F.r.a.n.z.

Fenster für die Feldvögel


Mit seiner Frau Hilke erklärt Jochen Hartmann der niedersächsischen Agrarministerin Barbara Otte-Kinast (rechts) seine Erkenntisse.
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Mit seiner Frau Hilke erklärt Jochen Hartmann der niedersächsischen Agrarministerin Barbara Otte-Kinast (rechts) seine Erkenntisse.

Gesellschaft und Politik fordern wieder mehr Artenvielfalt in der Agrarlandschaft. Die Umweltstiftung Michael Otto und der Deutsche Bauernverband haben ein Projekt dazu ins Leben gerufen.

"Für Ressourcen, Agrarwirtschaft und Naturschutz mit Zukunft" – diese Aussage versteckt sich hinter der Abkürzung von F.R.A.N.Z. In dem Projekt werden auf zehn Demonstrationsbetrieben in Deutschland unterschiedliche Maßnahmen zur Erhöhung der Biodiversität erprobt.

Das Ziel: Artenvielfalt soll auch in intensiv bewirtschafteten Agrarräumen möglich sein. Die Maßnahmen sind sehr unterschiedlich. Auf dem Hof von Jochen Hartmann im niedersächsischen Rettmer bei Lüneburg wird beispielsweise seit zweieinhalb Jahren mit mehrjährigen Blühstreifen, blühenden Untersaaten, Extensivgetreide, Erbsenfenstern, blühendem Vorgewende, Feldvogelinseln und Oberbodenabtrag experimentiert.

Gesamte Nahrungskette profitiert

Erste Erfolge können sich sehen lassen. Davon hat sich jetzt auch Barbara Otte-Kinast (CDU), niedersächsische Ministerin für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz, überzeugt. Schmetterlinge wie der Schwalbenschwanz, natürlich Bienen, aber auch andere Insekten, verschiedene Vogelarten wie Feldlerche, Goldammer und Schafstelze haben sich auf den eingerichteten Flächen angesiedelt.

Auch eine Vielzahl von Wildkräutern ist hier wieder zu finden. So profitieren beispielsweise Bienen, Schmetterlinge und andere Bestäuber von der langen Blütezeit auf den mehrjährigen Blühstreifen. Die dichte Vegetation bietet Deckung für Insekten und andere Wildtiere. Insekten finden auch Überwinterungsplätze. Auf dem Schlag mit der blühenden Untersaat wird das Sommergetreide in doppeltem Saatreihenabstand und mit nur halber Saatstärke ausgebracht. Als Untersaat sind mindestens vier blühende Arten eingesät, zum Beispiel Klee und Leindotter. Die Untersaat bietet Nahrung für Bestäuber und führt zu einem besseren Bodengefüge und Bodenfruchtbarkeit. Auch bei der Entscheidung für Extensivgetreide fördern der lichte Getreidebestand sowie der Verzicht auf Düngemittel das Vorkommen von Ackerwildkräutern. Sie wiederum bieten Nahrung für Insekten, von denen sich Feldvögel ernähren können.

Hinweisschilder machen auf die Aktivitäten aufmerksam.
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Hinweisschilder machen auf die Aktivitäten aufmerksam.
Speziell für Feldvögel werden Erbsenfenster und Feldvogelinseln eingerichtet. Die Erbsenfenster haben eine Größe von 40 mal 40 Metern und werden im Wintergetreide oder Raps angelegt. Die Einsaat mit Erbsen erfolgt im Frühjahr. Auf Dünger und Pflanzenschutz wird auch hier verzichtet. Bis Mitte August bleibt die Fläche ungestört. Danach darf gegrubbert oder gemulcht werden. In Lüneburg sind eindeutige Erfolge vorzuweisen. Die ersten Nester von Bodenbrütern wurden gefunden. Auch Feldhasen finden Schutz vor ihren Feinden.
Unter Feldvogelinseln sind einjährige Brachen zu verstehen, die vorzugsweise an Feuchtstellen im Acker angelegt werden. Auch sie bieten Brutbedingungen.

Wissenschaftliche Begleitung

Das Projekt ist auf zehn Jahre angelegt. Begleitet wird es vom Thünen-Institut für Biodiversität, der Universität Göttingen und dem Michael-Otto-Institut im Naturschutzbund Deutschland. Populationsentwicklung der Tier- und Pflanzenarten ebenso wie Auswirkungen auf die Bestäubung und die bodenbiologischen Aktivitäten werden untersucht.

Jochen Hartmann wird bei seinen Entscheidungen im Betrieb bezüglich der Artenvielfalt von der Stiftung Kulturlandpflege in Niedersachsen betreut. Die zehn angeschlossenen Betriebe in dem Projekt stammen aus unterschiedlichen Regionen mit verschiedenen Wirtschaftszweigen. Mittel- und langfristig sollen die Naturschutzmaßnahmen auch auf andere Betriebe übertragen werden können. Das bestehende Förder- und Ordnungsrecht soll optimiert werden, damit Landwirte Naturschutzmaßnahmen umsetzen können. Die aktuellen Landwirte in dem Projekt werden für ihre Arbeit, Kosten und Ertragsausfälle honoriert.

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