EU-China-Gipfel

„Die Handelsbeziehungen sind ein Stück weit unberechenbar“


Deutsche Qualität und Sicherheit ist in Asien gefragt, erklärt Udo Hemmerling.
Foto: DBV
Deutsche Qualität und Sicherheit ist in Asien gefragt, erklärt Udo Hemmerling.

In der kommenden Woche findet der EU-China-Gipfel statt. Udo Hemmerling, stellvertretender Generalsekretär des DBV, erklärt im Interview mit agrarzeitung.de, was China mit Donald Trump gemeinsam hat.

  

agrarzeitung:
Die EU und China wollen wirtschaftlich enger zusammenarbeiten: Welche strategische Bedeutung hat dies für den deutschen Export von Agrarerzeugnissen und Lebensmitteln – und damit für die Landwirtschaft?

Udo Hemmerling: Der Agrarhandel der EU mit China hat nach dem Embargo Russlands 2014 enorm an Bedeutung gewonnen, vor allem bei Fleischwaren, Getreideprodukten, Milchpulver und Wein. 2018 betrug der Exportüberschuss bei Agrarprodukten etwa 4 Milliarden Euro.  Deutsche und europäische Produkte sind in Asien gefragt, auch wegen ihrer Qualität und Sicherheit. China ist insgesamt eine wichtige Destination geworden, die Heimatmärkte Deutschland und Europa bleiben weiter am bedeutendsten.

In welchem Bereich halten Sie höhere Importe aus China für möglich?

Vor allem bei Obst- und Gemüsezubereitungen sehen wir im Gegenzug Importe aus China.

Wenn Sie die wichtigsten globalen Absatzmärkte für deutsche Agrarerzeugnisse in eine Rangordnung bringen müssten: Auf welchem Platz stünde China und warum?

Außerhalb Europas momentan auf dem ersten Rang. Die deutsche Agrarwirtschaft exportierte 2017 nach China und Hongkong zusammengenommen für 2,1 Milliarden Euro. Danach folgen die Schweiz und die Vereinigten Staaten.

In welchen Punkten sehen Sie Schwierigkeiten bei einer wirtschaftlichen Partnerschaft mit China?

Generell verhält sich China ähnlich wie US-Präsident Trump sehr distanziert zum Ansatz eines regelbasierten Handels, wie er Basis der Welthandelsorganisation WTO ist. Das macht die Handelsbeziehungen ein Stück weit unberechenbarer.

Haben Sie dafür ein konkretes Beispiel?

Ein erheblicher Risikofaktor ist derzeit die Afrikanische Schweinepest, kurz ASP. Bei einem Auftreten auch in Deutschland wäre der Handel mit Schweinefleisch aus Deutschland insgesamt unterbrochen, erheblicher Marktdruck die Folge. China hat bisher eine regionalisierte beziehungsweise differenzierte Sicht im Falle eines ASP-Ausbruchs abgelehnt, zum Beispiel eine Unterscheidung zwischen Wildschwein und Hausschwein. Zugleich sind die ASP-Ausbrüche in China so massiv, dass dort die Eigenerzeugung erheblich schrumpft. Chinas Schweinefleischimporte werden daher wohl weiter deutlich anwachsen.

China tritt global als Investor in die Agrar- und Ernährungswirtschaft auf, auch in Europa. Ein Beispiel wäre die Übernahme von Syngenta. Wie ist diese Entwicklung aus Sicht der Landwirtschaft zu bewerten?

Globale Firmenübernahmen dürfen den Wettbewerb und damit die Auswahlmöglichkeiten der Landwirte beim Bezug von Betriebsmitteln nicht einschränken. Das müssen die Kartellbehörden überwachen. Für besonders problematisch halte ich einen Ausverkauf kritischer Infrastrukturen. Dazu zähle ich auch den Kauf von Landwirtschaftsbetrieben durch chinesische Investoren. Das Außenwirtschaftsrecht sollte in diesem Punkt überprüft werden.

Mehr zur Annäherung der EU an China lesen Sie in der neuen Ausgabe der agrarzeitung am Freitag, den 5. April.

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