Interview mit Michael Wagner (BASF)

"Der Schlüssel liegt in der Kombination"

Michael Wagner ist der Geschäftsführer der BASF Agricultural Solutions.
Foto: BASF
Michael Wagner ist der Geschäftsführer der BASF Agricultural Solutions.

Auf Innovationen in allen Bereichen setzt die BASF in Deutschland. Neben klassischen Entwicklungen im Pflanzenschutz werden Saatgut und digitale Tools neue Impulse bringen.

agrarzeitung.de: Großbritannien war eine Ihrer wichtigsten Stationen – wie beurteilen Sie den Brexit?

Wagner: In Deutschland wird das Gefühl der Engländer zum Brexit missverstanden. Viele denken, das war so nicht gewollt, dabei haben etwa 60 Prozent der Landwirte für den Brexit gestimmt, wohl wissend, dass sie sehr wahrscheinlich ihre Subventionen verlieren und die Wirtschaftlichkeit der Betriebe stark in Mitleidenschaft gezogen wird.

In der Mentalität der Engländer sind die Eigenständigkeit und eine individualistische Kultur tief verwurzelt. Das Gefühl, dass in Europa Entscheidungen getroffen werden, die man in England so nicht getroffen hätte, ist für viele unangenehm und untragbar. Das Gefühl, nicht die Kontrolle zu haben, überwiegt dabei die wirtschaftlichen Überlegungen.

Ist die Branche gut auf einen harten Brexit vorbereitet?

Im englischen Handel hat man sich sehr intensiv darauf vorbereitet. Im Moment geht es darum, wie die Gesetzgebung nach dem Brexit gestaltet werden kann. Die Regierung will auch das Subventionsmodell neu definieren. Damit stellen sich die gleichen Fragen wie in Deutschland: Wie geht es mit den Direktzahlungen weiter sowie der Förderung von Biodiversität und Umweltprogrammen. Denn auch in Großbritannien stellt die Gesellschaft Anforderungen an Umwelt-, Natur- und Klimaschutz, nur die Art und Weise, wie Diskussionen geführt werden, ist mehr wissenschaftsorientiert und kooperativer.

Bodenständiger Marktkenner
Michael Wagner ist seit September neuer Geschäftsführer Agricultural Solutions und verantwortlich für das Gebiet EMEA North bei der BASF SE in Limburgerhof. Im Pflanzenschutz kennt sich der gelernte Landwirt aus. Der Agraringenieur ist seit 1992 bei der BASF tätig. Den Anfang machten zwar Spezialdüngemittel bei Compo. Aber dann folgten verschiedenste Stationen in vielen Ländern Europas im Segment Pflanzenschutz. Zuletzt war er Business Director Agricultural Solutions in Großbritannien. AW

Politisch geht es in Deutschland und Europa in Richtung weniger Pflanzenschutz. Was wollen Sie dagegensetzen?

Für uns gilt es, die richtige Balance zu finden zwischen der wachsenden Nachfrage nach gesunden Lebensmitteln und umweltrelevanten Herausforderungen wie Klimaschutz, Biodiversität oder Ressourcenschutz. Dabei setzen wir klar auf Innovationen für die moderne Landwirtschaft im weitesten Sinne. Dabei geht es nicht nur um Produktinnovationen, sondern auch um andere Aspekte wie etwa digitale Tools, Saatgut, Züchtungstechnologien, Nachhaltigkeit et cetera. Der Schlüssel liegt in der Kombination. Man muss das Gesamtsystem sehen und sich darin positionieren.

Haben Sie ein konkretes Beispiel für etwas jenseits eines Pflanzenschutzprodukts?

In Dänemark werden auch sehr hohe Anforderungen von der Politik an die Agrarbranche gestellt. Deshalb haben wir dort angefangen, ein sogenanntes ‚Closed-transfer-System‘ zu testen. Also ein geschlossenes System zur sicheren Entnahme von Pflanzenschutzmitteln, bei dem der Landwirt keine Berührung mehr mit dem Produkt hat. Das System lässt sich im geschlossenen Zustand komplett reinigen und kann auch mit den derzeitig gängigen Kanistern verwendet werden. Das ist eine Innovation um das Kernprodukt herum, die die Anwendung von Pflanzenschutzmitteln sicherer und damit nachhaltiger macht. Wir haben das System geöffnet und auch Wettbewerber eingebunden. Mit vier Partnern, die auch in Deutschland aktiv sind, bereiten wir die breite Einführung in den Markt für das Jahr 2020/21 vor.

Was hat die BASF für hiesige Landwirte in der Pipeline?

Da ist das Fungizid Revysol, das nächstes Jahr in Getreide in Deutschland eingeführt und weltweit in vielen Kulturen weiterentwickelt wird...

Dies ist die gekürzte Version eines Artikels aus der Agrarzeitung 39/2019, Seite 7. Wenn Sie den gesamten Text lesen möchten, können Sie ein vierwöchiges kostenloses Probeabo für die Agrarzeitung und agrarzeitung.de abschließen. Abonnenten finden den kompletten Artikel hier: Jetzt im E-Paper lesen 

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