4,7 Mio. t Getreide gedroschen.
Foto: Uschi Dreiucker/pixelio.de
In Niedersachsen wurden knapp 4,7 Mio. t Getreide gedroschen.

Die Landwirtschaftskammer zieht Dürre-Bilanz: Der Weizenerlös sinkt um knapp 5 Prozent. Bei Raps ist das Minus doppelt so hoch.

Von einer zu einem großen Teil sehr enttäuschenden Ernte spricht heute Gerhard Schwetje, Präsident der Landwirtschaftskammer Niedersachsen. Insbesondere die Betriebe auf Sandböden verzeichneten besonders drastische Ertragseinbußen. Am besten stünden Betriebe mit Beregnungstechnik da. „Sie griffen auf Regen aus der Düse zurück, konnten aber auch dieses Jahr ein Ertragsdefizit nicht komplett verhindern“, so Schwetje.

In Zahlen sieht das folgendermaßen aus: Bei Getreide belief sich das Minus laut Kammer "im Einzelfall auf bis zu 70 Prozent". Der durchschnittliche Hektarertrag nahm um 17,6 Prozent gegenüber dem Vorjahr ab. Da auch der Anbauumfang aufgrund schwieriger Aussaatbedingungen im Herbst letzten Jahres schrumpfte, fiel die Getreideernte insgesamt um knapp ein Viertel geringer aus als 2017. Am Ende wurde ein Gesamtertrag von knapp 4,7 Millionen Tonnen Getreide gedroschen. „Eine so geringe Ernte wurde zuletzt 1976 eingefahren“, erklärt der Kammerpräsident. Die Getreidepreise hingegen legten in Niedersachsen zwischen sechs und 14 Prozent gegenüber dem Vorjahr zu. „Das kompensiert die Mindererträge bisher aber nicht“, relativiert Schwetje die Zahlen. Denn insgesamt errechnet sich im Vergleich zu 2017 ein um 4,7 Prozent geringerer Erlös je Hektar.

Rapserlös sinkt zum dritten Mal

Die Hektarerträge von Winterraps verfehlten das Fünf-Jahres-Mittel um ein knappes Viertel. Damit fiel der durchschnittliche Ertrag zum vierten Mal in Folge. Da auch der Rapspreis um etwa zwei Prozent unter Vorjahresniveau lag, ergibt sich damit ein Erlösrückgang je Hektar von zehn Prozent. „Nach einem Minus von 13 Prozent im vergangenen Jahr und von acht Prozent in 2016 ist das der dritte Rückgang in Folge“, so Schwetje.

Hackfrüchte ebenfalls unterdurchschnittlich

Bei Kartoffeln sind die Erträge gegenüber dem Vorjahr auch bei intensiver Beregnung gefallen. In Niedersachsen werden dieses Jahr knapp 4,1 Millionen Tonnen Kartoffeln geerntet. Das entspricht einem Rückgang um 25 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Die Erzeugerpreise für Speisekartoffeln haben sich gegenüber dem niedrigen Niveau von 2017 fast verdoppelt. „Da aber der überwiegende Teil der Knollen auf Vertragsbasis erzeugt wird, die Preise also vorab festgelegt werden, kommen diese besseren Preise nur zu einem kleinen Teil auf den Höfen an“, erklärte Schwetje. Da die Zuckerrübenernte noch läuft, wollte der Kammerpräsident hier noch keine abschließenden Aussagen treffen, auch weil sich die Pflanzen noch im Wachstum befinden. „Die Landwirte stellen sich auf unterdurchschnittliche Rübenerträge, allerdings mit sehr süßen Rüben ein“, lautet sein Zwischenergebnis.

Grünland mit über 30 Prozent Ausfall

Für das Grünland berichtete Schwetje von „besonders gravierenden“ Auswirkungen der Trockenheit. Vielerorts hatten die ersten beiden Aufwüchse zusammengerechnet nur den Ertrag eines normalen ersten Schnitts Mitte Mai erzielt. Auch die Herbstaufwüchse werden nach bisherigen Erkenntnissen nicht die gewohnten Ertragsleistungen bringen. Unter dem Strich erwartet er beim Grünland Ertragsausfälle von 30 bis 50 Prozent. Die Konsequenzen bekommen insbesondere die Milchbauern zu spüren. „Auch die Maisernte half nicht, die Futterlücke zu schließen“, so Schwetje. Beim Silomais rechnet er im Durchschnitt mit etwa 30 Prozent Ertragsausfall, beim Körnermais sogar mit 40 Prozent.

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