Andres Ruff (Mitte), Geschäftsführer der Tönnies-Holding, und Vertreter der Dekon Group unterzeichnen die Absichtserklärung. Die Grundsteinlegung des Produktionsstandorts ist für 2020 vorgesehen.
Foto: Tönnies
Andres Ruff (Mitte), Geschäftsführer der Tönnies-Holding, und Vertreter der Dekon Group unterzeichnen die Absichtserklärung. Die Grundsteinlegung des Produktionsstandorts ist für 2020 vorgesehen.

Die Scharmützel im Tönnies-Clan gehen in eine neue Runde: Robert Tönnies betitelt seinen Onkel Clemens Tönnies im Zuge der Wachstumspläne in der Volksrepublik als größenwahnsinnig.

Die Unternehmensgruppe Tönnies setzt ihre Strategie der Internationalisierung fort und startet den ersten Produktionsstandort außerhalb Europas. Gemeinsam mit der Dekon Group, einer Tochter der West Hope Group, unterzeichnete Tönnies nun eine Absichtserklärung über ein Joint Venture eines Schlacht- und Zerlegezentrums für zunächst zwei Mio. Schweine in der Region Sichuan. Dies wird im zweiten Schritt auf sechs Mio. Schweine ausgeweitet.

Die Gesamtinvestitionssumme beläuft sich auf rund 500 Mio. Euro, davon entfallen rund 150 Mio. Euro auf das Schlacht- und Zerlegezentrum. "In Sichuan wird der erste Betrieb nach europäischem Standard für Schweinefleischprodukte gebaut. Von der Zucht über die Schlachtung bis zur Verarbeitung werden wir eine vollständige Integration in die Lebensmittelgewinnung erreichen", kündigte Wang Degen, CEO der Dekon Group, nach der Vertragsunterzeichnung an.

"Die Nachfrage nach Schweinefleisch in China und vielen weiteren asiatischen Ländern ist groß und wird in den kommenden Jahrzehnten weiter wachsen", sagte Clemens Tönnies, geschäftsführender Gesellschafter der Tönnies-Holding. Dennoch bleibe Deutschland der Kernmarkt des Konzerns. Allerdings rechnet das Unternehmen im Heimatland nur noch mit einem begrenzten Wachstum. Deshalb gelte es, den Konzern sicher aufzustellen, betont Tönnies-Pressesprecher Dr. André Vielstädte im Gespräch mit der afz. "Dieses Joint Venture ist der nächste Schritt unserer Internationalisierung. Damit bringen wir das Know-How über die Lebensmittelproduktion nach deutschem Standard in die Welt und stärken die Qualität und Sicherheit der Versorgung in China", unterstreicht Clemens Tönnies.
Die internationalen Aktivitäten
Von der Tönnies-Zentrale in Rheda-Wiedenbrück werden insgesamt 16 Auslandsbüros gesteuert. Weltweit unterhalten die Ostwestfalen insgesamt zehn Produktionsstandorte:
  • Dänemark: Brørup, Thisted
  • Frankreich: Vire
  • Großbritannien:Coventry, Malton, Suffolk
  • Polen: Morgi, Slubice, Slawa
  • Spanien: Aragon
Die Sparte International entwickelt in neuen Märkten Vorstufen der Erzeugung wie beispielsweise den Aufbau von Mastbetrieben. Ziel ist es, zukünftig vor Ort in vielversprechenden Exportmärkten eine Basis für die Produktion zu schaffen. Joint Ventures bestehen in der Russischen Föderation sowie im Nachbarland Frankreich mit der Groupe Avril.

Bereits im Jahr 2005 hat Tönnies im dänischen Brørup mit der Schlachtung von Schweinen begonnen. 2016 erfolgte die Integration des dänischen Schweineschlacht- und Zerlegebetriebs Tican in die Unternehmensgruppe. 2018 folgte der Erwerb der Riverway Foods sowie 2019 des Schlacht- und Zerlegebetriebs C&K Meats in Großbritannien.

Die Wachstumspläne des ostwestfälischen Unternehmens in China führten kurz nach Bekanntwerden zu einer neuen Eskalationsstufe. Der 41-jährige Neffe Robert äußerte gegenüber dem Wirtschaftsblatt "Manager Magazin" den Verdacht, sein Onkel könnte an Größenwahn erkrankt sein. Außerdem fühlt sich der Erbe von Bernd Tönnies – dem Bruder von Konzernchef Clemens Tönnies – nicht informiert.

Das vereinbarte Joint Venture wurde von Holding-Geschäftsführer Andres Ruff unterzeichnet. Ruff war von Robert Tönnies als Vertreter seines Familienzweigs in die Holding-Geschäftsführung berufen worden. In diesem Gremium vertritt Clemens Tönnies gleichberechtigt seinen Familienzweig. Im Frühjahr hatte Robert seinem Vertreter in der Geschäftsführung das Vertrauen entzogen. Doch der Konzern-Beirat folgte ihm nicht. So kam es auch nicht zu einer Abberufung von Manager Ruff.

Dass Robert Tönnies keine Kenntnisse über die Expansionspläne haben soll, verwundert Branchenkenner. Laut Satzung müssen Themen wie Investitionen und Strategie im Beirat des Familienunternehmens beraten werden. Der Ausbau der Aktivitäten jenseits der Grenzen gehört für Deutschlands größten Fleischkonzern in seiner 48-jährigen Geschichte zur Normalität. 2005 brachte Tönnies erstmals im dänischen Brørup Schweine an die Haken. Das Produktionsnetzwerk zählt hierzulande 19 Standorte sowie zehn im Ausland. Mit rund 16.500 Mitarbeitern erwirtschaftete die Unternehmensgruppe 2018 einen Jahresumsatz von 6,65 Mrd. Euro.

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