Ertragseinbußen

Landvolk fordert Soforthilfen

Hitze und Trockenheit setzen dem Mais vor allem auf den leichten Standorten zu.
Steffen Bach
Hitze und Trockenheit setzen dem Mais vor allem auf den leichten Standorten zu.

Nach einer schlechten Getreideernte fürchten die niedersächsischen Landwirte nun um die Maiserträge. Das Landvolk fordert Unterstützung von der Politik.

In einer ersten Bilanz der Getreideernte rechnet das Landvolk Niedersachsen mit einer Gesamtmenge von 4 Mio. t, das ist ein Drittel weniger als im schon unterdurchschnittlichen Vorjahr. Noch größer sind die Verluste für die Futterbaubetriebe bei der Grasernte. Auch beim Mais werden die Mengen aufgrund von Hitze und Trockenheit deutlich kleiner ausfallen als in den Vorjahren.

Flächen für die Futtererzeugung freigeben

Bei einer Pressekonferenz in Hannover forderte Landvolkpräsident Albert Schulte to Brinke von der Politik schnelle Hilfe. So sollen die kompletten EU-Direktzahlungen bis zum 1. Dezember 2018 überwiesen werden. Außerdem müssten die rund 200.000 ha, die für das Greening mit Zwischenfrüchten bebaut werden, zur Futtergewinnung freigegeben werden. Beregnungsbetrieben könnte geholfen werden, indem man ihnen die Nutzung zusätzlicher Wassermengen gestattet. Für den Ökoausschuss des Landvolkes regte Carsten Bauck als letzte Notmaßnahme an, dass Anbauerverbände und Kontrollstellen Ökohöfe mit zu wenig Raufutter für den Winter von der Verpflichtung entbinden, dieses in Ökoware zuzukaufen.

Dritter Grasschnitt fallt aus

Vor allem die Futterbaubetriebe leiden unter der seit Monaten anhaltenden Trockenheit. Der erste Grasschnitt war meist noch in Ordnung, wenn er frühzeitig eingebracht werden konnte. Beim zweiten Schnitt wurden auf späten Flächen schon sehr große Verluste verzeichnet, einen dritten Schnitt hat es bisher nicht gegeben. Die Verluste lassen sich aufgrund der großen regionalen Streuung nur schwer beziffern, so ein Berater gegenüber der agrarzeitung. Auf manchen Standorten hielten sich die Einbußen mit 10 bis 15 Prozent in Grenzen. Andere Betriebe müssen mit bis zu 60 Prozent weniger Grassilage zurechtkommen.

Großen Betrieben fehlt Grundfutter

Bei den Futterbaubetrieben würden eher die Höfe mit größeren Beständen unter der Futterknappheit leiden, denn dort sei die Flächenausstattung im Verhältnis zu der Tierzahl meist geringer. Bei der bevorstehenden Maisernte werden die Landwirte in Niedersachsen gegenüber den guten Vorjahren ebenfalls deutlich niedrigere Erträge einfahren. Durch den Wassermangel bilden sich die Kolben schlechter aus, was für die Rinderhalter doppelt bitter ist. Neben der geringeren Menge werde dadurch auch die Qualität der Ernte leiden.

Nachfrage für Kraftfutter steigt

Kompensieren könnten die Betriebe die Mindererträge durch den Zukauf von Kraftfutter, das wegen der gestiegenen Getreidepreise deutlich teuer ist als vor einem Jahr. Von einer Reduzierung der Milchleistung rät der Berater dagegen dringend ab. Erfahrungen aus der Vergangenheit zeigten, dass Kühe, die einmal in ihrer Milchmenge gedrosselt wurden, nicht wieder an das frühere Leistungsniveau herangeführt werden können, wenn wieder ausreichend Futter zur Verfügung steht. Eine deutliche Reduzierung der Milchviehbestände ist in Niedersachsen, anders als in Ostdeutschland, bisher noch kein verbreitetes Phänomen.

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