Genossen-Deal

„Win-win“ für RWZ und Baywa


Ein Joint-Venture zwischen den Hauptgenossenschaften in Köln und München endet. Die RWZ will alleine weiter machen. Der Grund: Für die Rheinländer handelt es sich um ein Wachstumsfeld, für die Bayern um eine Randaktivität.

Eine Win-win-Situation liegt klassischer Weise dann vor, wenn alle beteiligten Parteien von einem Plan profitieren. Das scheint der Fall zu sein bei der aktuell beabsichtigten Transaktion aus dem Universum der Hauptgenossenschaften: Die Raiffeisen Waren-Zentrale Rhein-Main (RWZ) in Köln will über ihre Kartoffelhandelstochter Wilhelm Weuthen GmbH in Waldniel die Geschäftsanteile an der Kartoffel-Centrum Bayern GmbH (KCB) in Rain am Lech von der Baywa AG übernehmen. Die KCB ist derzeit ein Gemeinschaftsunternehmen beider Genossenschaften. RWZ und Baywa hätten die Übertragung der Anteile bereits beschlossen, die Zustimmung des Bundeskartellamtes steht noch aus, teilte die RWZ am Freitag mit.

CEOs sehen langfristige Perspektive für die Landwirte

„Diese Investition stärkt unser strategisches Geschäftsfeld ‚Kartoffeln‘. Rentabilität und Perspektive passen hier. Keiner kennt die Spielregeln der europäischen Pommes-Frites-Industrie besser als Weuthen“, sagt  RWZ-Vorstandschef Christoph Kempkes.



Baywa-Chef Klaus Josef Lutz betont die Vorteile der Transaktion, die aus Baywa-Perspektive nicht in der Stärkung eines Geschäftsfelds bestehen, sondern in einem Rückzug aus einer Randaktivität: „Kartoffeln gehören nicht zum Kerngeschäft der Baywa. Deswegen haben wir beschlossen, diesen Produktbereich vollständig an den marktführenden Händler zu übertragen. Mit der RWZ und deren Tochtergesellschaft haben wir einen Käufer gefunden, der das Kartoffelgeschäft mit langfristiger Perspektive für unsere bayerischen Landwirte weiterentwickeln wird.“ Betriebsmittel  für den Kartoffelanbau, Pflanzkartoffeln sowie Landtechnik bietet die Baywa weiterhin an. 

Joint-Venture seit gut 20 Jahren

Die KCB wurde von Baywa und RWZ bereits 1998 als gemeinsames Joint Venture mit einer 50:50-Verteilung der Anteile gegründet. Zielsetzung war seinerzeit, die Versorgung mit Kartoffeln für Aviko, einen der nach Angaben der RWZ führenden Produzenten von Pommes Frites in Europa, an dessen Produktionsstandort in unmittelbarer Nachbarschaft zur KCB sicherzustellen. Bei KCB werden rund 300.000 t Rohware aufbereitet. Darüber hinaus werden an einem weiteren Standort in Geiselhöring Speisekartoffeln und Zwiebeln zur Vermarktung in Südosteuropa verpackt.

Die RWZ-Tochter Weuthen übernimmt die Regie bei der KCB ganz. Auf der diesjährigen Fruit Logistica hat der Kartoffelspezialist die ganze Bandbreite seines Angebots präsentiert.
Foto: Weuthen
Die RWZ-Tochter Weuthen übernimmt die Regie bei der KCB ganz. Auf der diesjährigen Fruit Logistica hat der Kartoffelspezialist die ganze Bandbreite seines Angebots präsentiert.

Auf Unternehmen und Kunden der KCB hat die Transaktion laut RWZ-Mitteilung keine Auswirkungen: An der unternehmerischen Ausrichtung und der operativen Geschäftsführung der KCB werde sich nichts ändern, heißt es. Alle Mitarbeiter würden vom zukünftigen Alleingesellschafter Weuthen übernommen. Dank der „ausgezeichneten Partnerschaft mit der Baywa AG“ sei es gelungen, „vielen hundert Kartoffelanbauern in Bayern lukrative und dauerhafte Absatzmöglichkeiten zu erschließen, und daran wird sich auch unter der Alleinregie von Weuthen nichts ändern“, betont RWZ-CEO Kempkes.

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