Geschäftsidee

Bauer rettet Schlachthof

Rudolf Bühler bezeichnet sich selbst gerne als Retter des Schwäbisch-Hällischen Landschweins. Jetzt hat er einen Schlachthof in Fulda gekauft.
BESH
Rudolf Bühler bezeichnet sich selbst gerne als Retter des Schwäbisch-Hällischen Landschweins. Jetzt hat er einen Schlachthof in Fulda gekauft.

Rudolf Bühler will den strauchelnden Schlachthof in Fulda auf Vordermann bringen. Er hat eine Aktiengesellschaft gegründet. Landwirte, Metzger und Verbraucher können ab sofort Anteile kaufen.

Für den Schlachthof in Fulda sind die Zeiten wechselhaft. Der Betrieb gehörte bis vor kurzem noch zu der alternativen WEG-Bio-Stiftung. Zwischenzeitlich produzierte er lediglich Tiernahrung. Jetzt ist er verkauft. Der neue Investor heißt Rudolf Bühler, „Landwirt in 14. Generation und Bauernrebell“ wie das Nachrichtenmagazin „Der Spiegel“ den Unternehmer aus dem baden-württembergischen Wolpertshausen charakterisiert.

Bühler hat in Fulda den „Bäuerlichen Erzeugerschlachthof Kurhessen“ gegründet. Das Interessante an der Gesellschaft zur Rettung des Schlachthofes ist, dass sie als Aktiengesellschaft funktioniert, allerdings nicht börsennotiert ist. Seit dem heutigen Freitag können Anteile gekauft werden. Das Stammkapital beträgt 250.000 Euro, eine Aktie kostet 500 Euro. „Jedem, dem etwas am Erhalt des Schlachthofs gelegen ist, kann sich beteiligen“, sagt Bühler. Hierbei denkt der Vollblut-Biobauer an Landwirte, Metzger, Bürger und Kommunen aus der Region. Sein Traum ist es, ein Bürgerprojekt auf die Beine zu stellen. "In der Rhön und drumherum geht es darum, dass auch hier die Bauern wieder zukunftsfähig aufgestellt werden", sagt Bühler dem Onlineportal "Osthessen-News".

Der Landwirt 
kennt das Geschäft. Als Gründer und Vorsitzender der fränkischen Bäuerlichen Erzeugergemeinschaft Schwäbisch Hall (BESH) verfügt er über 30 Jahre Fleisch-Erfahrung. Er verfolgt das Ziel, die heimische Landwirtschaft in eine Zukunft zu führen und jungen Hofnachfolgern eine Perspektive zu geben. Diese Vision möchte er auch in Fulda mit einbringen - als Chef des Aufsichtsrats für den Erzeugerschlachthof Kurhessen.

Auf Vorstandsebene der neuen AG zeichnet sich Sven Euen verantwortlich. Wie in vielen regionalen Schlachtstätten, sind auch in Fulda Gebäude und Ausrüstung in die Jahre gekommen. Den Investitionsstau bezifferte Bühler gegenüber den Osthessen-News auf bis zu 800.000 Euro für die nächsten Jahre. Auch deshalb sei die Gründung des neuen Unternehmens erforderlich gewesen. So können Fördermittel der Europäischen Union beantragt werden.
Viele Wechsel
Die Geschichte des Fuldaer Schlachthofs ist eng verküpft mit der Handelskette Tegut und der ehemaligen Eigentümerfamilie Gutberlet. Der Einzelhändler führte in seinen Märkten Fleisch, Fleischwaren und Wurst aus eigener Produktion. Einen Großteil der zu verarbeitenden Rohware bezog das handelseigene Fleischwerk vom Schlachthof Fulda. Der Betrieb kaufte Rinder und Schweine bei den Landwirten aus den Regionen Vogelsberg und Rhön ein. Beide Unternehmen, Schlachtbetrieb und Fleischverarbeiter, waren Teil der WEG-Stiftung. 

Die Übernahme des regionalen Lebensmittelhändlers Tegut durch die Migros Zürich brachte viele Veränderungen mit sich. Denn die Schweizer entschieden sich für eine Zusammenarbeit mit der Müller-Gruppe aus dem württembergischen Birkenfeld. Durch den Wegfall dieses Großkunden schlitterte der Fleischverarbeiter in die Krise. Der Betrieb wurde zum Hersteller von Tierfutter für die Deuerer GmbH. Das Tagesgeschäft wurde zuletzt durch die Schlachthof Fulda Betriebs GmbH sichergestellt.


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