Grain-Club-Dialogveranstaltung

Versorgung mit Protein im Fokus


Mit einer steigenden Weltbevölkerung wird auch der Bedarf an Protein wachsen. Der Grain Club hat die drängendsten Fragen zu diesem Thema in einer Dialogveranstaltung diskutiert.

Der weltweite Proteinverbrauch wird aller Voraussicht nach mit zunehmendem Fleischkonsum, insbesondere in China und den Schwellenländern, weiter steigen. Zudem rechnet die FAO mit knapp 10 Milliarden Menschen im Jahr 2050, deren Versorgung mit Proteinen in Form von tierischen Lebensmitteln als eine globale Herausforderung gilt. Was sind die Folgen für Europa und Deutschland? Kann für die Nutztierversorgung das Protein aus Sojaschrot durch Eiweiß von Insekten ersetzt werden? Diese Fragen standen im Mittelpunkt einer Dialogveranstaltung des Grain Club.

Über den Veranstalter
Der Grain Club, der Zusammenschluss von Verbänden der Lebens- und Futtermittelwirtschaft, setzt sich für die Balance aus nationalem Klimaschutz und globaler Ernährungssicherung ein. Bewährt hat sich dabei das Prinzip der Gunstregionen, wonach dort angebaut wird, wo es die besten klimatischen und agrotechnischen Voraussetzungen gibt.
Die Mitglieder des Grain Clubs repräsentieren die verschiedenen Stufen der Getreide-, Futtermittel- und Ölsaatenwirtschaft. In der Wertschöpfungskette der Agrar- und Ernährungswirtschaft sind die Mitgliedsunternehmen dieser Verbände in den der Landwirtschaft vor- und nachgelagerten Bereichen Verarbeitung, Herstellung und Handel tätig. Zum Grain Club gehören: Bundesverband der Agrargewerblichen Wirtschaft e.V., Deutscher Raiffeisenverband e.V., Deutscher Verband des Großhandels mit Ölen, Fetten und Ölrohstoffen e.V., Deutscher Verband Tiernahrung e.V., OVID Verband der ölsaatenverarbeitenden Industrie in Deutschland e.V. sowie der Verein der Getreidehändler der Hamburger Börse e.V.

Für die Tierhaltung in Deutschland haben Importfuttermittel eine erhebliche Bedeutung. 2016 lag der Futterproteinverbrauch laut BMEL in Deutschland bei 7 Mio. t, hiervon liefern Sojabohnen gut 72 Prozent. Importierte Sojabohnen und -schrot aus Nord- und Lateinamerika bilden die Hauptquelle für die Versorgung mit Eiweißfuttermitteln. Um die aus importiertem Sojaschrot benötigten Proteinmengen zu ersetzen, müssten die Flächen für Raps, Erbsen und heimische Sojabohnen um ein Vielfaches ausgeweitet werden, lautete das Fazit von Dr. Oliver Balkhausen, Vorsitzender der Sektion „Markt und Gemeinsame Agrarpolitik“ des Europäischen Verbands des Getreidehandels Coceral.

Die Folge könnte ein deutlicher Rückgang der europäischen Getreideproduktion und eine Gefährdung des Status der EU als verlässlicher Lieferant von Grundnahrungsmitteln sein. Eine nachhaltige Eiweißversorgung sei nur mit dem Import von Sojabohnen und -schrot vereinbar, so Balkhausen.

Der zweite Referent der Dialogveranstaltung, Prof. Dr. Wilhelm Windisch von der TU München-Weihenstephan, wies darauf hin, dass mit Insekten als Proteinquelle für landwirtschaftliche Nutztiere zusätzliche Emissionen entstünden. Das Ausmaß der potenziellen Umweltbelastung durch die Aufzucht der Insekten sei größer als bei der direkten Verfütterung der gleichen erforderlichen Menge Futterproteine an landwirtschaftliche Nutztiere, so sein Fazit. Erfolgversprechender sei deshalb die Strategie der „sustainable intensification“, der signifikanten Steigerung der Effizienz der Produktion, die einen geringeren Verbrauch an Ressourcen und einen Rückgang umweltbelastender Emissionen zur Folge habe. Hierfür gebe es in der Nutztierhaltung noch beträchtlichen Spielraum.

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