Trotz langer Gesichter wegen hoher Rohstoffpreise: Die Betriebe erzeugten 2018 mehr Fleischwaren
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Trotz langer Gesichter wegen hoher Rohstoffpreise: Die Betriebe erzeugten 2018 mehr Fleischwaren

Für die Unternehmen der deutschen Fleischwirtschaft bleibt das wirtschaftliche Umfeld weiter fordernd. Das unterstreichen die beiden Bundesverbände VDF und BVDF anlässlich ihrer gemeinsamen Tagung vergangene Woche in Berlin.

Auch wenn der Schweinepreis Mitte dieser Woche laut Vereinigung der Erzeugergemeinschaften für Vieh und Fleisch (VEZG) stabil geblieben ist, hat er doch in den vergangenen vier Monaten eine Ralley absolviert. Er ist von 1,36 Euro/kg auf 1,80 Euro/kg gestiegen. Des einen Freud’, des anderen Leid: Während die Schlachtunternehmen und die Bauern von höheren Preisen profitieren, bezeichnet der Bundesverband der Deutschen Fleischwarenindustrie (BVDF) die Marktbedingungen für seine Unternehmen als „bedrohlich“, zumal die Preissteigerung für Verarbeitungsteilstücke nach einer über Monate stabilen Marktsituation sogar über denen für die Schweine liegt. Mit einer Entspannung der Marktlage sei zunächst nicht zu rechnen, so der BVDF.

Eine ähnliche Situation habe bereits vor zwei Jahren in der von mittelständischen Familienunternehmen geprägten Branche zu Insolvenzen und Übernahmen geführt. Die Wursthersteller dürften daher die Jahrestagung mit dem Verband der Fleischwirtschaft (VDF) dazu nutzen, um über ihre Situation zu informieren, vermutet die Lebensmittelzeitung.

Vor allem das gute Exportgeschäft in Richtung China lässt die Preise steigen. Kein Wunder also, dass die Fleischwirtschaft die Erschließung neuer Exportmärkte als für die Absatzsicherung „von existenzieller Bedeutung“ bezeichnet. Mit gut 4 Mio. t exportierte die deutsche Fleischwirtschaft 2018 trotz Mengenrückgangs (minus 3,1 Prozent) weiterhin auf hohem Niveau. Von der Exportmenge entfielen allerdings nur 13,7 Prozent auf Fleischwaren. 2018 wurden 151.476 t Wurstwaren von Deutschland in den europäischen Markt geliefert.

Kontinuierlich schrumpfende Nachfrage in Deutschland

„Für die Unternehmen der deutschen Fleischwirtschaft ist seit der letzten Jahrestagung erneut ein Jahr mit vielen Herausforderungen vergangen“, teilen VDF und BVDF mit. Unverändert kennzeichnend sei die kontinuierlich schrumpfende Nachfrage für Schweinefleisch in Deutschland und allgemein in der EU. Die gesellschaftlichen Veränderungen haben demnach Einfluss auf das Einkaufs- und Ernährungsverhalten der Verbraucher. Dennoch sei das Ernährungsverhalten insgesamt stabil und verändere sich nur langsam. Wesentliche Auswirkungen gingen weiterhin von der demografischen Entwicklung mit einem wachsenden Anteil älterer Menschen aus, deren Nahrungsmittelkonsum insgesamt geringer sei, als der von jungen Menschen.

In Deutschland haben die privaten Haushalte auch im Jahr 2018 wieder weniger Fleisch und Fleischwaren eingekauft als im Jahr zuvor. Dieser Trend hat sich nach Informationen der AMI auch im ersten Quartal des laufenden Jahres fortgesetzt. So sank die Einkaufsmenge von Januar bis März 2019 von Fleisch und Fleischwaren um insgesamt 4,2 Prozent. Während der Rückgang bei Rind (minus 4,9 Prozent) und Schwein (minus 4 Prozent) besonders deutlich ausfiel, ging das Volumen bei Fleischerzeugnissen um 2,6 Prozent zurück.

Zuhause wird weniger gegessen

Dem Rückgang der privaten Einkäufe steht eine deutliche Steigerung des Außer-Haus-Verzehrs gegenüber, ebenfalls eine Folge gesellschaftlicher Veränderung. „Essen findet statt zuhause immer häufiger in Kantinen, Restaurants oder auf der Straße statt“, so VDF und BVDF. So ist der Fleischverzehr insgesamt in Deutschland im Jahr 2018 gegenüber dem Vorjahr um 0,2 kg auf 60,2 kg pro Kopf gestiegen.

Die Fleischerzeugung ging in Deutschland gegenüber dem Jahr 2017 um 126.000 t auf 8 Mio. t zurück. Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes konnte die Produktion von Wurstwaren durch die Unternehmen der Fleischwarenindustrie, wie in den Jahren zuvor, von 1,53 Mio.t auf 1,55 Mio. t leicht zulegen.

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