Geschmacksache

Sauglücklich mit grüner Soße


Ein echter Frankfurter will als Kräuterschwein wiedergeboren werden, sagt der Volksmund.
Daniel Esswein
Ein echter Frankfurter will als Kräuterschwein wiedergeboren werden, sagt der Volksmund.

Die Borstenviecher von Christopher George und Thomas Flechel haben „Schwein gehabt“. Die Unternehmer setzen auf biologische Produktion und verfüttern Kräuter.

Grüne Soße schmeckt nicht nur Menschen, sondern auch Schweinen. Der beste Beweis dafür sind die Borstentiere von Christopher George und Thomas Flechel. Die Inhaber des 2017 gegründeten Unternehmens Rhein-Main Schwein verfüttern die hessische Spezialität regelmäßig vier Wochen vor der Schlachtung. „Unsere Tiere sind total verrückt danach“, sagt George. Ihr Fleisch vermarkten die Kompagnons mit Firmensitz in Neu-Isenburg als „Kräuterschwein aus Hessen“.

Den Anstoß dazu gab Bärbel aus Bentheim. Das Ferkel lebte auf dem Bio-Hof von Bauer Etzel in Wehrheim. Außerdem hatte es einen Paten – Thomas Flechel, ein örtlicher Mediengestalter. 2015 wollte er mit einem Geschenk an seine treuen Kunden verdeutlichen, welche Wertschöpfung in seiner Arbeit steckt und dass diese Arbeit auch gut bezahlt werden muss. In diesem Zusammenhang fiel Flechel die Agrarwirtschaft ein. Immerhin werde dort ein ähnlich großer Aufwand betrieben. Besonders von Bauern, die nicht auf intensive Haltungsformen setzten.

Grün im doppelten Sinn

Also wandte sich Flechel an Werner Etzel, übernahm die Patenschaft für ein Ferkel und taufte es Bärbel. Als das Tier eines Tages „from Nose to Tail“ zerlegt wurde, waren alle Kunden dabei und stellten gemeinsam Hackfleisch her. Aus der Aktion entstand zwei Jahre später die Idee, die ökologischen Produkte weiteren Städtern zugänglich zu machen. Doch zuvor wollten Flechel und George ihr Angebot um einen besonderen Aspekt ergänzen – mit den sieben Kräutern der Frankfurter Spezialität „Grüne Soße“.

„Weil wir nicht wussten, wie die Schweine reagieren, wenn Borretsch, Pimpinelle, Petersilie, Sauerampfer, Kresse, Kerbel und Schnittlauch auf ihrem Speiseplan stehen, haben wir Prof. Dr. Josef Kamphues vom Institut für Tierernährung der Tierärztlichen Hochschule Hannover kontaktiert“, berichtet George. Der Experte für die alternative Ernährung von Mastschweinen erklärte, dass sie den Tieren nicht mit homöopathischen Dosen kommen dürften. Außerdem empfahl er, die Kräuter erst zuzufüttern, wenn sich intramuskuläres Fett bildet, das für den Geschmack eine wichtige Rolle spielt.

„Unsere Schweine sollen den Frankfurtern natürlich nicht ihre geliebte ‚Grie Soß‘ wegfuttern“, beteuert George. „Deshalb verfüttern wir nur die Kräuter, die sich ohnehin nicht verkaufen lassen, weil zum Beispiel der Borretsch schon Blüten getrieben hat.“ So landen die Kräuter nicht im Abfall, und die Jungunternehmer profitieren von einem ordentlichen Preisnachlass. In der Regel verteilen sie 10 Kilo an die Schweine, bevor diese zur Schlachtung kommen.

Deutlicher Qualitätsunterschied

Sven Elzenheimer, Inhaber einer Metzgerei in Frankfurt-Unterliederbach, schlachtet aktuell zwei bis drei dieser Kräuterschweine pro Woche. Und deren Fleisch unterscheidet sich deutlich von dem konventionell gemästeter Tiere. Das bewies ein Schweinerücken, den sie nach Hannover geschickt haben, um ihn dort auf Schnittfestigkeit, Tropfsaftverlust und andere Faktoren testen zu lassen. „Aber letzten Endes ist das Fleisch weder grün noch schmeckt es nach Grüner Soße“, merkt Flechel augenzwinkernd an.

Über einen eigenen Webshop vermarkteten die Partner das Fleisch mit großem Erfolg. Aber das schlechte Umwelt-Gewissen, regional erzeugtes Fleisch durch die ganze Republik zu schicken, habe sie eingeholt. Daher hätten sie den Webshop wieder geschlossen. Trotz des großen Erfolgs. An die Stelle des Onlineshops trat ein Gastro-Betrieb: Bei „Frau Rauscher“ in Frankfurt-Sachsenhausen steht das Kräuterschwein jetzt exklusiv auf der Speisekarte.

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