Forscher entwickeln gemeinsam mit der Mischfutterindustrie ein Fütterungskonzept für Schweine. „6-R-Konzept“ soll vor Salmonellen schützen und Soja ersetzen.

Auf der Basis von Roggen und Raps wird ein neues Schweinefutter entwickelt. Hier kommt der aktuelle Stand der Dinge:

Sind Raps und Roggen in der Lage, die Eiweißkomponente Soja in der neuen Futtermischung komplett zu ersetzen?

Es wird nicht die eine Futtermischung geben, so die Projektbeteiligten. Ziel des Forschungsprojekts ist es, die richtige Futtermischung in Abhängigkeit zu Alter und Bedarfssituation des Schweins zu ermitteln. In einer bereits laufenden Feldstudie konnte gezeigt werden, dass es möglich ist, Soja um mehr als sechzig Prozent durch eine Kombination mit Raps zu ersetzen. Generell ist es anhand von Forschungsergebnissen möglich, das Protein aus Raps mit einzelnen Aminosäuren anzureichern, um den Bedarf von Tieren zu erfüllen. Dadurch ist sogar eine hundertprozentige Substitution theoretisch möglich.

Inwiefern können Glukosinolate im Rapsextraktionsschrot ein Problem im neuen Fütterungskonzept werden?

In Deutschland werden vorwiegend 0-0-Raps-Sorten angebaut. Fütterungsversuche mit Broilern zeigten keine Veränderungen an den Schilddrüsen der Tiere, sodass im Hinblick auf Glucosinolate keine Zweifel an der Verträglichkeit heimischer Rapsqualitäten besteht. Eine Beprobung der Rohware auf Erucasäure- und Glucosinolatgehalte gibt die notwendige Sicherheit im Prozess.

Gibt es Ergebnisse, die bestätigen, dass erhöhte Buttersäurewerte, die durch die Roggenfütterung entstehen, vor Salmonellen schützen?

Wichtig zu beachten ist, dass Buttersäure Salmonellen nicht abtötet, so die Forscher. Es liegen aber Versuchsansätze vor, aus denen die Wirkung eines erhöhten Buttersäurespiegels auf Salmonellen auf drei verschiedene Weisen abgeleitet werden kann. Zum einen fungiert der steigende Buttersäurewert im Darminhalt als eine Art Signal für Salmonellen, das dazu führt, dass diese ihren Stoffwechsel ändern. Als Folge sinken der Grad der Haftung und die Invasionsfähigkeit der Bakterien. Zum anderen fördert Buttersäure die Produktion von Proteinen, die gegen pathogene Keime gerichtet sind. Diese sind allerdings nicht mit Antikörpern gleichzusetzen, sondern eine weitere Gruppe von schützenden Substanzen. Drittens ist belegt, dass die Durchlässigkeit der Darmwand sinkt, Salmonellen gelangen also weniger leicht vom Darm in den Körper des betroffenen Tieres.

Wann ist die neue Futtermischung auf dem Markt erhältlich?

Das Forschungsprojekt „6-R-Konzept“ ist auf die Dauer von drei Jahren angelegt. Zu den Meilensteinen des ersten Jahres gehört es bereits, Futtermischungen aus den Forschungsergebnissen abzuleiten, so die Projektbeteiligten.
Darüber hinaus wurden im Rahmen einer vorab durchgeführten Feldstudie in Niedersachsen und Nordrhein-Westfalen bereits erste Mischungen entwickelt. In diesem Zusammenhang wurde bereits die Mastleistung von rund 45.000 Tieren, darunter 28.000 Eber, untersucht, deren Futter nach dem Verständnis des 6-R-Ansatzes entwickelt worden war. Diese zeigten gute Ergebnisse.

6-R-Konzept
Das Fütterungsprojekt "6-R-Konzept" wurde in dieser Woche in Berlin vorgestellt. Die Abkürzung steht für den gewöhnungsbedürftigen Titel "Regionale Renaissance von Roggen und Raps zur Reduktion von Problemen in Pflanzenbau und Tierproduktion durch Reevaluation der Inhaltsstoffe und deren gezielte Nutzung zur Förderung des Umwelt-, Tier- und Verbraucherschutzes". Projektbeteiligte sind der Deutsche Raiffeisenverband, die Stiftung Tierärztliche Hochschule Hannover, Freie Universität Berlin, Universität Bonn, KWS Lochow GmbH, Raiffeisen Kraftfutterwerk Mittelweser Heide GmbH, Viehvermarktung Walsrode eG und die BLE Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung. Gefördert wird das Projekt vom Bundeslandwirtschaftsministerium.

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