An die Politik haben Fleisch- und Fleischwarenindustrie klare Appelle: Es braucht mehr Unterstützung bei der Öffnung von Exportmärkten, das staatliche Tierwohl-Label geht nicht ohne die ITW und die Kennzeichnung der Haltungsform muss freiwillig bleiben.

Diese eindeutigen Botschaften versenden der Verband der Fleischwirtschaft (VDF) und der Bundesverband der Fleischwarenindustrie (BVDF) im Vorfeld ihrer Jahrestagung in München. Der Blick auf die Wirtschaftsdaten der beiden Branchen fällt gemischt aus. Vor dem Hintergrund, dass die Schlachtunternehmen mit der sinkenden Nachfrage nach Schweinefleisch in Deutschland und der gesamten EU kämpfen, gewinnt der Export rasant an Bedeutung.

Die Auslandsgeschäfte wachsen trotz der Delle in China im letzten Jahr erfreulich. Dennoch: Um sich am Weltmarkt breiter aufzustellen - und damit weniger abhängig von einzelnen Märkten zu sein - wollen die Lieferanten von Schweinefleisch noch weitere Märkte erschließen. Nicht zu unterschätzen im internationalen Handel ist den Verbänden zufolge nämlich die Konkurrenz aus Nord- und Südamerika. Außerdem trage der Export wesentlich zur ganzheitlichen Vermarktung eines Schlachttiers bei - ganz im Sinn der Nachhaltigkeit.

Die Vermarkter von Rindfleisch kamen im vergangenen Jahr besser über die Runden. Insbesondere die hochwertigen Qualitäten erfahren eine regelrechte Renaissance; die Erzeugung von Ochsen und Färsen legte zu. Aufgrund fehlender Veterinärzertifikate sei der Drittlandshandel derzeit im Wesentlichen auf Europa (insbesondere Norwegen und Schweiz) beschränkt. Damit lägen die Chancen auf anderen Märkten für die deutschen Exporteure brach, bedauern VDF und BVDF.

Die Fleischwarenindustrie hat ein schweres Jahr hinter sich. Der hohe Schweinepreis hat die Hersteller von Fleischwaren und Wurst wirtschaftlich stark gefordert, weil sie den Verbänden zufolge oft nicht in der Lage waren, die Teuerung an die Handelsstufe weiterzugeben. Da blieb eine ganze Reihe von Traditionsbetrieben auf der Strecke. Die Branche blickt auch mit Sorgenfalten in die Zukunft, stecken die Verarbeiter doch in einer unbequemen Sandwichposition: Sie agieren zwischen der zunehmend konzentrierten Schlachtstufe auf der einen Seite sowie den großen Handelsketten auf der anderen, die als Abnehmer und durch die zugehörigen Fleischwerke gleichzeitig als Mitbewerber fungieren.

Als besondere Herausforderung betrachten beide Branchenverbände die wachsende gesellschaftliche Diskussion um die Nutztierhaltung und mehr Tierwohl. Die Initiative Tierwohl (ITW) habe eine gute Basis zur Verbesserung der Situation in den Schweineställen gelegt. Beim Aufbau des freiwilligen staatlichen Siegels sei diese unbedingt als Einstiegsstufe in das neue System zu überführen, fordern VDF und BVDF.

Mit einer Pflicht zur Kennzeichnung der Haltungsform können sich die Verbände nicht so recht anfreunden. Einerseits seien die Haltungsformen von Rind und Schwein wesentlich komplexer und damit nicht nach dem vereinfachten System der Eierkennzeichnung abzubilden. Andererseits sei der logistische Aufwand für die Unternehmen der Fleischwirtschaft kaum zu stemmen. Einzelne Unternehmen wiesen bereits erhöhte Tierwohlstandards auf den Produkten aus. Das sehen die Branchenverbände als gangbaren Weg. Bei einer allgemeinen Pflicht stelle sich zudem die Frage, ob diese überhaupt mit dem Europarecht zu vereinbaren ist.

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