Familie Tönnies

Streit flammt wieder auf


Der Streit um Deutschlands größten Schlachtbetrieb eskaliert. In der Tönnies-Verwaltungszentrale am Stammsitz in Rheda-Wiedenbrück bleiben die Zeiten unruhig.
Jörg Schiffeler, jus
Der Streit um Deutschlands größten Schlachtbetrieb eskaliert. In der Tönnies-Verwaltungszentrale am Stammsitz in Rheda-Wiedenbrück bleiben die Zeiten unruhig.

Die Scharmützel im Tönnies-Clan gehen in eine neue Runde: Robert Tönnies betitelt seinen Onkel Clemens Tönnies im Zuge der Expansionspläne in China als größenwahnsinnig.

Der Familienstreit im Tönnies-Konzern geht in eine weitere Runde. Erst im Sommer diesen Jahres sorgte die Übernahme von zwei Werken des Schweizer Fleischverarbeiters Bell durch die Tönnies-Gruppe für Zoff unter Deutschlands größten Schlachtern. Robert Tönnies hielt die Akquise durch Konzernchef Clemens Tönnies für gewagt und stellte sie aus wirtschaftlichen Gründen in Frage.

Jetzt führten die Wachstumspläne des ostwestfälischen Unternehmens in China zu einer neuen Eskalationsstufe. Der 41-jährige Neffe Robert äußerte gegenüber dem Wirtschaftsblatt „Manager Magazin“ den Verdacht, sein Onkel könnte an Größenwahn erkrankt sein. Außerdem fühlt sich der Erbe von Bernd Tönnies - dem Bruder von Konzernchef Clemens Tönnies - nicht informiert. Das vereinbarte Joint Venture zwischen der Tönnies-Holding und der chinesischen Dekon Group wurde von Holding-Geschäftsführer Andres Ruff unterzeichnet. Ruff war von Robert Tönnies als Vertreter seines Familienzweigs in die Holding-Geschäftsführung berufen worden. In diesem Gremium vertritt Clemens Tönnies gleichberechtigt seinen Familienzweig. Im Frühjahr hatte Robert seinem Vertreter in der Geschäftsführung das Vertrauen entzogen. Doch der Konzern-Beirat folgte ihm nicht. So kam es auch nicht zu einer Abberufung von Manager Ruff.

Dass Robert Tönnies keine Kenntnisse über die Expansionspläne haben soll, verwundert Branchenkenner. Laut Satzung müssen Themen wie Investitionen und Strategie im Beirat des ostwestfälischen Familienkonzerns beraten werden.

Der Beirat

Der im Herbst 2017 geschaffene Beirat berät die Holding-Geschäftsführung in zentralen Unternehmensfragen und entscheidet bei möglichen Pattsituationen im Geschäftsführungs- oder Gesellschafterkreis. Dem Gremium gehören an: Dr. Reinhold Festge (Vorsitzender), Dr. Helmut Limberg, Prof. Dr. Siegfried Russwurm, Clemens Tönnies, Robert Tönnies, Daniel Nottbrock sowie Jens-Uwe Göke.
Themen:
Tönnies China

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