Getreidehandelstag

Fruchtfolge weiter fassen


Die Ackerbaustrategie kann die ökologische und konventionelle Landwirtschaft näher zusammenbringen. Der Einsatz autonomer Pflegemaschinen bringt beiden Betriebsformen Vorteile.

Die Veränderungen in der Landwirtschaft gehen alle an. „Miteinander reden und nicht übereinander reden“, stellt Wolfgang Vogel vom Deutschen Bauernverband (DBV) die Diskussion über die Zukunft der Landwirtschaft an den Anfang. Beim Getreidehandelstag auf Burg Warberg plädierte Vogel dafür, sich intensiver der Fruchtfolge zu widmen. „Wenn wir nur Weizen, Stoppelweizen und Zuckerrüben anbauen, hat das mit guter Landwirtschaft nichts zu tun.“ Er könnte sich eine fünf- bis siebengliedrige Fruchtfolge vorstellen. Das Thema Fruchtfolge wurde auch in die Ackerbaustrategie aufgenommen, die der Deutsche Bauernverband und andere Branchenverbände vor Kurzem im Zentralausschuss der Landwirtschaft vorgestellt haben.

Das Problem der Nährstoffüberschüsse ärgert Vogel. Die Gülle müsse in vieharme Regionen transportiert werden. Er fordert deshalb eine sachliche Diskussion zur flächengebundenen Tierhaltung: „Ich bin für eine Wertschöpfung auf der Fläche“, sagte Vogel und stellt die Formel: 'Eine Großvieheinheit je Hektar' zur Diskussion. Auch die Pflanzenschutzpolitik sieht der sächsische Bauernpräsident kritisch: „Wir können nicht nur Wirkstoffe verbieten und im Umkehrschluss bilden sich Resistenzen.“

Jan Plagge von Bioland setzt  sich in der Diskussion zur landwirtschaftlichen Zukunft beim Getreidehandelstag dafür ein, dass die Landwirte die Nachhaltigkeitsleistungen ihrer Betriebe kennen und verbessern sollen. Schon jetzt bewegten sich die Verbraucher in zwei Märkten von ökologisch und konventionell erzeugten Lebensmitteln. Der Biolandbau sei genau denselben Marktkräften ausgesetzt wie konventionelle Betriebe. Er plädierte auf Burg Warberg für ein neues Modell der Gemeinsamen Agrarpolitik (GAP) und kritisierte die weitere Mittelkürzung der 2. Säule. Vielmehr votierte er für eine Basisprämie. Er will weg von der Botschaft: „Wenn ihr Güter liefert, werdet ihr entschädigt“. Plagge will, dass die Betriebe ein Entgelt bekommen, wenn sie für Umwelt, Klima und Wasser einen Beitrag leisten. Er schlägt einen neuen Gesellschaftsvertrag zwischen Landwirten und Bürgern im Rahmen der GAP 2020 vor.

"Wir sollten über einen Reduktionspfad der Nährstoffe nachdenken", rät Prof. Folkhard Isermeyer vom Thünen-Institut in Braunschweig. Schon eine kürzere Einarbeitungszeit der Gülle von vier auf eine Stunde sei ein ernsthaftes Anpacken der Ammoniak-Problematik, so Isermeyer.  Der Bundestag solle Systemspielräume für die Tierhaltung vorlegen, die der Landwirt nutzen könne. Bislang würden Beamte vorschreiben, wie Landwirtschaft geht.

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  1. EU-Bauer Klaus1618
    Erstellt 13. Juni 2018 10:23 | Permanent-Link

    Eine Mehrzahl von Bauern sind schmerzhaft in Reihen der Prekarier gelandet. Das widerspiegeln derzeit die absolut armseligen Faktizitäten der in weiten Bereichen extrem verfahrenen Lage innerhalb der landwirtschaftlichen Urproduktion. Wo bleibt also die soziale Kompetenz unserer geistigen Eliten, die sich nach wie vor in einer allmächtigen Vordenkerherrschaft sehen!?

    Gerade obige Veranstaltung offenbart anschaulich, dass man an der Grundproblematik mehr oder weniger diplomatisch einzig herumlaviert, ohne dass dabei praxistaugliche Modelle endlich auf den Tisch kommen. Abgedroschene Schlagworte machen die Runde, die bereits bis zur vollkommenen Erschöpfung ausdiskutiert sind. - Was aber nun?

    Jeder Bauer, der eigeninitiativ schon einige Schritte voraus diesem öden Schneckentempo entflieht, stösst allerdings sofort mit seinem Produktportfolio, das einem solchen altbackenen, extrem eng definierten Cluster nicht entspricht, sofort auf pure Ablehnung. Es wird gemauert, was das Zeug hält. Damit die Höfe der aufnehmenden Hand konfrontiert, erfüllt man sofort das gerne geübte Stossen einer solchen Ware; die Annahmeverweigerung ist dort Pflichtübung!

    Schöne Worte reichen also fürwahr nicht, wie man daraus ableiten kann. Schauen Sie sich doch einmal die bäuerlichen Abzockermodelle, manifestiert in unseren Einheitsbedingungen des Deutschen Getreidehandels an; dieses Endlos-Pamphlet der deutschen Bauerngeißelung, einer Aneinanderreihung von nur noch Zwangsmaßnahmen und Androhungen.

    In den Cerebra unserer geistigen Größen ist noch immer nicht angekommen, dass eine erdölbasierte Nahrungsmittelproduktion an Grenzen stößt und daher dringend einer Wende zugeführt werden sollte. - Vorauseilend statuiert die Automobilindustrie überaus peinlich, dass selbst unter Einsatz von ausgebuffter Schummel-Software die heutigen Dieselrosse auf unseren Straßennetzen in die Jahre gekommen sind.

    Dabei könnten die Bauern ihrerseits dahingehend rasant mit Abhilfe schaffen können. Warum arbeitet man nicht mit der entsprechenden Ernsthaftigkeit an eben solchen Konzepten?

    Fürchtet man in schlussendlicher Konsequenz, selbst den eigenen stylisch bequemen Beamtensessel im Zuge dessen räumen zu müssen, weil man sodann vielleicht schlichtweg verzichtbar sein könnte?

    Eine landwirtschaftliche Produktion, am jeweiligen Bedarf orientiert, würde natürlich parallel dazu sehr zügig Veränderungen in alle denkbaren Richtungen zur Folge haben; das ist heute schon unbestritten. Kurz- bis mittelfristig wird uns allerdings ein solches Schicksal sowieso ereilen. - Warum also um Gottes Willen noch immer dieses langweilig müde Schneckentempo hinein in unsere weitreichend enttarnte Bauernsackgasse!?

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