Frei lesbar: Personalpolitik

Schleudersitz und Ringelreihen

Spitzenleute: Joachim Rabe, Maria-Johanna Schaecher und Ludwig Müller.
Bild: RWZ, Privat, HaGe
Spitzenleute: Joachim Rabe, Maria-Johanna Schaecher und Ludwig Müller.

Rasche Personalwechsel an Unternehmensspitzen sind Indikator dafür, dass ein Wirtschaftszweig unter Druck steht. Dementsprechend schnell dreht sich das Personalkarussell im Agrarhandel.

Erst diesen Donnerstag verkündete die Hauptgenossenschaft (HaGe) Nord AG in Kiel den Umbau der Spitze beim Tochterunternehmen Roth Agrarhandel. Der Groß- und Außenhandelskaufmann Daniel Reiser (37), seit 2014 im Konzern, übernimmt einen von zwei Geschäftsführerposten bei Roth in Kirchhain, zusätzlich zu seiner Funktion als Regionalleiter Süd bei der HaGe-Pflanzenschutzsparte BSL. Reiser sagt, seine Motivation sei, "das Know-how der Roth-Kolleginnen und -Kollegen mit meinen Vorstellungen von einem modernen und schlanken Handel zu kombinieren". Reiser folgt auf Ludwig Müller (52), der seit elf Jahren Geschäftsführer bei Roth war. Erst Ende Juni hatte Ex-HaGe-Vorstand Markus Grimm nach 20 Jahren im Konzern und sieben Jahren an der Unternehmensspitze überraschend seinen Hut genommen. Grimm gehe auf eigenen Wunsch, hieß es. Doch daran gibt es Zweifel: Der Mehrheitseigner, der dänische DLG-Konzern, sei ungeduldig geworden und hatte schneller mehr Ergebnis erwartet, hieß es im Sommer aus Branchenkreisen.

Auch genossenschaftlicher Handel bleibt nicht verschont

An den Spitzen der Genossenschaften ist in diesem Jahr ebenfalls ein fleißiges Stühlerücken zu beobachten. So teilte der Aufsichtsrat der RWZ Köln erst Mitte vergangener Woche mit, dass Joachim Rabe aus persönlichen Gründen um seine vorzeitige Abberufung gebeten habe. Rabe kam im Juli 2017 als Finanzvorstand zur RWZ. Der Abtritt des CFO trifft die Kölner Hauptgenossenschaft mitten im Optimierungsprogramm "PRIO", das die Profitabilität des Unternehmens steigern soll. Der heutige Vorstandsvorsitzende Christoph Kempkes hatte den Prozess initiiert. Kempkes folgte im Juli 2016 auf den langjährigen RWZ-CEO Josef Hilgers, der im März 2016 seinen Hut genommen hatte.

Personalien: Die neuen Gesichter der Agrarwirtschaft



Doch vor allem bei der Agravis Raiffeisen AG in Münster und Hannover ging es zuletzt heiß her: Im Februar schied Andreas Rickmers als Vorstandschef aus, nach nur zwei Jahren im Amt. Auf ihn folgte Dr. Dirk Köckler, der zuvor ein Dreivierteljahr Vorsitzender der Geschäftsführung der Raiffeisen Waren GmbH in Kassel war. Pikant war vor allem die schnelle Abfolge der Ereignisse: Nur wenige Tage nachdem Köcklers Abtritt bei den Kasselern bekannt wurde, verkündete die Agravis die Personalie Rickmers.

Rickmers, der zuvor gut 25 Jahre bei der deutschen Tochter des US-Konzerns Cargill beschäftigt war, ist Branchenkreisen zufolge vor allem an der Kommunikation mit den Agravis-Genossen gescheitert: Dem Landwirtschaftsmeister habe es an Fingerspitzengefühl gefehlt, um Veränderungsschritte zu vermitteln, hieß es. Der heutige Agravis-Vorstandschef Köckler dagegen habe den Großteil seines Berufslebens im Genossenschaftswesen zugebracht, kenne daher die Befindlichkeiten und werde sie von "nötigen Expansions- und Konsolidierungsschritten" überzeugen.

Quereinsteiger drängen in die Branche

Nur zwei Monate nach dem Abtritt von Rickmers verabschiedete sich Maria-Johanna Schaecher nach gut einem Jahr aus dem Agravis-Vorstand, wo sie unter anderem für das Agrarhandelsgeschäft zuständig war. Der Diplomkauffrau und -psychologin fehlt zwar der in Genossenschaften gefragte ‚Stallgeruch‘. Dennoch macht Schaecher weiter in der Agrarwirtschaft Karriere: Seit Mitte September leitet die 54-Jährige die Deutsche Tiernahrung Cremer (DTC) in Düsseldorf. Schaecher folgt damit auf Ernst Friedlaender, der DTC Ende August verlassen hatte.

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