Frei lesbar: Rübenanbau

Südzucker wagt weniger Weltmarkt

In Offenau hat die Rübenkampagne 2019/2020 begonnen.
Bild: Südzucker
In Offenau hat die Rübenkampagne 2019/2020 begonnen.

Südzucker stabilisiert seine Bilanz mit Diversifizierung. Finanzvorstand Thomas Kölbl schwört die Rübenbauern auf weitere Einsparungen im Stammgeschäft Zucker ein.

Die langjährige Diversifizierungsstrategie von Südzucker zahlt sich in schlechten Zuckerjahren aus. So haben die Segmente Spezialitäten, Cropenergies und Frucht, in denen beispielsweise Fruchtsaftkonzentrate, Stärke oder auch Tiefkühlpizzen hergestellt werden, das Zuckergeschäft 2018/19 mit 28 Zuckerfabriken und zwei Raffinationen übertroffen. Kölbl erwartet, dass allein das Segment Spezialitäten in 2019/20 den Zuckerumsatz übertreffen wird. Die Südzucker-Tochtergesellschaft CropEnergies ist in Europa Marktführer bei Bioethanol mit einem Anteil von 17 Prozent. Kölbl rechnet mit einem steigenden Ethanolabsatz. Grundlage ist die Anschlussregelung der europäischen Richtlinie RED, die bis 2030 den Absatz sichert. So soll E 10 in den kommenden Jahren in Österreich und in den Niederlanden eingeführt werden.

Auf der Mitgliederversammlung des Wetterauer Rübenanbauverbandes kündigte Südzucker-Finanzvorstand Thomas Kölbl bis mindestens 2020/21 weiter schwierige Jahre für das Zuckergeschäft des Unternehmens an, das zu 58 Prozent im Besitz der Rübenbauern ist. Seit Monaten schwächelt der Zuckerpreis in der EU bei 320 €/t. "Zu diesen Preisen kann niemand kostendeckend produzieren", sagt Kölbl.
In guter Gesellschaft
Auch andere Wettbewerber von Südzucker haben sich wegen des Preisverfalls auf dem Weltmarkt zur Restrukturierung entschlossen. Cristal Union plant zwei Werke zu schließen, Nordzucker will ein Drittel der Belegschaft in der Zentrale in Braunschweig abbauen und in Schweden eine Fabrik schließen. Eridiana wird ein Werk in der laufenden Kampagne nicht in Betrieb nehmen. Auch bei Tereos in Frankreich sei der Druck groß bei der Refinanzierung.

Zucker zu billig verkauft

Eine Einschätzung über die Entwicklung des Zuckerweltmarktpreises in den kommenden Monaten hält er für unseriös. Kein Verständnis auf der Mitgliederversammlung in Wölfersheim gab es dafür, dass Südzucker Zucker für 260 €/t verkauft hat. Keine Verwerfungen auf dem EU-Zuckermarkt hingegen sieht Kölbl für die jetzt gestartete Kampagne 2019. Die Anbauflächen in Deutschland und Europa sind zurückgegangen, die Ernte dürfte 2019 auf Niveau des Vorjahres, welches von einer starken Trockenheit geprägt war, liegen.

Kölbl stellt für die Kontraktabschlüsse ab Oktober 2019 ein höheres Preisniveau für Zucker und damit für Rüben in Aussicht. Mit 27,60 €/t in 2018/19 waren die Rübenanbauer nicht zufrieden. Südzucker hat ein Restrukturierungsprogramm vorgelegt, das ab 2020 Werksschließungen in Warburg und Brottewitz vorsieht und die Zuckerproduktion um insgesamt 700 000 t reduziert. "Damit werden wir künftig keine Mengen mehr am Weltmarkt exportieren."

Dies ist die gekürzte Version eines Artikels aus der Agrarzeitung 38/2019, Seite 5. Wenn Sie den gesamten Text lesen möchten, können Sie ein vierwöchiges kostenloses Probeabo für die Agrarzeitung und agrarzeitung.de abschließen. Abonnenten finden den kompletten Artikel in unserem e-paper. 

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